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Projekt Zukunft

Über Langlebigkeitsgene und den Wunsch nach ewiger Jugend

Ein Gespräch mit Prof. Christoph Englert, Leibniz-Institut für Altersforschung, Jena

Video ansehen 03:45

DW:
Herr Englert, wir Menschen sind immer älter geworden in der Vergangenheit. Wie viele Jahre sind denn für uns eigentlich drin? Gibt es eine maximale Lebensspanne?


Chistoph Englert:
Sie haben recht. Die mittlere Lebensspanne des Menschen hat sich kontinuierlich erhöht. Ich glaube aber, 120 Jahre ist vermutlich das Maximum, das wir erreichen können. Das zeigt auch die Tatsache, dass die älteste Frau, die es heutzutage gibt, eben 122 Jahre alt geworden ist.

Aber das ist eine Vermutung - das könnte auch noch weiter gehen?

Das ist eine Vermutung, die aber gut durch Empirie, durch einige Milliarden, ja viele Milliarden Menschen, bisher unterstützt wird. Es ist eben keiner noch älter geworden als 122.

Nun hat die Evolution kein Interesse daran hat, dass wir besonders altwerden, aber wir Menschen haben natürlich ein großes Interesse daran. Inwieweit können wir dieses Wissen um die Gene und um dieses Gen-FoxO tatsächlich nutzen um uns vielleicht noch länger Leben zu lassen?

Es gibt eben Modell-Organismen, aus denen wir etwas über das Altern gelernt haben. Eines davon ist Hydra. Es gibt daneben noch viele Andere. Dieses FoxO-Gen gibt es bei uns Menschen auch in verschiedenen Ausprägungen und es sind eben die Studien an diesen Modellorganismen, die unser Wissen über Alternsforschung weiter bringen.

Und konkret anwendbar?

Anwendbar ist es durchaus, denn wir können natürlich die Aktivitäten dieser Gene z.B. FoxO versuchen zu erhöhen. Das würde dann  - wenn das alles so stimmt, dass FoxO eines der lebensentscheidenden Gene ist - unserer Alter tatsächlich verlängern können. Wir können die Aktivität von diesen Genen beeinflussen oder zumindest es lernen sie zu beeinflussen.

Nun ist es bei Hydra ja so, dass sie sich asexuell fortpflanzt, aber gleichzeitig unsterblich ist. Bedeutet das, dass man im Leben einfach nicht alles haben kann?

Da sprechen Sie einen sehr spannenden Punkt an. Tatsächlich kann sich Hydra asexuell und auch sexuell vermehren. Und auch diese Unsterblichkeit ist auf den asexuellen Vermehrungszyklus beschränkt. Wenn Sie Hydren dazu zwingen, oder Hydra dazu zwingen, dass es sich sexuell vermehrt - das geht auch - dann wird sie plötzlich sterblich. Man könnte sagen die Sterblichkeit ist der Preis für Sexualität.

Weiß man warum wir altern; warum altern wir überhaupt?

Das ist eine sehr spannende Frage und tatsächlich relativ offen. Die Idee ist, dass es keine Selektion darauf gibt, dass wir besonders alt werden, weil wir eben - wie im Beitrag auch angesprochen - mit der Reproduktion unseren Sinn, unser Ziel bereits erfüllt haben, im Sinne der Evolution.

Biologisch...?

Biologisch. Es gibt auch noch eine zweite Vermutung. Es gibt eben Gene die reproduktive Aktivität erhöhen, aber dann im Alter von Nachteil sind. Also Gene die eine vielschichtige Wirkung haben. Eben in der Jugend positiv, im Alter negativ.

Die Natur steckt ja nun ziehmlich viel Energie hinein, um uns groß werden zu lassen und uns schließlich in ein Ater zu bringen indem wir dann fortpflanzungsfähig sind. Man könnte doch, wenn diese Fortpflanzungsfähigkeit noch länger andauern würde, könnten wir ja noch mehr Nachkommen in die Welt setzen. Es wäre doch rein energetisch betrachtet von Vorteil.

Das wäre es. Aber vermutlich hat die Natur - in Anführungszeichen - eben auch ein Interesse an einer gewissen Pluralität. Sie hat keine Interesse daran, dass einzelne Individuen die Population dominieren, denn die Umweltbedingen ändern sich und deshalb möchte die Natur, die Evolution aus einem genetischen Reservoir schöpfen können. Und dazu ist es eben sinnvoller, viele Menschen vermehren sich zu einem gewissen Prozentsatz, als wenige dominieren die Population.

(Interview: Ingolf Baur)

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