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Afrika

Über 700 Tote in Nigeria

Die Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und Mitgliedern einer radikalen Sekte haben mehr Opfer gefordert als bislang bekannt. Die nigerianische Regierung lehnt Kritik von Menschrechtlern an ihrem Vorgehen ab.

Gefangengenommene Sektenmitglieder vor einer Polizeiwache (Foto: AP)

Gefangengenommene Sektenmitglieder vor einer Polizeiwache

In Nigeria sind bei den heftigen Kämpfen der Sicherheitskräfte mit radikal-islamischen Sektenanhängern deutlich mehr Menschen getötet worden als bisher angenommen. Das Rote Kreuz sprach am Sonntag (02.08.2009) von mindestens 780 Todesopfern. Die Suche nach Leichen werde fortgesetzt. Mehr als 700 Tote wurden unterdessen in der Rebellen-Hochburg Maiduguri auf dem Gelände des ehemaligen Sektenhauptquartiers begraben, wie aus Sicherheitskreisen in der nigerianischen Hauptstadt Abuja verlautete. Nach tagelangen Kämpfen kehrte am Samstag in Maiduguri im Norden des Landes gespannte Ruhe ein, die Bewohner wagten sich wieder auf die Straße.

Massengräber und Leichenberge

Landkarte (Karte: DW)

Die Unruheprovinzen im Norden Nigerias

Für die meisten Toten habe es auf dem Gelände des inzwischen getöteten Sektenführers Mohammed Yusuf Massenbegräbnisse gegeben, sagte ein hochrangiger Vertreter der staatlichen Sicherheitsbehörden in Abuja weiter. Aber noch immer würden in den Außenbezirken von Maiduguri Leichen geborgen. Beamte transportieren schon seit Tagen auf Lastwagen Tote ab, die zuvor lange auf den Straßen gelegen hatten. Den Angehörigen falle es schwer, um die Herausgabe der Leichen zu bitten, weil sie nicht mit den islamistischen Aufständischen in Verbindung gebracht werden wollten, erläuterte der Sprecher der Regierung des Bundesstaates Borno.

Nach einem Bericht der nigerianischen Zeitung "The Guardian" durchkämmten Sicherheitskräfte am Wochenende Haus für Haus des Stadtviertels, in dem sich die Sektenmitglieder seit Montag verschanzt hatten. Dabei wurden auch 120 Frauen und Kinder gefunden, die von Sektenmitgliedern in Häusern eingeschlossen worden waren. Dem Bericht zufolge ist die Leichenhalle des örtlichen Krankenhauses überfüllt. Leichen würden auf dem Parkplatz der Klinik gestapelt, bis sie beerdigt werden können.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Die Kämpfe hatten sich am Sonntag vor einer Woche nach der Festnahme mehrerer Mitglieder der Boko-Haram-Sekte entzündet. Mit Macheten, Messern, Brandbomben und Gewehren hatten Sektenanhänger in mindestens vier Bundesstaaten Kirchen, Polizeiwachen, Gefängnisse und Regierungsgebäude angegriffen. Zu den schwersten Kämpfen kam es in Maiduguri, der Hochburg von Sektenchef Yusuf. Der 39-Jährige wurde am Donnerstagabend festgenommen und wenig später in Polizeigewahrsam erschossen. Seine Leiche wurde vor der Polizeiwache zur Schau gestellt. Nach offizieller Darstellung der Polizei wurde er bei einem Fluchtversuch erschossen.

Menschenrechtsorganisationen hatten die Umstände von Yusufs Tod kritisiert. Informationsministerin Dora Akunyili verteidigte am Sonntag das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Wenn Yusuf nicht getötet worden sei, hätte sich die Gewalt weiter ausgebreitet. "Es ist das Beste, was Nigeria passieren konnte", sagte die Ministerin der Nachrichtenagentur AFP.

Boko Haram - wörtlich "Westliche Bildung ist Sünde" - ist eine radikale Moslem-Gruppe, die sich an den Taliban in Afghanistan orientiert und die Errichtung eines islamischen Gottesstaates in Nigeria fordert. Der Dachverband der Muslime in dem Ölstaat verurteilte die Gewalt. Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas, das in einen überwiegend muslimischen Norden und einen christlichen Süden getrennt ist. (rri/xxx/afp/rtr/dpa)

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