1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Österreich verspricht "restlose Aufklärung" des Gondelunglücks

Österreichische Experten haben mit den Ermittlungen zur Ursache des Seilbahnunglücks bei Sölden begonnen, bei dem neun deutsche Touristen starben.

default

Ermittler bei der Untersuchung der Unglücksstelle

Gondelunglück Gondelabsturz in Tiro Sölden Österreich

Bei dieser Gondel sprang das Fenster aus dem Rahmen

Nach dem Seilbahnunglück in Tirol hat die österreichische Regierung den deutschen Hinterbliebenen "restlose Aufklärung" zugesichert. Die Arbeit der Gutachter konzentriere sich auf den geöffneten Transporthaken, durch den ein Hubschrauber einen rund 700 Kilogramm schweren Betoncontainer verlor, sagte Verkehrsminister Hubert Gorbach am Dienstag (6.8.2005). Der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel drückte den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Der Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, Jakob Falkner, lehnte jede Verantwortung für das Unglück ab. Falkner sagte am Dienstag im ARD-Morgenmagazin: "Wir tragen in diesem Fall keine Verantwortung." Es müsse klargestellt werden, dass es sich nicht um ein Seilbahn-, sondern um ein Hubschrauberunglück handele, bei dem eine Seilbahn schwer getroffen wurde. Ein generelles Sicherheitsproblem der Söldener Seilbahn könne er ausschließen.

Fahrlässigkeit oder technisches Versagen?

Zu Berichten, dass der Flug des Hubschraubers über eine laufende Seilbahn möglicherweise nicht erlaubt war, sagte Falkner: "Wir wissen, dass dieser Flug rechtlich gerecht war." Dies sei im Alpenraum üblich. Gleichwohl werde die Seilbahn alles Notwendige tun, was zusätzlich Sicherheit bringe. Der Hubschrauber sei für Bauarbeiten eingesetzt gewesen, die mit der separaten Verlegung eines Telekommunikationsseils zusätzliche Sicherheit bringen sollten.

Die Staatsanwaltschaft nahm bereits am Montag Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung auf.

Die Behörden stehen nach dem Seilbahnunglück vor einer schwierigen Untersuchung. Dabei muss geklärt werden, ob technisches Versagen oder Fahrlässigkeit im Spiel war. Der Betonkübel war von dem Hubschrauber aus 200 Metern Höhe auf eine mit Deutschen besetzte Gondel gekracht, die daraufhin mindestens 50 Meter tief abstürzte. In der Gondel befanden sich fünf Menschen. Drei von ihnen kamen ums Leben, zwei wurden verletzt. Nach dem Bericht eines Notarztes sollen sie Helme getragen haben.

Gondelunglück Gondelabsturz in Tiro Sölden Österreich

Ein Sarg wird abtransportiert

Schwerstes Gondelunglück seit dem Krieg

Durch die entstehenden Schwingungen kamen die benachbarten Gondeln derart ins Schwanken, dass insgesamt sechs Menschen aus den Fenstern in den Tod geschleudert wurden. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren in sechs Gondeln insgesamt 35 Menschen. Bei den Toten handelt es sich nach Informationen der österreichischen Nachrichtenagentur APA um vier Mädchen, zwei Jungen, zwei Männer und eine Frau, alle aus dem Schwarzwald. Zwölf Rettungshubschrauber, 60 Sanitäter und sechs Notärzte waren im Einsatz. Es war das schwerste Gondelunglück der Alpenrepublik seit dem Zweiten Weltkrieg.

Pilot unter Schock

Der Pilot des Unglückshubschraubers von Sölden erlitt nach der Tragödie einen Schock. Nur eines wusste er "mit Sicherheit" zu sagen: Er habe den Hebel nicht ausgelöst, durch den der Betonbehälter aus in die Tiefe stürzte. Den Schwerverletzten ging es am Dienstag laut APA den Umständen entsprechend gut. Zwei neun und 14 Jahre alte Jungen aus Bayern liegen in der Universitätsklinik Innsbruck. Keine Lebensgefahr besteht laut Klinik vorerst bei einem 51-Jährigen aus Baden-Württemberg, der am Montagabend aus dem Krankenhaus in Zams nach Innsbruck verlegt wurde. Auch alle vier in Zams gebliebenen Patienten seien außer Lebensgefahr.

Die Gruppe war zum Sommertraining ihres Skiclubs in das Gletscherskigebiet bei Sölden gekommen. Ein Vertreter des Internationalen Skiverbandes FIS sei bereits in Sölden, um sich um die Überlebenden des Unglücks zu kümmern, berichtete der ORF. Auf dem Gletscher in rund 2 800 Metern Höhe herrschte zum Unglückszeitpunkt Sommerskibetrieb bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. (stu)

Die Redaktion empfiehlt