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Aktuell Europa

Österreich verurteilt "Völkermord" an Armeniern

Der Papst, das EU-Parlament und jetzt Österreich: Das Parlament in Wien hat das Massaker an den Armeniern erstmals als "Völkermord" bezeichnet. Armenien selber richtet einen Appell an die Welt.

Kurz vor dem 100. Jahrestag des Beginns des Massenmords an den Armeniern kommt weiter Schwung in die Debatte um die Bezeichnung und Bewertung des Massakers: Der Massenmord an den Armeniern war ein Völkermord. Das erklärt nun auch das österreichische Parlament. "Aufgrund der historischen Verantwortung […] ist es unsere Pflicht, die schrecklichen Geschehnisse als Genozid anzuerkennen und zu verurteilen", heißt es in einer Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Eine "historische Verantwortung" sehen die Abgeordneten insofern, als die Österreich-ungarische Monarchie im Ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet war, das Historiker für den Völkermord an den Armeniern verantwortlich machen.

Unterzeichnet wurde die Erklärung nach dpa-Angaben von den Fraktionsvorsitzenden von Sozialdemokraten, Konservativen, Grünen, Liberalen, rechter FPÖ und dem Team Stronach.

Österreich nimmt Türkei in die Pflicht

Es sei zudem die Pflicht der Türkei, sich der Aufarbeitung dunkler und schmerzhafter Kapitel ihrer Vergangenheit zu stellen und die im Osmanischen Reich begangenen Verbrechen an den Armeniern als Genozid anzuerkennen, heißt es weiter. Die Erklärung soll am Mittwoch bei einer Sitzung des Parlaments verlesen werden.

Erst am Montag hatte die Bundesregierung einen Kurswechsel in Sachen Wortwahl vollzogen und sich darauf geeinigt, das Massaker an Armeniern vor 100 Jahren nun doch als Völkermord zu bezeichnen. Bislang hatte Deutschland unter anderem aus Rücksicht auf die Beziehungen zur Türkei das Wort "Genozid" nicht offiziell benutzt. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches lehnt den Ausdruck entschieden ab.

Armenien ruft Welt zur Anerkennung des Genozids auf

Das armenische Parlament hat unterdessen zu einer weltweiten Anerkennung der Gräueltaten als Genozid aufgerufen. Eine entsprechende Resolution nahmen die Abgeordneten in der Hauptstadt Eriwan in einer Sondersitzung einstimmig an. Darin appellierten sie an die Parlamente "aller Länder und an internationale Organisationen, den armenischen Völkermord durch das Osmanische Reich als schwerstes Verbrechen gegen die Menschheit" zu verurteilen.

An diesem Freitag begeht die Ex-Sowjetrepublik Armenien offiziell den 100. Jahrestag des Beginns der systematischen Vertreibung und Tötung der Armenier im Osmanischen Reich mit einer großen Zeremonie. In den Jahren 1915/1916 starben bis zu 1,5 Millionen Menschen. Zu der Gedenkveranstaltung in Eriwan werden auch Kremlchef Wladimir Putin und Frankreichs Präsident François Hollande erwartet.

chr/fab (dpa, krone.at)