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Wirtschaft

Ölpreis im Keller: Ist die Opec am Ende?

Öl ist so billig wie lange nicht. Das setzt den Förderländern heftig zu. Trotzdem haben sie es jetzt wieder nicht geschafft, sich auf eine Begrenzung der Fördermenge zu einigen. Ist die Opec ein zahnloser Tiger?

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Ölpreis fällt nach gescheitertem OPEC-Treffen

Den Teufelskreis zu durchbrechen, das war das große Ziel in Doha: Das billige Erdöl führt in den Produktionsländern dazu, dass die Staatseinnahmen sinken. Bei weniger Einnahmen ist die naheliegende Lösung, einfach mehr Öl zu verkaufen. Eine Erhöhung des Angebotes auf dem Weltmarkt lässt aber die Preise weiter sinken. So ist der Ölpreis seit Mitte 2014 von 115 Dollar auf rund 30 Dollar abgestürzt.

Katar Doha PK Energieminister Saleh al-Sada

Saleh al-Sada ist derzeit Vorsitzender der Opec.

Dieser Spirale sollte ein Ende gesetzt werden. Am Sonntag hatten sich in Doha 15 Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) mit Nicht-Mitgliedern wie Russland getroffen, um zu beschließen, die Ölfördermenge auf dem Niveau von Januar einzufrieren. Darauf hatten sich Saudi-Arabien, Russland, Katar und Venezuela bereits im Februar geeinigt. Nach sechsstündigen Beratungen erklärte dann aber Katars Energieminister Mohammed ben Saleh al-Sada, die betroffenen Staaten bräuchten "mehr Zeit".

Wenn die Opec sich früher traf, um die Fördermengen zu regulieren, zitterte die Weltwirtschaft. Und heute? Ist die einst so mächtige Opec nun zum zahnlosen Tiger geworden? Die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht gegenüber dem Fernsehsender n-tv bereits vom "Anfang vom Ende der Opec". "Es kam überraschend, dass man sich überhaupt nicht einigen konnte", so Kemfert weiter. Die Opec habe ja ohnehin nur noch wenig Macht und jetzt erkenne man wie zerstritten die Mitgliedsländer wirklich seien. Der Iran habe natürlich das Interesse, die Ölproduktion auszuweiten, aber dass die restlichen Staaten sich so hilflos gezeigt hätten, dass sei schon erstaunlich gewesen, findet Kemfert.

Iran nicht im Boot

Symbolbild Ölproduktion im Iran

Iran will nach dem Ende der Sanktionen die Öleinnahmen wieder hochfahren.

Kern der jetzigen Opec-Runde war, dass vor allem Saudi-Arabien seine Ölförderung nicht erhöht, denn "die anderen Länder können ohnehin ihre Produktion nicht mehr nennenswert ausweiten, weil sie nah am Limit produzieren", sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank im Gespräch mit der DW. Und Saudi-Arabien, das in der Opec den Ton angibt, habe sich gegen alle anderen gestellt, so Fritsch. Das zeige offensichtlich, dass Saudi-Arabien derzeit wohl andere Ziele verfolgt als die anderen Opec-Länder, die sich um ihren Staatshaushalt sorgen. Ein Grund für die Blockade der Saudis war ein Land, dass in Doha gar nicht dabei war: der Iran, der Erzfeind Saudi Arabiens. Teheran wolle keinen Plan für ein Einfrieren unterzeichnen, daher mache es auch keinen Sinn, jemanden vor Ort zu haben, so zitierte die Nachrichtenagentur Shana Irans Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh am Sonntag.

Nachdem die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben wurden, denkt das Land gar nicht daran, seine Ölproduktion zu beschränken. Vielmehr plant er sie auf das Förderniveau, das vor den Sanktionen bestanden hat, auszuweiten: vier Millionen Barrel am Tag. Ohne Iran war Saudi-Arabien aber nicht bereit, seine Fördermenge zu begrenzen - aus Angst, andernfalls Marktanteile an den verhassten Rivalen verlieren zu können.

