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Sport

Österreich dominiert die Ski-WM

Nach 14 Tagen sind in Garmisch-Partenkirchen die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften zu Ende gegangen. Die Bilanz fällt sowohl in sportlicher als auch in organisatorischer Hinsicht nicht nur positiv aus.

Maria Riesch jubelt (Foto: pa/Rolf Kosecki)

Medaillengarant Maria Riesch

Maria Riesch meinte, dass die WM für sie keine totale Pleite gewesen sei, eine richtig positive Bilanz wollte sie allerdings nicht ziehen. Kein Wunder, denn die ehrgeizige, im bisherigen Saisonverlauf alles überragende Skiläuferin hatte von sich mehr erwartet als die beiden Bronzemedaillen im Super-G und in der Abfahrt.

Enttäuschende deutsche Bilanz

Felix Neureuther (Foto: pa/dpa)

Dem Druck nicht gewachsen - Felix Neureuther

Mehr als zwei Bronzemedaillen hatten sich auch die Verantwortlichen des Deutschen Ski-Verbandes und die Öffentlichkeit von Maria Riesch und auch dem gesamten deutschen Team erhofft. Dass es nicht dazu kam, war teilweise auch einfach großes Pech. Wenn sich Maria Riesch und Viktoria Rebensburg die Grippe einfangen oder Stephan Keppler sich kurz vor der WM verletzt, dann ist man einfach machtlos.

Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass die Decke im Deutschen Ski-Verband zumindest derzeit doch arg dünn ist. Bei den Frauen klafft hinter Riesch und Rebensburg eine große Lücke, bei den Männern muss man konstatieren, dass es momentan überhaupt keinen Siegläufer gibt - auch Felix Neureuther ist keiner. Und so lieferten die deutschen Skirennläufer die schlechteste Bilanz eines WM-Gastgebers seit 1999 ab.

Österreich klare Nummer eins

Die großen Sieger waren die Österreicher, die sich ihre Position als Alpin-Nation Nummer eins, die sie vor zwei Jahren noch der Schweiz überlassen mussten, mit vier Gold-, drei Silber- und einer Bronzemedaille eindrucksvoll vor Frankreich und Italien zurückeroberten. Das haben sie in erster Linie den Frauen zu verdanken, die für die vier Titelgewinne sorgten. Die Schweizer fielen mit nur einer Silbemedaille weit zurück.

Erfolgreichste Athletin war die Österreicherin Elisabeth Görgl mit zweimal Gold im Super-G und in der Abfahrt. Bei den Männern sammelte der Italiener Christof Innerhofer mit Gold im Super-G, Silber in der Kombination und Bronze in der Abfahrt die meisten Medaillen.

Gute WM mit Schönheitsfehlern

Elisabeth Görgl (Foto: AP)

Einzige Doppelsiegerin - Elisabeth Görgl

Immer wieder war davon die Rede, dass die Ski-WM auch ein Testlauf für die erhofften Olympischen Winterspiele 2018 und wichtig für die Entscheidung im Juli sei. Prompt hagelte es am Ende Lob von allen Seiten für die Organisatoren und den Deutschen Skiverband. Auf den ersten Blick war das auch berechtigt, lief doch die Organisation mit deutscher Gründlichkeit und war die Stimmung an den Pisten gut.

Doch wer genau hingeschaut und hingehört hat, muss feststellen, dass nicht alles Gold war, was da glänzte. So klagten die Tourismusindustrie in und um Garmisch über weniger Gästezuspruch als in Zeiten ohne WM und die Geschäftsleute über geringe Umsätze. Dazu passt, dass die Stimmung an den Pisten zwar gut war, dass man aber gleichzeitig zahlreiche leere Plätze auf den Tribünen nicht übersehen konnte. Bei Ticketpreisen von bis zu 129 Euro wundert einen das freilich nicht.

WM-Konzept muss überdacht werden

Vor allem aber ist es nicht gelungen, über die Grenzen von Garmisch-Partenkirchen hinaus eine WM-Stimmung zu erzeugen. Im Rest Deutschlands wurde die WM nur am Rande wahrgenommen. Ausgewalzt auf 14 Tage mit maximal einem Rennen am Tag ist eine Ski-WM einfach zu langatmig, ja für den nicht vor Ort Anwesenden sogar langweilig. Hier ist eine Straffung unbedingt nötig, zwei Rennen pro Tag wie beim Biathlon oder Skilanglaufen sollten auch hier möglich sein.

Man sollte auch den Mut haben, die Wettbewerbe selbst zu überdenken, denn nicht jeder ruft die gleiche Begeisterung hervor. Der Team-Wettbewerb hat gezeigt, in welche Richtung es gehen könnte – kürzer, schneller, lebendiger durch den Kampf Mann gegen Mann.

Bedingt durch die technische und athletische Entwicklung ist der Skirennlauf in den letzten Jahren eh zur Fernsehsportart geworden – mit bloßem Auge erkennt niemand mehr, wer vorne liegt. Also sollte man auch konsequent sein und den Weg gehen, den zum Beispiel Biathlon vor rund zehn Jahren gegangen ist, und die Wettbewerbe den veränderten Bedingungen anpassen. Warum? Zum Beispiel, weil während der WM die TV-Quoten ganz normaler Biathlonrennen im Weltcup doppelt so hoch waren, wie bei den Alpinen…

Autor: Wolfgang van Kann
Redaktion: Olivia Fritz