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Europa

Österreichischer Präsident Klestil gestorben

Der österreichische Bundespräsident Thomas Klestil ist zwei Tage vor dem Ende seiner Amtszeit gestorben. Der 71-Jährige starb Dienstagnacht (6.7.) in der Wiener Universitätsklinik an Organversagen.

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Bundespräsident Klestil hatte am Montag (5.7.) einen zweimaligen Herzstillstand erlitten und war danach von den Ärzten in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt worden. Im Verlauf des Dienstags hatte sich sein Zustand dramatisch verschlechtert. Zum Zeitpunkt seines Todes war seine Familie an seinem Krankenbett.

In einer ersten Reaktion auf Klestils Tod setzte das
österreichische Bundesheer alle Fahnen im Land auf Halbmast. Der künftige Bundespräsident Heinz Fischer, der an diesem Donnerstag vereidigt wird, sagte, "ganz Österreich trauert". Klestils Lebensweg sei "durch Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzug geprägt" gewesen.

"Große Persönlichkeit"

Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel nannte Klestil eine "große Persönlichkeit". Schüssel, der in den vergangenen Jahren immer wieder zum Teil offene Konfrontationen mit Klestil ausgetragen hatte, betonte, mit dem Präsident habe das Land "einen überzeugten
Österreicher und Europäer verloren". Seine Beziehungen vor allem zu den Nachbarländern seien eine wichtige Voraussetzung für die Wiedervereinigung Europas gewesen.


Bereits in den vergangenen Jahren hatten Klestil, dessen zweite Amtszeit am Donnerstag nach zwölf Jahren enden sollte, Gesundheitsprobleme geplagt: 1996 musste er nach einer schweren Lungenentzündung seine Amtsgeschäfte mehr als fünf Monate lang ruhen lassen. Im gleichen Jahr erlitt er eine Lungenembolie, 2003 erneut eine Lungenentzündung. Im selben Jahr musste er nach einem Sturz an beiden Achillessehnen operiert werden.

Politische Bilderbuch-Karriere

Fast zwölf Jahre lang war Klestil Österreichs Präsident und erwarb für sein Land internationales Ansehen - auch, weil er selbst lange Jahre im Ausland gelebt und Kontakte, vor allem in den USA, geknüpft hatte. Der gelernte Kaufmann und langjährige Diplomat Thomas Klestil hat sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet: Sein Vater war Angestellter der städtischen Verkehrsbetriebe. Mit seinem Eintritt in das Kanzleramt als Spezialist für Wirtschaftsfragen begann er 1957 eine steile Karriere.

Später war er im Auftrag der österreichischen Regierung auf verschiedenen Posten in den USA tätig, zuletzt ab 1982 als Botschafter in Washington. Als Klestil für das Amt des Bundespräsidenten kandidierte, war er Generalsekretär des Außenministeriums. Der österreichische Bundespräsident hat wie sein Kollege in Deutschland überwiegend repräsentative Aufgaben. Klestil hatte viele Anfeindungen auszuhalten, vor allem aus den Reihen der FPÖ, aber auch aus der eigenen Partei, der ÖVP: Nicht alle waren mit seiner kritischen Distanz zur Regierung unter Kanzler Schlüssel einverstanden.

Feierlichkeiten abgesagt

Klestils im April 2004 gewählter sozialdemokratischer Nachfolger Heinz Fischer soll am Donnerstagmorgen vereidigt werden. Seine Vereidigung wurde um eine Stunde auf 10.00 Uhr vorverlegt, alle begleitenden Feierlichkeiten abgesagt. (mik/arn)

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