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Deutschland

Über die Gefahren von persönlichen Daten im Netz

Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter sind sehr beliebt, ihr Mitgliederzuwachs ist enorm. Viele Nutzer geben dabei aber auch viele persönliche Daten preis, obwohl das weitreichende Folgen haben kann.

Symbolbild Daten im Netz: i-Phone und verschiedene Webseiten (Foto: DPA)

Man nehme ein Soziales Netzwerk namens Facebook, dazu 500 Millionen Nutzer und ein paar umständlich verfasste Privatsphäre-Einstellungen, vermischt mit einem Spritzer Leichtsinn. Ergebnis ist, dass ein Fünftel aller Facebook-Nutzer seine Netzwerkprofile der Öffentlichkeit zugänglich macht. Der US-amerikanische Hacker Ron Bowes erstellte kürzlich eine Liste derjenigen Facebook-Nutzer, die ihr Profil für die Öffentlichkeit freigaben und damit in Suchmaschinen á la Google und Co. suchbar machten. Bowes konnte so die Daten von 100 Millionen Facebook-Profilen zusammen tragen, seine Liste stellte er dann für jedermann zum Download bereit.

Richtig, es handelt sich lediglich um eine Liste der mutwilligen Facebook-Nutzer, die sich bei Facebook finden lassen wollen und deshalb Daten wie ihren Profilnamen oder ihr Profilfoto zugänglich machten. Insofern wurden bei der Veröffentlichung keine Sicherheitsmechanismen übergangen, Bowes trug Informationen zusammen, die sowieso schon im Netz verfügbar waren. Dieser Fall zeigt aber, dass viele Nutzer Sozialer Netzwerke unbekümmert sind, wenn es um die Veröffentlichung ihrer Daten im Netz geht. Sind die Nutzer einfach schlecht informiert oder zu unbekümmert?

"Die wissen, was sie da tun"

Nein, meint Professor Klemens Skibicki vom Deutschen Institut für Kommunikation und Recht. "Die wissen, was sie da tun", sagt er, "denen ist es durchaus bewusst, dass sie auch Bildrechte missachten, dass alles, was sie ins Netz stellen, im Prinzip nicht mehr gelöscht wird", so Skibicki weiter.

Gemeint sind die sogenannten Digital Natives, also die derzeit unter 30-Jährigen, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen und von vornherein einen offeneren Umgang mit Daten gewohnt sind. Die mediale Sozialisation dieser Generation wurde von Shows wie "Big Brother", "Deutschland sucht den Superstar" oder Talkshows der 90er-Jahre geprägt, also von den Medienformaten, bei denen private und intime Details im Mittelpunkt stehen. Hauptsache, man wird öffentlich wahrgenommen.

Deshalb definieren Digital Natives Öffentliches und Privates viel unverkrampfter als ihre Elterngeneration. Sogenannte Digital Immigrants, also die älteren Generationen, sind dagegen von vornherein eher skeptisch. Sie sind nicht mit Sozialen Netzwerken aufgewachsen, sie beobachten im Stillen, sind eher passiv und geben nicht viel von sich preis. Die Immigrants wollen in Netzwerken vor allem am Leben ihrer Kinder und Enkelkinder, den Natives, digital partizipieren und mitbekommen, was sie bewegt - in Zeiten der wachsenden Mobilität kann das ein großer Vorteil sein.

Die Schatten von Jugendlichen mit einem Laptop sind vor dem Schriftzug des sozialen Internet-Netzwerks Facebook zu sehen (Foto: DPA)

" Facebook hat die Daten dann!"

Auch wenn Soziale Netzwerke Kommunikation und Teilhabe durchaus erleichtern können, der ganze Spaß birgt dennoch Risiken: Nutzer vergessen mitunter, dass Privatinformationen im Netz keine Privatinformationen bleiben. Denn die digitale Informationsweitergabe lässt sich schlecht nachvollziehen. Man kann nicht die Privatsphäre-Einstellungen all seiner Freunde im Social Web kennen. Benutzen die Facebook-Freunde Zusatzanwendungen, werden weitere Daten gratis mitgeliefert. Oftmals werden so auch Daten der Freunde weiter gegeben. Verweigert der Nutzer aber die Weitergabe, kann er die Zusatzanwendung nicht nutzen. Netzwerk-Nutzer müssen also den ständigen Spagat zwischen reizvoller Funktion und Datenweitergabe meistern. "So lädt einen Facebook immer wieder dazu ein, Daten der Freunde zugänglich zu machen, von denen man gar nicht unbedingt weiß, ob die das wollen. Facebook hat die Daten dann!", gibt Jo Bager, IT-Experte vom deutschen Computermagazin "c't" zu bedenken.

Zu komplizierte Profil-Einstellungen

Wer sich in Sozialen Netzwerken anmeldet, muss sich deshalb zunächst fragen, wer wie viel Einblick auf das eigene Profil erhalten soll, um dann entsprechend die Zugriffsrechte festzulegen: Mitunter sind diese Privatsphäre-Einstellungen aber komplex und schwer verständlich. Der häufige Vorwurf von Kritikern: Vor allem Facebook gestalte sie unnötig kompliziert und verändere sie außerdem in kurzen Abständen, um sie noch weiter zu verschachteln. "Nach wie vor ist es viel zu kompliziert. Der normale Nutzer steigt da nicht durch", beurteilt der Experte Bager dieserlei Einstellungsmodi bei Facebook und ähnlichen Anwendungen.

Deshalb fordern Experten, dass die Standardeinstellungen von Netzwerkunternehmen benutzerfreundlicher voreingestellt werden. Zurzeit werden nach dem Anlegen eines neuen Profils Daten freigegeben, solange der Nutzer dies nicht anders einstellt. So läuft er Gefahr, womöglich unwiderruflich mehr Daten preis zu geben, als ihm eigentlich lieb ist. Benutzerfreundlich wäre hingegen eine restriktive Voreinstellung, bei der der Nutzer aus eigenem Ermessen Daten frei geben kann.

Medienkompetenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Soziale Netzwerke sind ein noch neues Phänomen. Zwangsläufig muss die digitalisierte Gesellschaft den Umgang mit Daten im Netz noch weiter lernen und ein besseres Gefühl dafür entwickeln, was öffentlich und was privat ist - also medienkompetent werden. Medienkompetenz zu erlangen ist dabei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: "Wir haben noch keine Patentlösung dafür, aber sowohl die Forschung, als auch die Politik, als auch die Eltern und vor allen Dingen die Digital Natives, wir alle müssen zusammen neue Konzepte entwickeln", so Skibicki. Auch die Anforderungen an Datenschutzkonzepte haben sich geändert. Denn sie stehen vor der Herausforderung, den Menschen vor sich selbst, und nicht nur vor dem Zugriff Fremder, zu schützen. Solange aber noch keine derartigen Konzepte entwickelt wurden, muss jeder Nutzer für sich selbst die digitale Grenze der Privatsphäre ziehen.

Autor: Franziska Schmidt
Redaktion: Julia Bernstorf (kas)