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Politik

Ölpreis auf Rekordhoch

Jetzt ist es passiert: Der Ölpreis hat zum ersten Mal die psychologisch wichtige Marke von 50 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) überschritten. Damit kostet Rohöl rund 75 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Warum?

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Kostbarer Rohstoff

Ein Barrel Rohöl verteuerte sich am Dienstag (28.9.) im asiatischen Terminhandel auf einen neuen Rekordstand von 50,47 US-Dollar. Die Nordsee-Ölsorte Brent kostete mit 46,80 Dollar ebenfalls so viel wie noch nie. "Nach dem Knacken der 50 Dollar sind nun die 60 Dollar im Visier", sagte der Ölexperte Ng Wenig Hoong von Energyasia.com in Singapur. Am Abend gab der Preis in New York leicht nach auf 49,85 Dollar pro Barrel.

Krisenherde

Der Irak brennt

Bombardierte Pipeline im Irak (August 2004)

Gründe für den hohen Ölpreis gibt es zurzeit viele: Die Lage im Nahen Osten ist weiter unsicher. Im Irak werden Pipelines angegriffen und auch im Förderland Saudi-Arabien ist die Angst vor Anschlägen groß. Eine weitere Rolle spielt die Krise des russischen Öl-Konzerns Yukos. Den letzten Funken für die Preisexplosion hätten aber Meldungen über Unruhen in Nigeria gezündet, sagt Daniel Hynes, Energieanalyst bei der ANZ Bank in Australien. In Nigeria, dem siebtgrößten Ölexporteur der Welt, kämpfen Rebellen um die Kontrolle der Ölfelder im Süden des Landes. Purnomo Yusgiantoro, Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), bezeichnete den schwehlenden Konflikt in Nigeria und die Yukos-Krise als Hauptprobleme.

"Ivan" behindert Ölförderung

Hurricane Ivan

Hurrikan 'Ivan' über dem Golf von Mexiko (Satellitenbild)

Neben diesen geopolitischen Gründen haben die jüngsten Wirbelstürme über dem Golf von Mexiko den Ölpreis in die Höhe getrieben. Nach offiziellen Angaben haben die USA seit Anfang September durch die Unwetter mehr als elf Millionen Barrel an Förderleistung eingebüßt. "Der Schaden durch 'Ivan' dauert immer noch an", erklärt der Analyst John Kilduff von Fimat USA. Laut US-Behörden liegt die Tagesproduktion im Golf von Mexiko zurzeit noch rund 29 Prozent unter dem Normalstand. Panik bei den Endverbrauchern ziehe die Preise weiter nach oben, sagen Analysten.

Hilfe von der OPEC?

Yusgiantoro hatte am Montag betont, die OPEC könne schnell mehr Öl auf den Markt bringen. Die Reservekapazitäten lägen bis zum Ende des Jahres bei 1,5 Millionen Barrel pro Tag. Die Märkte blicken allerdings skeptisch auf die OPEC: Analysten bezweifeln, dass sie in der Lage wäre, im Fall einer tief greifenden Unterbrechung der weltweiten Ölproduktion die Förderung kurzfristig entscheidend anzuheben. Das Förderkartell räumte ein, dass tatsächlich schon die letzte Entscheidung, den Ausstoß zum 1. November um eine Million Barrel zu erhöhen, die Märkte nicht hatte beruhigen können. Die OPEC hatte Mitte September beschlossen, ihre Produktion von November an um eine Million auf 27 Millionen Barrel pro Tag auszuweiten. Die Ankündigung hatte aber nicht zu fallenden Preisen geführt, da mit ihr de facto nur ein Teil der Überschreitungen der Förderquoten legalisiert wird und kein zusätzliches Öl auf dem Markt kommen wird.

Die weltweite Ölproduktion beträgt derzeit rund 82 Millionen Barrel am Tag. Die Spanne für die Ausweitung der Produktion liegt Analysten zufolge nur bei etwa einem Prozent. Mit Spannung warten die Märkte nun auf den Bericht über die Lagerbestände in den USA. Er wird am Mittwoch (29.9.) vorgelegt. Analysten zufolge schadet der hohe Ölpreis schon jetzt Fluglinien und anderen Großverbrauchern. Sollte der Trend anhalten, könne dies zu einer globalen Rezession führen. (ch)

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