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Kultur

Über Deutschland nach Athen

In China kannte sie kaum jemand. Die Nationaltrainer in ihrer Heimat fanden die 1,60 Meter große Badmintonspielerin einfach zu klein. Den Durchbruch schaffte Huaiwen Xu erst in Deutschland. Jetzt wartet Olympia auf sie.

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Kämpfernatur: Huaiwen Xu

Am Telefon klingt Xus Stimme entschlossen und energisch. Wenn man die zierliche Frau dann sieht, macht sie eher einen ruhigen und offenen Eindruck, wenig ist von der Verbissenheit zu spüren, mit der sie um jeden Ball kämpft. So ein Persönchen wird von VfB und Nationalmannschaft als "Sonnenschein" und "Hoffnungsträgerin" betrachtet, mit ihr erst ist Deutschland zu Europas zweitbester Nation geworden.

Bei internationalen Turnieren außen vor

Die Entschlossenheit und der Wille, für ihren Sport zu kämpfen, ziehen sich wie ein roter Faden durch Xus Leben. Mit neun Jahren hatte sie zum ersten Mal einen Badminton-Schläger in der Hand und ließ ihn bis heute nicht los. Ihr Weg zum Sport war vorbestimmt. Xu wuchs in einer Sportlerfamilie auf. Ihr Vater war Profi-Volleyballspieler, ihre Mutter professionelle Basketballspielerin. "Ich hatte von Kindheit an viel Kontakt zu den Leuten aus dem Sportler-Kreis. Ich lebte in einer Sportwelt", erzählt Xu.

Aber als sie sich dann mit 13 entschied, Badminton zum Beruf zu machen, war ihre Mutter skeptisch. Schließlich wusste sie aus eigener Erfahrung, wie hart die Sportler-Laufbahn ist. Mit 21 wurde Xu dreimal Dritte der chinesischen Meisterschaften, bei internationalen Turnieren blieb sie aber außen vor. Es waren immer die große Spielerinnen mit langen Armen, die China international vertreten sollten.

Trotzdem: Xu verbrachte zwei Jahre in den Trainingscamps der Hauptstadt. Es war eine unvergesslich harte Zeit für sie. Sie kämpfte sich mit doppeltem Training ins Nationalteam, aber Xus Hoffnungen auf Erfolg erfüllten sich nicht. Ihr Name tauchte in keiner der Teilnehmerlisten für internationale Turniere auf. Für den Sport hatte sie alles aufgegeben - am Ende verließ sie mit 23 Jahren tief enttäuscht das Camp.

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Xu wollte weg, weit weg. Per E-Mail bewarb sie sich bei deutschen Klubs. Der VfB Friedrichshafen wollte sie verpflichten, doch die Behörden in China stellten sich quer. Zwei Jahre später, im September 2000, durfte sie endlich an den Bodensee kommen. In der Bundesliga bewies sie ihre Begabung: Sie wurde ein Garant für Punktgewinne. In drei Jahren verlor sie nur ein Bundesliga-Einzelspiel. In erster Linie nahm Xu in Friedrichshafen aber eine andere Aufgabe wahr: Sie wurde Jugendtrainerin und arbeitete mit bis zu 60 jungen Badminton-Talenten.

Anfang 2003 wechselte Xu zum BC Bischmisheim an den Stützpunkt Saarbrücken. Neben ihren Bundesliga-Einsätzen für den VfB nahm sie auch häufig an internationalen Turnieren teil, ihre Leistung explodierte geradezu.

Hoffnung auf das Achtelfinale

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Im November 2003 bekam Xu den deutschen Pass. Drei Wochen später wurde sie das Gesicht der Bitburger Open. Auf Bussen und Plakaten in ganz Saarbrücken warb ihr Konterfei für das Turnier.

Jetzt tritt Xu für ihre neue Heimat bei den Olympischen Spielen in Athen an und ein alter Traum wird wahr. Mit einer Medaille rechnet Xu aber nicht. "Ich weiß nicht, in welcher Gruppe ich spielen werde. Wenn die Situation günstig ist, könnte ich ins Achtelfinale kommen", sagt Xu. Dann werde sie auf mindestens eine Chinesin treffen. Und vor denen hat sie großen Respekt: "Sie sind echt stark. Ihre Spieltaktiken sind vielseitig. Aber ich mein Bestes."

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