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Wirtschaft

Ölpreis legt kräftig zu

Der Ölpreis ist deutlich gestiegen, nachdem Förderländer eine Drosselung der Produktion beschlossen haben. Experten sind uneins darüber, ob das von Dauer ist.

Die Ölpreise sind am Montag nach der Ankündigung von Förderkürzungen des Ölkartells OPEC und anderer wichtiger Förderländer auf den höchsten Stand seit Sommer 2015 gestiegen.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zeitweise bis zu 57,89 US-Dollar, während für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) bis zu 54,51 Dollar gezahlt wurden. Die Preissteigerungen gegenüber Freitag betrugen damit über fünf Prozent.

Auslöser war ein Beschluss zwischen 13 Ländern der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und 12 anderen großen Förderstaaten. Am Wochenende hatten sie erstmals seit 2001 gemeinsame Förderkürzungen angekündigt, um die derzeit niedrigen Preise für Rohöl nach oben zu treiben.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren war der Ölpreis wegen der weltweiten Ölschwemme zeitweise von rund 115 auf etwa 27 Dollar je Barrel gefallen.

Die Einigung knüpft an eine Förderkürzung der OPEC von Ende November an. Das Kartell will seine Tagesförderung um 1,2 Millionen Barrel auf 32,5 Milliarden Fass reduzieren. Die Kürzung soll ab 2017 für ein halbes Jahr gelten.

Die Nicht-OPEC-Länder wollen ihre Förderung um insgesamt 558.000 Barrel täglich drosseln. Russland, das nicht der OPEC angehört, will allein 300.000 Barrel weniger produzieren.

Vom Überangebot zum Defizit?

Die Drosselung soll aber nicht gleich zu Jahresbeginn 2017 einsetzen. Erst im April oder Mai soll der volle Umfang erreicht werden, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak. Insgesamt soll das weltweite Ölangebot um etwa zwei Prozent reduziert werden.

Experten beurteilten die Einigung unterschiedlich. Einerseits habe es eine Vereinbarung zwischen derart vielen OPEC- und Nicht-OPEC-Staaten bisher nicht gegeben. Einige Beobachter sprachen von einem Wendepunkt, der helfen könnte, das Überangebot an Rohöl zu senken.

"Sobald die Kürzungen Anfang 2017 umgesetzt werden, wechselt der Ölmarkt von einem Überangebot zu einem Defizit", betonten die Experten des Research-Hauses Bernstein. Die Nachfrage werde das Angebot im ersten Halbjahr 2017 um 800.000 Barrel pro Tag übersteigen.

Nur Lippenbekenntnisse?

Andere Fachleute sind skeptischer. "Es ist höchst fraglich, ob die vereinbarten Produktionskürzungen eingehalten werden", sagte Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoffanalyse bei der Commerzbank. "Die Erfahrung lehrt, dass derartige Vereinbarungen letztlich nur Lippenbekenntnisse sind, die überwiegend nicht eingehalten werden."

Auch zur Marktreaktion äußerte sich Weinberg kritisch: "Der Ölpreisanstieg in Reaktion auf die Vereinbarung ist vor allem spekulativ getrieben." Viele Anleger, die ohnehin auf steigende Ölpreise setzten, hätten den Beschluss vom Wochenende zum Anlass genommen, die Preise weiter nach oben zu treiben.

Weinberg erwartet, dass spätestens im Frühjahr, wenn jahreszeitlich bedingte Kürzungen ausliefen, sichtbar werde, dass die Kürzungsverpflichtungen nicht eingehalten würden. "Warum auch, schließlich drohen keine Sanktionen bei Nichteinhaltung."

Beobachter verwiesen ferner auf die amerikanische Ölförderung. Die USA haben ihre Produktion in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Mit dem Ölpreisverfall seit 2014 geriet dieser Prozess zwar ins Stocken. Sollten die Preise zulegen, würde die amerikanische Förderung rentabler. Die Aussicht auf eine höhere US-Ölförderung spreche gegen nachhaltig steigende Ölpreise, sagte Weinberg.

bea/as (dpa, rtr)