Ölpreis: Opec ohne Einigkeit | Wirtschaft | DW | 16.03.2017
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Wirtschaft

Ölpreis: Opec ohne Einigkeit

Eigentlich wollte die Opec den Ölpreis in die Höhe treiben, indem sie weniger Öl fördert. Trotzdem hat Saudi-Arabien hat seine Produktion zuletzt spürbar erhöht. Warum?

Saudi-Arabien, der weltweit wichtigste Ölproduzent, hat seine Fördermenge trotz eines laufenden Programms zur Produktionskürzung wieder spürbar erhöht. Im Februar weitete das Königreich die Förderung um durchschnittlich 263.300 Barrel (je 159 Liter) pro Tag aus.

Das geht aus dem aktuellen Monatsbericht der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hervor. Demnach stieg die Fördermenge des Kartells wieder leicht über die Marke von 10 Millionen Barrel pro Tag.

Erst im Januar hatte die Opec gemeinsam mit anderen wichtigen Ölstaaten wie Russland die Produktion noch auf täglich 9,8 Millionen Barrel gesenkt. Nachdem sich die Öl-Staaten Ende 2016 auf eine gemeinsame Drosselung der Produktion geeinigt hatten, war der Ölpreis deutlich gestiegen, auf bis zu 54 US-Dollar für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent.

Konflikte zwischen den Öl-Produzenten

Die Entscheidung Saudi-Arabiens, nun doch wieder mehr Öl zu fördern, ist ein Zeichen für die Konflikte zwischen den Öl-Staaten. Zuletzt hatte sich der saudische Ölminister Khalid Al-Falih unzufrieden mit der Umsetzung der vereinbarten Förderkürzung gezeigt.

Sein Land werde nicht unbegrenzt die Lasten der Produktionskürzung tragen. Auch andere Staaten müssten ihre Zusagen umsetzen. Khalid Al-Falih nannte unter anderem Russland und den Irak. Diese Länder profitierten vom gestiegenen Ölpreis, ohne deutlich weniger zu verkaufen.

Saudi-Arabien hatte sich lange dagegen gewehrt, die Fördermenge der Opec überhaupt zu reduzieren. Ein niedriger Ölpreis sei ein gutes Mittel, die Fracking-Konkurrenz in den USA in den Ruin zu treiben, so das Argument. Denn Fracking ist vergleichsweise teuer, weil hier das Öl aus tiefen Gesteinsschichten herausgepresst wird. Ist der Ölpreis niedrig, lohnt sich das nicht.

Rote Zahlen in Riad

Gleichzeitig lief den Saudis die Zeit davon. Je länger der Ölpreis im Keller war, desto mehr geriet auch der Staatshaushalt in Schieflage - schließlich kommen mehr als 80 Prozent der Einnahmen aus dem Öl-Verkauf.

"Saudi-Arabien hat sich ausrechnen können, wie lange seine Währungsreserven noch reichen, wenn der Ölpreis auf dem niedrigen Niveau bleibt", sagt Carsten Fritzsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank, im Gespräch mit DW. Maximal fünf Jahre, so der Internationale Währungsfonds (IWF) - danach wären die Kassen leer.

"Das wollte man nicht zulassen", so Fritsch. Die Saudis wollten die Löcher auf zwei Arten stopfen: Zum einen durch neue Kredite, zum anderen durch eine Teil-Privatisierung der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco. "Und das geht natürlich leichter, wenn der Ölpreis höher notiert", so Fritsch.

Saudi Aramco gilt als das wertvollste nicht börsennotierte Unternehmen der Welt. Die Schätzungen liegen zwischen 1 und 10 Billionen US-Dollar - ein Vielfaches der Börsenwerte von Apple oder Exxon. Wenn auch nur ein Teil davon an die Börse gebracht wird, spült das viel Geld in die Kassen des Landes.

Wink mit dem Zaunpfahl

Es spricht einiges dafür, dass die Ausweitung der saudischen Ölförderung keine Kurswende ist, sondern nur ein deutliches Signal an die anderen Opec-Länder, mehr zum gemeinsamen Ziel beizutragen und ihre Produktion stärker zu drosseln.

Khalid A. Al-Falih (picture-alliance/dpa/Rolex Dela Pena)

Khalid Al-Falih, Ölminister und Chef von Saudi Aramco

"Das Signal scheint jedenfalls angekommen zu sein", sagt Analyst Fritsch. Die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak hätten im Februar deutlich weniger Öl gefördert und den Anstieg Saudi-Arabiens damit ausgeglichen.

Das habe auch dazu beigetragen, dass der Ölpreis seit Mittwoch wieder anzog, nachdem er zuvor fast zehn Prozent verloren hatte. Auch Meldungen über geringere Öl-Vorräte in den USA hätten den Ölpreis zuletzt gestützt, so Fritsch.

Allen internen Spannungen zum Trotz werde die Opec wohl an ihrem Plan festhalten, die Fördermenge bis zur Jahreshälfte zu beschränken, glaubt Fritsch. "Wie es danach weitergeht, hängt stark davon ab, ob Saudi-Arabien bereit ist, das Ganze bis zum Jahresende zu verlängern."

Gefahr für den Klimaschutz

Russland, das nicht in der Opec ist, würde dabei wahrscheinlich nicht mehr mitmachen, vermutet Fritsch. Ganz ohne Verlängerung drohe allerdings "ein Überangebot und ein Preisrückgang", so der Analyst.

Das wäre nicht nur für die Förderländer, sondern auch den Umweltschutz problematisch. Denn je niedriger der Ölpreis, desto weniger lohnt es sich, in alternative Energiequellen zu investieren. "Den Pariser Klimavertrag wird die Weltgemeinschaft beim aktuellen Ölpreis wohl nicht umsetzen", zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung Klaus-Jürgen Gern, Rohstoffexperte am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

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