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Amerika

Ölteppich wächst und wächst

Die Ölpest im Golf von Mexiko breitet sich dramatisch aus: Jetzt sind auch die Touristen-Strände Floridas bedroht. Ein weiterer Versuch, das Austreten des Öls in 1500 Meter Tiefe zu stoppen, schlug fehl.

große Hand mit Öl an den Fingern (Foto: AP)

Das Öl fließt weiter ungehindert ins Meer

Die US-Küstenwacht mobilisiert weitere Kräfte im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko, die inzwischen bis vor die Küste von Florida reicht. Mitarbeiter, Schiffe und Hubschrauber seien zur Golfküste geschickt worden, erklärte am Mittwoch (02.06.2010) der Kommandeur der US-Küstenwacht, Admiral Thad Allen. Die Boote sollten beim Auslegen von Ölsperren, die Hubschrauber beim Aufspüren von Ölschlieren auf dem Wasser helfen, sagte Allen.

An der Unglückstelle im Golf von Mexiko, wo vor mehr als sechs Wochen beim Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" elf Arbeiter getötet wurden, dauerten die Arbeiten zur Eindämmung des Lecks an. Der Ölkonzern BP versuchte, in rund 1.500 Metern Tiefe eine beschädigte Steigleitung abzusägen, um danach eine Art Glocke zum Absaugen des Öls zu installieren.

Sägearbeiten fehlgeschlagen

Unterwasserbild vom Bohrloch im Golf von Mexiko (Foto: ap)

Die Unterwasserarbeiten am Bohrloch scheitern immer wieder

Bei den Arbeiten blieb eine Säge stecken. Es dauerte dann zwölf Stunden, sie wieder freizubekommen, wie BP-Sprecher Mark Proegler erklärte. Das Rohr sei etwa zur Hälfte durchgesägt. Die Wiederaufnahme der Sägearbeiten werde nun vorbereitet, sagte Proegler. "Die Frage ist nicht ob, sondern wie fein wir den zweiten Schnitt machen können", sagte Küstenwacht-Kommandeur Allen.

Das neue Verfahren gilt als riskant, weil sich der Öl-Austritt durch das Kappen des Rohres zunächst um 20 Prozent erhöhen kann. BP setzt mittelfristig vor allem auf Entlastungsbohrungen, die das Austreten des Öls stoppen sollen. Die zwei Bohrungen, mit denen Ende Mai begonnen worden war, gelten als verlässliches, aber zeitaufwendiges Verfahren. Experten rechnen damit, dass unkontrollierte Austreten des Öls aber erst im August so endgültig gestoppt werden kann. Seit dem Sinken der Ölplattform am 20. April strömen aus dem defekten Bohrloch jeden Tag bis zu drei Millionen Liter Öl ins Meer.

Strände in Florida bedroht

Weißer Strand in Florida (Foto: ap)

Die weißen Strände in Florida sind nun auch in Gefahr

Auch Barrieren könnten das Öl wohl kaum vollständig von den Floridas Stränden fernhalten, hieß es. Südwestwinde treiben den Ölfilm immer näher. Zudem hat die Hurrikan-Saison begonnen. Florida wäre nach Louisiana, Alabama und Mississippi der vierte von der Ölkatastrophe betroffene US-Staat. Es wird vermutet, dass das Öl etwa am Freitag die Strände erreichen werde.

US-Präsident Barack Obama will die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko offenbar für Gesetzesänderungen und einen Kurswechsel in der Energiepolitik nutzen. In einer Rede an der Universität Carnegie Mellon in Pittsburgh forderte er den Kongress auf, die Steuererleichterungen für Ölkonzerne zu beenden und Gesetze zu verabschieden, um die gefährliche Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden. Das Geld solle für die Forschung zu sauberen Energien verwendet werden.

Obama spricht vor dem Weißen Haus (Foto: ap)

Obama gerät wegen der Ölpest immer weiter unter Druck

Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gefährde nicht nur die Umwelt und die amerikanische Wirtschaft, sondern auch die nationale Sicherheit, erklärte der Präsident weiter. Ohne eine erhebliche Änderung in der Energiepolitik würden die USA weiterhin Geld für Kraftstoff im Ausland ausgeben. Die USA müssten sich eingestehen, dass das Land nur mit fossilen Brennstoffen funktioniere. "Und das sollte nicht die Vision sein, die wir für unsere Kinder und Enkel haben", erklärte Obama.

Kosten explodieren

Die Kosten für die Beseitigung der Schäden durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko sind inzwischen auf mehr als 123 Millionen Dollar (100 Millionen Euro) gestiegen. Damit ist das Unglück auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" vom 20. April zum teuersten Ölunfall in der Geschichte der USA geworden. Nach der Havarie des Tankers "Exxon Valdez" 1989 beliefen sich die Kosten zur Beseitigung der Schäden auf 121 Millionen Dollar. Dabei ist allerdings die Inflation nicht miteinberechnet, wie das National Pollution Funds Center mitteilte, das das Geld aus den Steuern der Ölkonzerne zur Beseitigung möglicher Schäden verwaltet.

Neue Genehmigung für Bohrungen

Bohrinsel im Meer (Foto: ap)

Trotz des Unglücks: Es soll weitere Bohrungen im Golf von Mexiko geben

Ungeachtet der Ölkatastrophe haben die US-Behörden am Mittwoch erstmals seit Beginn des Unglücks wieder eine Genehmigung für Bohrungen im Golf von Mexiko erteilt. Die wegen ihrer Nähe zur Industrie in die Kritik geratene Regulierungsbehörde Minerals Management Service vergab die Erlaubnis an das Unternehmen Bandon Oil and Gas für Bohrungen in 50 Kilometern Entfernung vor der Küste des Staates Louisiana in etwa 35 Metern Tiefe.

Autorin: Annamaria Sigrist (ap, dpa, rtr)
Redaktion: Martin Schrader

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