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Wirtschaft

Ölunfall feuert die Kritik an Shell an

Aus der Bohrinsel "Gannet Alpha" gelangt noch immer Öl in die Nordsee. Der Betreiber Shell teilt mit, es werde fieberhaft daran gearbeitet, das Leck zu schließen. Jetzt fordern Umweltschützer einen Stopp der Bohrungen.

Logo Royal Dutch Shell

Ein erstes Leck ist nach Angaben der Shell-Unternehmenssprecherin Sally Hepton unter Kontrolle. Dennoch gelange täglich etwa ein Barrel Rohöl - das sind 159 Liter - aus der Ölbohrplattform "Gannet Alpha" in die Nordsee. Es werde fieberhaft daran gearbeitet, die Leckage zu schließen, sagte Hepton am Mittwoch (17.08.2011). Das zweite Leck sei kleiner, befinde sich aber an einer schlecht zugänglichen Stelle am Meeresboden.

Nach Angaben Heptons hat sich der Ölteppich vor der schottischen Küste inzwischen auf 26 Quadratkilometern ausgedehnt. Der Technische Direktor für die Erschließung und Produktion von Shell in Europa, Glen Cayley, bezifferte die Menge des bislang ausgetretenen Öls auf rund 218 Tonnen. Man gehe aber davon aus, dass der Ölfleck die Küste nicht erreichen werde. Die ist immerhin 180 Kilometer entfernt. Dennoch: Das Ölleck auf der "Ganneth Alpha" ist der schlimmste Ölunfall in Großbritannien seit zehn Jahren.

Wie harmlos ist der Ölteppich?

Seit Bekanntwerden des Unfalls hatte Shell beteuert, dass sich das ausgelaufene Öl von selber im Meer verteilen werde. Umweltschützer argumentieren dagegen, dass auch geringe Mengen Rohöls für Tiere und Pflanzen im Ozean gefährlich seien. Simon Boxall vom "National Oceanography Centre" der Universität Southampton sagte, dass erheblicher Schaden entstehe, auch wenn es sich nicht um einen riesigen Unfall handle.

Auch der World Wide Fund for Nature (WWF) kritisierte Shell. Vor allem die Informationspolitik sei miserabel. "Die Ölindustrie scheint wenig aus der Vergangenheit gelernt zu haben", sagte WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter. Die Organisation forderte eine internationale Untersuchung des Unfalls. Außerdem sei ein Stresstest für die Ölförderung in der Nordsee notwendig, der von den Anrainerstaaten umgesetzt werden müsse.

Keine Ölbohrungen mehr in der Nordsee?

Der Naturschutzbund NABU warf Shell ebenfalls vor, das Ausmaß des Ölunfalls tagelang verschleiert zu haben. Die Politik müsse nun reagieren. "Die Konsequenz kann nur lauten: Keine Ölförderung in sensiblen Meeresgebieten, dazu gehören weite Teile der Nordsee inklusive des Weltnaturerbes Wattenmeer», forderte Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Rebecca Harms. Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament (Foto: Heiner Kiesel)

Rebecca Harms

Kritik an Shell kam auch von der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms. "Mit Vertuschen und Kleinreden des Öllecks an seiner Bohrinsel vor der schottischen Küste wird Shell die drohende Umweltkatastrophe nicht aufhalten können", sagte Harms. Der Unfall zeige, dass die EU die Lücken in den Vorschriften zu Tiefseebohrungen rasch schließen müsse. Bis dahin sei zumindest ein EU-weites Moratorium für neue Tiefseebohrungen nötig. "Am besten wäre es, zukünftig keine Tiefseebohrungen mehr durchzuführen", fügte sie hinzu.

2010 war es im Golf von Mexiko zu einer schweren Ölpest gekommen, nachdem im April die Bohrplattform "Deepwater Horizon" des Konzerns BP explodiert war. Aus dem dabei beschädigten Bohrloch liefen in den folgenden Monaten mehr als 757 Millionen Liter Öl ins Meer.

Autor: Martin Muno (mit dpa, rtr, dapd, afp)
Redaktion: Marko Langer

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