1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Nahost

Österreich beginnt Blauhelm-Abzug vom Golan

Eine erste Gruppe von österreichischen Soldaten der Blauhelmmission UNDOF hat ihren Posten auf den Golanhöhen geräumt. In Israel wächst die Sorge, dass die gesamte UN-Mission beendet werden könnte.

Etwa 70 österreichische UN-Blauhelmsoldaten passierten den Kontrollposten Kuneitra an der Waffenstillstandslinie zwischen Syrien und der von Israel besetzten Seite der Golanhöhen mit ihren gepanzerten Fahrzeugen in Richtung Israel. Die Regierung in Wien hatte den Abzug der 380 Blauhelmsoldaten am 6. Juni bekanntgegeben und mit der zunehmenden Gefährdung durch den syrischen Bürgerkrieg begründet.

Pufferzone

Die UN-Beobachtertruppe für Truppenentflechtung, kurz UNDOF, offiziell "United Nations Disengagement Observer Force", überwacht seit dem Jahr 1974 eine gut 70 Kilometer lange entmilitarisierte Zone zwischen Israel und den nördlichen Nachbarn Libanon und Syrien. Österreich war von Anfang an dabei und stellte zuletzt rund 380 der gut 1.000 UNDOF-Soldaten. Die wichtigsten UNDOF-Truppensteller sind nun die Philippinen und Indien. Vor Österreich hatten bereits Kanada, Japan und im März auch Kroatien ihre Soldaten abgezogen. Ein Angebot Russlands, das österreichische Kontingent zu ersetzen, hatte der UN-Sicherheitsrat mit dem Hinweis abgelehnt, als Ständiges Mitglied im Sicherheitsrat könne das Land nach dem UNDOF-Mandat keine Blauhelme dort stellen.

Israel hofft auf weitere UN-Präsenz auf dem Golan

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu beteuerte abermals, sein Land werde sich nicht in den syrischen Bürgerkrieg einmischen, solange die Gewalt dort sich nicht gegen Israel richte. Ein endgültiges Aus der UN-Beobachtermission UNDOF aber würde das noch schwieriger machen. "Unsere große Sorge ist, dass wir auf dem Golan eine Situation wie mit dem Gazastreifen bekommen: religiös motivierte Psychopathen, die von Syrien aus unsere Zivilisten mit Raketen beschießen", sagt ein israelischer Geheimdienstoffizier unter der Maßgabe, dass sein Name nicht genannt wird.

Israel hatte die strategisch wichtigen Golan-Höhen schon im Sechstagekrieg von 1967 erobert. Die UNDOF wurde aber erst nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 eingerichtet, bei dem syrischen Truppen fast die Rückeroberung des Höhenzugs gelungen wäre. Über Jahrzehnte war eine Beschäftigung bei UNDOF ein gut bezahlter, ruhiger Job, denn die syrisch-israelische Grenze galt lange als die ruhigste aller Grenzen des jüdischen Staates. Doch mit den Kämpfen der vergangenen Woche um Kuneitra, dem einzigen syrisch-israelischen Grenzübergang und der folgenden Ankündigung Österreichs, angesichts der Spannungen sein Kontingent zurückzuziehen, ist die UN-Mission auf dem Golan nun in die größte Krise seit ihrem Bestehen geraten. Auch bei den anderen Truppenstellern hatte sich zuletzt Unbehagen angesichts der eingeschränkten Bewegungsfreiheit und der vorübergehenden Geiselnahme philippinischer Blauhelme durch syrische Rebellen breit gemacht.

qu/sti (afp, dpa, APE, rtre)

Audio und Video zum Thema