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Fokus Osteuropa

Über „Blitz“ und „Sturm“ liegt ein Schleier des Vergessens in Serbien und Kroatien

Auch zehn Jahre nach der Rückeroberung Westslawoniens durch die kroatischen Streitkräfte klaffen Positionen zwischen Kroaten und Serben weit auseinander. Um die vertriebenen Serben will sich niemand kümmern.

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Die Aktion Blitz hinterlässt bis heute Spuren

Auch zehn Jahre nach der Rückeroberung Westslawoniens durch die kroatischen Streitkräfte klaffen Positionen zwischen Kroaten und Serben weit auseinander. Um die vertriebenen Serben will sich niemand kümmern.

Am 2. Mai jährte sich zum 10. Mal das Ende der Aktion "Blitz" der kroatischen Streitkräfte. Der kroatischen Lesart zufolge wurde Westslawonien damals befreit. Die vertriebenen Serben sagen dagegen, es sei eine ethnische Säuberung und ein Kriegsverbrechen gewesen. Die Meinungen gehen in diesem Punkt nach wie vor diametral auseinander. Noch heute scheint es unmöglich, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Die Meinungen gehen auch in der Frage auseinander, ob der jetzige Angeklagte vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal, Slobodan Milosevic, von dieser Aktion wusste und in wie weit ihm die Vertreibung der Serben entgegenkam. Einige Vertriebene behaupten jedenfalls, dass die damalige serbische Regierung geplant hätte, sie alle im Kosovo unterzubringen, damit sie die erste Front im Kampf gegen die Albaner bildeten.

"Schleier des Vergessens"

Dragan Sekulovic, Vorsitzender der Organisation Pravda, Gerechtigkeit, die Flüchtlingen und Vertriebenen Rechtshilfe bietet, sagte der Deutschen Welle, offizielle Vertreter würden die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit häufig vergessen. "Die Aktion ‚Blitz‘ ebenso wie die Aktion ‚Sturm‘ sind unter einem dichten Schleier des Vergessens in Kroatien und Serbien geraten." Sie seien von der politischen Szene verschwunden wie ein Relikt, das zu Zeit der früheren zwischenstaatlichen Spannungen und der Konflikte. "Es gibt niemanden mehr, der sich dafür interessiert – nur noch die Flüchtlinge und Vertriebenen. Sie erscheinen weder im Fernsehen noch im Radio. Sie warten auf Rettung und hoffen dabei allein auf den lieben Gott", so Sekulovic.

Sekulovic kann nicht nachvollziehen, warum bereits seit Jahren in den serbischen Medien eine regelrechte Blockade herrsche, wenn es sich um das Thema Flüchtlinge, Vertriebene oder die Missachtung ihrer Rechte handle. "Diese Blockade ist so stark, so synchronisiert, dass es kein Zufall sein kann." Zahlreiche Ereignisse der vergangenen Jahre wiesen auf die deprimierende Tatsache hin, dass über die Rückkehr der Flüchtlinge und Vertriebenen nicht gesprochen werde. Sie kämen nicht zu Wort. "Es ist eine Tragödie, dass die Medien nicht darüber berichten. Es ist eine Tragödie, dass Nicht-Regierungsorganisationen, die hohe Geldgeschenke aus dem Ausland erhalten, dies nicht auf die Tagesordnung setzen", sagte Sekulovic.

Viele Flüchtlinge sind bereits gestorben

Wenn die serbische Regierung weiter die unerträgliche Lage der Flüchtlinge, die zurückkehren wollten, ignoriere, würden diese zwangsläufig aus Protest ins rechte Lager abdriften, meint Sekulovic. Bei den nächsten Wahlen würde dann die serbische Regierung die Quittung für ihre Haltung erhalten. Sekulovic zufolge sind inzwischen 21 Prozent der Flüchtlinge, die zurückkehren wollten, verstorben. Dieser Prozentsatz habe sich tief ins Bewusstsein derjenigen eingebrannt, die all diese Jahre überlebt hätten und nun fürchteten, dass auch sie der Tod einholen wird, bevor ihr Wunsch in Erfüllung geht.

Ejub Stitkovac, Belgrad
DW-RADIO/Serbisch, 2.5.2005, Fokus Ost-Südost