Man müsse abwarten, wie sich die Lage auf dem Ölmarkt entwickelt, wenn der Iran seine geplante Produktionsmenge von vier Millionen Barrel pro Tag erreicht habe. Dann könnten Saudi Arabien und Iran auch wieder gemeinsam Lösungen finden, glaubt Leon Leschus, Rohstoffexperte am Hamburger Institut für Weltwirtschaft (HWWI) gegenüber der DW. Er glaubt daher nicht, dass die Opec am Ende ist. "Ganz einfach deswegen, weil in den OPEC-Ländern noch sehr viele Ölreserven im Boden vorhanden sind." Die Mitgliedstaaten der Opec liefern weltweit etwa ein Drittel des Rohöls und besitzen rund drei Viertel der bekannten Reserven. Außerdem habe Iran bereits Zeichen für eine spätere Kooperation gegeben.

Am Montag rief der Iran alle betroffenen Länder auf, ihre Verhandlungen fortzusetzen. "Der Iran unterstützt die Bemühungen der Opec und der Nicht-Opec-Staaten, die Ölpreise wieder zu stabilisieren", sagte der iranische Opec-Vertreter Hussein Kasempur Ardebili der Nachrichtenagentur Shana. Teheran trete daher dafür ein, trotz des Scheiterns der Gespräche diese Bemühungen fortzusetzen. Auch Russland erklärte, die Tür für eine Einigung sei noch immer offen. Bereits am Sonntagabend hatte es bei Insidern der Branche geheißen, die Diskussionen könnten im Juni wiederaufgenommen werden.

Feind Nummer zwei

Den Iran klein halten, das ist nur ein Ziel Saudi-Arabiens. Der weltgrößte Ölproduzent hofft außerdem über den niedrigen Preis die US-amerikanische Konkurrenz aus dem Markt zu drücken. Lange Jahre hatte die Opec über die Produktionsmenge den Ölpreis gelenkt. Damit war es vorbei, als die USA anfingen, im großen Stil Schiefer-Öl zu fördern. Das zusätzlich auf den Markt strömende US-Angebot, hatte die Ölschwemme und damit den Preisverfall ausgelöst.

Daher verzichteten die Opec-Staaten seit 2014 auf Förderbegrenzungen. Denn hätten sie ihre Produktion begrenzt, hätten die Amerikaner die Lücke gefüllt und Marktanteile gewonnen. "Vielleicht ist deswegen gestern keine Entscheidung gefällt worden, weil man über den niedrigen Ölpreis die Fracking-Industrie in den USA weiter unter Druck setzen möchte", mutmaßt Leon Leschus. Denn während die Opec-Länder selber relativ günstig fördern können, ist die amerikanische Fracking-Methode vergleichsweise kostenintensiv.

Das Ziel, über sehr niedrige Preise die USA zu treffen, scheine nun erreicht zu sein, meint Fritsch. "Die Überproduktion steigt nicht mehr - sie fällt schon seit Wochen recht deutlich." Die Ölförderung in den USA würde jetzt markant zurück gehen. Die Finanzierung der teuren Technologie wird zudem immer schwieriger. Sobald die amerikanische Konkurrenz verdrängt ist, steigt automatisch wieder die Macht der Opec-Staaten, deren Öl dann nicht mehr so leicht ersetzbar ist.

Schlag gegen die Glaubwürdigkeit

Auch Carsten Fritsch glaubt wie Leschus, dass die Opec allein aufgrund ihrer Ölreserven künftig noch eine Rolle spielen wird. Er sieht vor allem das Signal, das die Ölproduzenten jetzt ausgesendet haben, als Problem. Eine Drosselung auf einem Niveau vom Januar hätte am Markt erst mal keinen Unterschied gemacht, so Fritsch. Das Signal aber, dass es den Nicht-OPEC-Produzenten und den Opec-Ländern nicht gelungen ist, gemeinsam eine Einigung zu finden, sei verheerend für die Glaubwürdigkeit. Denn dann könne man ebenfalls damit rechnen, dass sich die Länder, wenn es später mal hart auf hart komme und man eigentlich die Produktion kürzen müsste, ebenfalls nicht einigen könnten.

Und der Ölpreis? Derzeit übersteigt das weltweite Angebot den Bedarf um 1,5 Millionen Barrel pro Tag, so der Öl-Experte Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg. Das Angebot dürfte nun noch steigen und der Preis weiter sinken. Schallenberg hätte auch ohne ein Scheitern der Gespräche in Doha, ein erneutes Absinken des Ölpreises erwartet.

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