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Wirtschaft

Ölpreise auf Klettertour

Auf den Rohstoffmärkten war es seit Monaten Hauptgesprächsthema. In den vergangenen Wochen bekamen es auch Verbraucher in Europa zu spüren: Die Ölpreise steigen. Manche Experten warnen sogar vor einem neuen "Ölschock".

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Teurer Griff zur Zapfpistole

Langsam macht sich Sorge breit. Die Ölpreise überspringen eine historische Marke nach der anderen. Im April erreichten sie das Niveau wie vor dem Irak-Krieg, inzwischen haben sie den höchsten Stand seit der Kuwait-Krise vor 14 Jahren erreicht. Schon warnt die Internationale Energieagentur IEA vor einem neuen "Ölschock". Und sogar das Öl-Kartell OPEC - selbst nicht ganz unbeteiligt an den hohen Preisen - meldet sich zu Wort. Der Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder, Purnomo Yusgiantoro, versucht die Situation zu beruhigen. "Wir wollen dem Markt versichern, dass die Fördermengen ausreichen", sagte er in einem Zeitungsinterview.

Dämpfer für Weltkonjunktur

Trotz der wachsenden Furcht vor einer neuen Ölkrise ist unter Experten durchaus umstritten, welche Auswirkungen die hohen Preise auf die Weltwirtschaft haben. "Der hohe Ölpreis dämpft die Weltkonjunktur um rund 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte", prognostiziert Marco Bargel, Chefvolkswirt der Deutschen Postbank AG, im Interview mit DW-WORLD. Der hohe Ölpreis trifft Länder mit sehr hohen Wachstumsraten wie China und Indien besonders hart. Die Folge sind Preissteigerungen und ein Abflachen des Wachstumstempos, betont Bargel. "Ein Crash ist aber nicht zu erwarten."

Für die Konjunkturentwicklung in Europa und den USA gibt Bargel dagegen Entwarnung: "Der hohe Ölpreis hat derzeit nur moderate Auswirkungen auf die Konjunkturen in den hochentwickelten Volkswirtschaften Deutschland, Europa und den USA." Trotzdem bekommen auch die westlichen Industrienationen den Ölpreis zu spüren. "Die Ölpreise treiben auch in Europa die Inflationsrate um derzeit rund 0,5 Prozentpunkte."

Schallmauer in Gefahr

Mit seinen Prognosen liegt der Chefvolkswirt der Postbank im Mittelfeld der Experten-Ansichten. Die EZB warnte, der Ölpreis könne die Konjunktur in der Euro-Zone gefährden. Dagegen stuft der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, das Risiko für die Wirtschaftsentwicklung als sehr gering ein. Einigkeit besteht bei den Fachleuten, dass die 40-Dollar-Marke als eine Art Schallmauer fungiert. "Erst wenn der Ölpreis wider unseren Erwartungen auf 40 Dollar steigen sollte, werden die Konjunktur-Effekte auch in Europa und den USA spürbar", erläutert Bargel. Derzeit liegt der Preis für ein Barrel der Sorte Brent noch rund drei Euro darunter.

Auch wenn das Krisenszenario der Ökonomen nicht eintreffen sollte, müssen sich die Verbraucher weltweit auf dauerhaft hohe Ölpreise einstellen. "Wir erwarten, dass die Ölpreise mittelfristig auf dem derzeitig hohen Niveau bleiben", sagt Bargel. Er rechne erst auf Jahresfrist wieder mit Preisen um 30 Dollar je Barrel, da sich dann das Wirtschaftswachstum in den USA abschwächen und die Nachfrage nach Rohöl sinken werde. "Der von der OPEC angestrebte Preiskorridor von 22 bis 28 Barrel ist auf absehbare Zeit nicht erreichbar", stellt Bargel klar und warnt vor dem Ruf nach dem Staat. "Von staatlicher Seite sind keine Maßnahmen nötig und wünschenswert. Der Markt regelt das selbst, in dem auf längere Sicht andere Energiearten gefördert werden und die Abhängigkeit von Öl reduziert wird."

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