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Europa

Über sieben Brücken musst du gehen

Als Litauen die ehemalige Sowjetunion verließ und die eigenständige Republik ausrief, war die Welt Zeuge. Kaum wahrgenommen aber wurde die Bildung eines Stadtstaats kurz danach - "Uzupio". Birgit Johannsmeier ist dort.

Ein bunt bemaltes Haus in 'Uzupio' (Foto: Victoria von Gottberg)

"Uzupio" ist Stadtstaat und Künstlerviertel

Die Einen trinken Kaffee und plaudern, ein junger Mann hat sich mit seinem Tee ans Klavier gesetzt. An den Fenstern brechen Eisblumen das Licht und geben einen unscharfen Blick auf den kleinen Fluss frei, der am "Café Uzupio" vorbeifließt.

Geborgenheit und Glücklich Sein in "Uzupio"

Präsident der Freien Republik: Romas Lileikis, Filmemacher und Poet (Foto: Birgit Johannsmeier)

Präsident der Freien Republik: Filmemacher Romas Lileikis

"Uzupio" bedeutet auf litauisch "hinter dem Fluss" - und "Uzupio" heißt auch die erste freie Republik, die sich mitten in der litauischen Hauptstadt Vilnius gegründet hat. In diesem Viertel seien die Leute einfach offen für alles, verrät mir der Pianist, der im Café seine Mittagspause verbringt. "Das ist der einzige Ort in Vilnius, an dem ich mich einfach ans Klavier setzen und spielen darf", sagt er.

Die Livemusik, ein freundlicher Barmann und das prasselnde Feuer locken auch mich ins "Café Uzupio". Habe ich Lust auf philosophische Gespräche, trinke ich vormittags mit Romas Lileikis einen Kaffee. Er ist Filmemacher, Dichter – und Präsident der Freien Republik Uzupio. "Als wir am 1. April vor zwölf Jahren auf die Idee der Freien Republik gekommen sind, war Uzupio als kriminell berüchtigt. Wir aber waren auf ein Miteinander und auf Geborgenheit aus. Heute feiern wir alle zusammen und lehren einander, nicht unglücklich zu sein", sagt er über das eigenwillige Viertel, das über sieben Brücken mit der Altstadt verbunden ist.

Ein Engel wacht über "Uzupio"

Das Café Uzupio von außen (Foto: Birgit Johannsmeier)

Das "Café Uzupio"

Ich mache vom "Café Uzupio" aus einen kurzen Spaziergang am Fluss entlang, vorbei an einstöckigen Backsteinhäusern, buntbemalten Hinterhöfen, drei weißgetünchten Holzbrücken und vielen Skulpturen. Die meisten stehen am Ufer, einige mitten im Fluss.

Durch eine verwinkelte Gasse gerate ich auf einen Platz, wo sich hoch auf einem Obelisken das Wahrzeichen des Viertels erhebt: ein goldener Engel. Er sei das Symbol der Einheit, eines Miteinanders von Menschen und Kulturen, sagt Romas Lileikis. Am Wochenende kommen Brautpaare her und stoßen auf ihr gemeinsames Glück an.

Gut, günstig und gesund

Fluss in Vilnius (Foto: DW)

Über sieben Brücken ist das Viertel "Uzupio" mit der Altstadt von Vilnius verbunden

Rund um den Engel stehen zahlreiche Restaurants und Bars. Schmuckboutiquen, Galerien und Bioläden haben aus dem einstigen Schmuddelviertel eine Kunstmeile gemacht. "Hier in Uzupio lebt die Seele unserer Altstadt. Wir wohnen weit weg und kommen manchmal nur für einen Kaffee. Hier trifft sich die Bohème, Maler und Leute aus dem Theater, das genießen wir", sagt eine Litauerin.

Auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Abendessen bin ich im "Uzupio Klassika" gelandet, einem winzigen Restaurant, mit großen Spiegeln, Kristall-leuchtern und Biedermeierstühlen. "Wir haben den Engel nicht nur mitfinanziert, sondern auch entschieden, in seiner Nähe ein eigenes Restaurant aufzumachen. Fünf Jahre lang haben wir eine winzige Einzimmerwohnung zu unserem kleinen Gourmettempel umgebaut", erzählt Chefin Zane Kocina. Sie koche nur mit Biofleisch und frischem Fisch und ohne Geschmacksverstärker.

Ein Straßenschild markiert den Eingang zum Stadtviertel 'Uzupio' (Foto: picture alliance)

"Uzupio" hat eine eigene Verfassung

Mich hat nicht nur die zarte Kaninchenkeule in Honigsauce sofort überzeugt. Auch der spanische Rotwein aus der Region La Mancha war ein Gedicht. Noch besser war allerdings der Preis: Für das ganze Menü habe ich gerade mal 18 Euro gezahlt.

Autorin: Birgit Johannsmeier

Redaktion: Julia Kuckelkorn

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