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Europa

Über 100 Tote nach Feuer in Nachtclub

Bei der seit Jahren schwersten Brandkatastrophe in Russland sind in einem Nachtclub der Stadt Perm mindestens 109 Menschen ums Leben gekommen. Kremlchef Medwedew hat Staatstrauer angeordnet.

Ermittler vor dem Restaurant in Perm (Foto: ap)

Ermittler vor dem Restaurant in Perm

Nach dem Brand mit mindestens 109 Toten hat der russische Präsident Dmitri Medwedew am Samstag (05.12.2009) Staatstrauer angeordnet. Das eintägige landesweite Gedenken am Montag gelte auch den vielen Verletzten der Tragödie, teilte die Kanzlei des Präsidenten nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau mit. Laut Zivilschutzminister Sergej Schoigu müssen mehr als 50 der insgesamt rund 90 Verletzten künstlich beatmet werden. "Wir sind nicht überzeugt, dass alle Patienten überleben werden. Einige von ihnen haben 80 Prozent verbrannte Körperoberfläche", sagte Schoigu. Regierungschef Wladimir Putin forderte eine harte Bestrafung der Schuldigen. "Diese ungeheure Katastrophe muss sorgfältig untersucht werden", sagte das frühere Staatsoberhaupt.

Feuerwerk mit verheerenden Folgen

Der Brand wurde offenbar durch Feuerwerkskörper ausgelöst. Eine Zwischendecke aus Plastik habe Feuer gefangen, als bei einer Bühnenschau in der Nacht Feuerfontänen in die Höhe sprühten, sagte der regionale Sicherheitsminister Igor Orlow der Nachrichtenagentur ITAR-Tass. Der staatliche Nachrichtensender Westi berichtete, ein Künstler habe mit Feuerwerkskörpern jongliert und die Decke dadurch versehentlich in Brand gesetzt.

Auf einer Videoaufzeichnung war zunächst eine vergnügte Menge zu sehen, die das achtjährige Bestehen des Clubs feierte. Der Moderator der Veranstaltung wies plötzlich auf das Feuer hin und rief zum Verlassen des Festsaals auf. Die mit Reisig behängte Decke stand bereits in Flammen, während die Gäste zunächst noch langsam auf einen Ausgang zusteuerten, einige von ihnen noch an ihren Getränken nippend. Einen Moment später brach Panik aus, als dicker Qualm den Raum füllte und die Menschen versuchten, durch die schmalen Türen zu entkommen. Bei den Todesopfern handelte es sich nach offiziellen Angaben überwiegend um junge Leute. Der Besitzer und der Manager des Clubs wurden festgenommen.

Nach Angaben eines Augenzeugen waren Dutzende verkohlte Leichen auf den schneebedeckten Fußweg vor dem Nachtclub aufgereiht, während Rettungskräfte die Verletzten abtransportierten. Frauen in Abendgarderobe lagen blutüberströmt auf Tragen. "Es gab nur einen Weg nach draußen. Ich wurde fast ertreten", sagte Swetlana Kuwschinowa. Eine andere junge Frau, Olga, sagte, die Gäste hätten Türen eingetreten, um ins Freie zu kommen. "Panik ist ausgebrochen, alles war verraucht." Die Feuerwehr konnte den Brand nach knapp einer Stunde löschen. Nach Berichten russischer Fernsehsender wurden einige der Verletzten in Krankenhäuser nach Moskau geflogen. Mehr als 200 Menschen befanden sich zum Zeitpunkt des Brandes in dem Nachtclub.

Behörden schließen Anschlag aus

Der Anschlagsort mit umgekipptem Wagon (Foto: ap)

Vor einer Woche: Anschlag auf einen Zug

Zunächst war in Medienberichten von einer Explosion die Rede gewesen, was Befürchtungen weckte, auf den Club in der Millionenmetropole könnte ein Anschlag verübt worden sein. "Wir sprechen hier nicht von einem terroristischen Anschlag", betonte indes Oleg Tschirkunow, der Gouverneur der Provinz Perm. Vor einer Woche waren bei einem Bombenattentat auf einen Schnellzug zwischen Moskau und St. Petersburg 26 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Tschetschenische Islamisten hatten sich zu dem Anschlag bekannt.

Perm ist mit 1,2 Millionen Einwohnern die sechstgrößte Stadt Russlands und liegt am Ural-Gebirge. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin beorderte mehrere Kabinettsmitglieder in die Stadt, um die Rettungsmaßnahmen zu koordinieren. Präsident Dmitry Medwedew kündigte die Einsetzung einer Untersuchungskommission an.

Autor: Ranty Islam (rtr, ap)
Redaktion: Oliver Samson

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