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Wirtschaft

Ölpreis-Verfall gefährdet Mexikos Reformpläne

Mexiko baut in schwierigem ökonomischem Umfeld seinen Energiesektor um. Ein niedriger Ölpreis bringt dabei ein Fülle von Problemen mit sich. Aus Mexiko-Stadt Andreas Knobloch.

Gerade erst hat Mexiko mit einer umstrittenen Reform das 76 Jahre bestehende staatliche Monopol im Energiesektor gekippt und die Beteiligung in- und ausländischen privaten Kapitals bei der Erschließung und Förderung der mexikanischen Öl- und Gasvorkommen erlaubt - da lässt der abrupt fallende Erdölpreis bei den Verantwortlichen in Mexiko-Stadt die Alarmglocken schrillen. In gerade einmal vier Monaten ist der Preis für ein Barrel Rohöl um mehr als 25 Prozent eingebrochen, besonders stark in den vergangenen Wochen. Und ein Ende des Absturzes ist nicht in Sicht.

Mexikos staatlicher Erdölkonzern Pemex erwirtschaftet knapp ein Drittel der Staatseinnahmen. Das Land ist also stark abhängig von seinen Ölexporten. Laut dem staatlichen Statistikinstitut INEGI sind die Ausfuhren in den ersten neun Monaten diesen Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum aber um 8,7 Prozent zurückgegangen.

Weniger Export, niedrigere Preise

Energie Mexiko Pemex (Foto: picture-alliance/Zuma Press)

Bohrinsel des staatlichen Pemex-Konzerns

Der Exportrückgang und vor allem der Einbruch des Rohölpreises treffen Mexikos Wirtschaft in einem kritischen Moment. In den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit hat Präsident Enrique Peña Nieto zahlreiche Strukturreformen (Öffnung des Energiesektors für privates Kapital, Liberalisierung des Telekommunikationsbranche, Finanz- und Steuerreform, Bildungsreform) auf den Weg gebracht.

Diese gingen einher mit dem Versprechen einer spürbaren Verbesserung der Wirtschaftsleistung. Doch die Bevölkerung bemerkt von Aufwind nicht viel. Mexikos Wirtschaft steckt in einer Talsohle; erst im Sommer hatte die Regierung die Wachstumsprognosen nach unten korrigieren müssen. Die Zustimmungswerte für die Politik des Präsidenten sinken.

"Mexikanisches Unwetter"

Die Regierung sendet zwar Beruhigungssignale, hat aber gleichzeitig den reduzierten Ölpreis in ihrem Haushaltsentwurf für das kommende Jahr, der gerade im mexikanischen Parlament diskutiert wurde, angepasst. Statt mit einem Ölpreis von 82 US-Dollar/Barrel wie im Anfang September eingebrachten Erstentwurf rechnet die Regierung nun mit 79 US-Dollar.

"Die Wahrheit ist, dass diese Anpassung auf 79 US-Dollar die wirtschaftlichen und politischen Zustände im Land illustriert. In diesen Jahren ist aus dem - in internationalen Medien viel zitierten - mexikanischem Moment ein mexikanisches Unwetter geworden", ironisierte der Abgeordnete Ricardo Mejía Berdeja vom oppositionellen Movimiento Ciudadano.

Absicherung gegen weiteren Preisverfall

Gegen einen weiteren Preisverfall hat die Regierung zwar Maßnahmen ergriffen. Mexikos Finanzminister Luis Videgaray erklärte Mitte November, sein Ministerium habe das Programm zur Absicherung gegen Ölpreisschwankungen verlängert. Optionsscheine ermöglichten einen Verkauf zu 79 US-Dollar/Barrel sollte der Ölpreis unter die Marke von 76,4 US-Dollar fallen.

Laut Experten muss der Staat dennoch mit rund einer Milliarde US-Dollar weniger Einnahmen in 2015 rechnen -und das zu einem Zeitpunkt, wo die hohe Staatsverschuldung beginnt, den Ökonomen Sorgen zu bereiten. Nach Zahlen des Weltwährungsfonds (IWF) ist Mexiko in absoluten Zahlen das Land mit der achthöchsten Verschuldung weltweit. Der IWF empfahl eine Reduzierung.

Der Schuldenstand entspricht allerdings "nur" rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (zum Vergleich: in den Industriestaaten liegt er im Schnitt bei 100 Prozent), weshalb die internationalen Ratingagenturen noch von einem vergleichsweise geringen Risiko ausgehen.

OPEC senkt Förderquoten nicht

Aber Besserung ist auch nicht in Sicht, denn das internationale Ambiente gestaltet sich wenig vorteilhaft: Die USA sind dabei, sich mit ihrer "Schiefergasrevolution" vom einstmals größten Energieimporteur zum Erdöl- und Erdgasexporteur zu entwickeln; und das Wachstum von Chinas Wirtschaft, zuverlässiger Abnehmer von Erdöl, bereitet Sorgen.

Mit Spannung wurde daher die Sitzung der Gemeinschaft erdölexportierender Länder (OPEC) am Donnerstag (27.11.2014) in Wien erwartet. Dort wurde allerdings entschieden, die Fördermengen nicht zu drosseln. Experten gehen davon aus, dass der Ölpreis 2015 sogar noch weiter fallen könnte.

Lizenzen für ausländische Investoren

Aber es gibt ein weiteres Problem. Im ersten Quartal 2015 steht die erste Runde der Ausschreibungen von Förderlizenzen für ausländische Investoren an. Mexikos Regierung plant, einmal im Jahr eine solche Ausschreibungsrunde durchzuführen und hofft dabei auf Einnahmen von jeweils rund 12,6 Milliarden US-Dollar. Ein niedriger Ölpreis jedoch bedeutet höhere Förderkosten pro Barrel und somit geringe Gewinnmargen. Das könnte potentielle Investoren abschrecken und verschlechtert die Verhandlungsposition der Regierung.

"Die internationalen Preise sind immer sehr unsicher. Auf kurze und mittlere Sicht zeichnet sich ein Umfeld der Volatilität (Schwankungsbreite) ab", sagte Mexikos Energieminister Joaquín Coldwell einem Wirtschaftsforum Ende Oktober in Mexiko-Stadt. Die erste Ausschreibungsrunde halte er aber für "sehr solide und attraktiv". "Bei einem Szenario niedriger Preise, könnte es passieren, dass es einen Prozess der (Markt-)Bereinigung gibt bei jenen Unternehmen, die an Beteiligungen am mexikanischen Energiesektor interessiert sisnd", so Coldwell weiter. Die "stärksten" Unternehmen würden sich dann eben durchsetzen.

Steuervorteile für Energiekonzerne?

Doch die Energiekonzerne könnten angesichts fallender Ölpreise auf Steuerernachlässe durch die mexikanische Regierung dringen. Dieses Szenario zumindest malte Mark Albers, Vizepräsident von Exxon Mobil, auf demselben Wirtschaftsforum an die Wand. "Wenn wir uns die Preise anschauen, müssen wir das in einem breiten Spektrum tun. Die Projekte haben ihre Entwicklungskosten und die können durch Steuerbedingungen, unter denen die Ausschreibungen stattfinden, sowie technische Innovationen kompensiert werden", so Albers.

Doch genau hier beißt sich der Pudel in den Schwanz - zumindest aus Sicht der mexikanischen Regierung. Steuererleichterungen würden die Einnahmen aus der Privatisierung des Energiesektors verringern - doch genau das Gegenteil bezweckt die Energiereform.