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Fokus Osteuropa

Ölpipeline von Burgas nach Vlora geplant

Energieexperten aus Albanien, Mazedonien und Bulgarien planen gemeinsam den Bau einer 913 Kilometer langen Ölleitung, die vom Schwarzmeerhafen Burgas nach Vlora in der Adria führen soll. Das Projekt ist umstritten.

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Durch die Pipeline sollen auch Tankerunglücke vermieden werden

Der Bau der Albanisch-Mazedonisch-Bulgarischen Ölpipeline (AMBO) soll das schwarze Gold von den Förderregionen Russlands, Kasachstans, Aserbaidschans und Turkmenistans in die europäischen Märkte transportieren. Durch die Verbindung zwischen dem Schwarzen Meer und der Adria wäre es möglich, Tankern den Weg durch den stark befahrenen und durch Tankerunglücke bedrohten Bosporus zu ersparen. Das Projekt wird aber von Umweltschutzorganisationen abgelehnt, die den möglichen Schaden, den es anrichten könnte, für höher halten, als die zu erwarteten Gewinne.

Verlauf steht fest

Das AMBO Konsortium hat nach eigenen Angaben die zur Finanzierung nötigen 1,13 Milliarden Dollar sichergestellt. Der albanische Verhandlungsführer und stellvertretende Energieminister Pajtim Bello erklärt, dass die Pipeline von Mazedonien kommend über den Bergpass Qafe Thane und dann durch die Orte Perrenjas, Librazhd, Elbasan, Fier und Novosele bis nach Vlora führen soll. Damit führte die Pipeline auf einer Länge von 143 Kilometern durch Albanien. Er schätzt die jährlichen Einnahmen Albaniens durch die Pipeline auf 50 bis 60 Millionen Dollar.

Proteste von Umweltschützern

Albanische Umweltschützer halten dagegen, dass der mögliche Schaden, den die Pipeline anrichten könnte, den Gewinn bei weitem übersteigen werde. In den letzten Tagen hatten sie Proteste organisiert und versucht, die Bürger zu überzeugen, dass die Beteuerungen des AMBO Konsortiums, dass die Auswirkungen des Pipelinebaus minimal seien, nicht zutreffen. Als "Allianz für den Schutz der Bucht von Vlora" sammeln sie Unterschriften mit der Absicht, ein Referendum durchzusetzen, welches dann die Regierungspläne kippen könnte. "Die Rohrleitungen aber auch die Beladeanlagen für Schiffe, die im Adriahafen von Vlora das Öl aus Zentralasien und dem Kaukasus aufnehmen sollen, könnten das Ökosystem in der Adria zerstören", sagt Lavdosh Ferruni, ein bekannter Vertreter der albanischen Umweltbewegung.

Vor kurzem organisierte er einen Protest außerhalb des Energieministeriums unter dem Slogan "AMBO out!" Auch der bekannte Publizist Adrian Klosi hat sich an die Spitze der Protestbewegung gestellt, der das Projekt als neokolonialistisch bezeichnet: "Neokolonialismus ist eine Verbindung von großen Konzernen, die arme Länder ausbeuten, wie Albanien eines ist. Es sind Länder mit schwacher Gesetzgebung und mit niedrigem Umweltbewusstsein. Sie wollen deren Land, Luft und Ufer für den Transport ausnutzen. Wir haben eine andere Perspektive. Vlora hat eine andere Perspektive: Den Schutz der Umwelt und die Entwicklung des Tourismus", sagt Klosi.

Nationale Energieagentur weist Kritik zurück

Aber der Direktor der Nationalen Energieagentur in Tirana, Besim Islami, beschreibt die Positionen der Umweltschützer als "oberflächlich, emotional und ohne wissenschaftliche Fundierung." Er bezieht sich dabei auf Länder mit langjähriger Erfahrung in diesem Bereich. "Ich kann den Bürgern mit voller Sicherheit garantieren, dass dieses Projekt keinerlei Auswirkungen auf die Umwelt haben wird. Es gibt über 120.000 Kilometer Pipelines mit Ausmaßen, die zum Teil drei bis fünf Mal so groß sind wie das geplante Projekt. Diese Projekte bestehen parallel mit den Ökosystemen, von Nordamerika bis Südamerika, von Saudi-Arabien in die ganze Welt. Es hat noch nirgendwo Umweltschutzprobleme dadurch gegeben", sagt Islami.

Vor etwa einem Jahr hat eine Bürgerinitiative aus Umweltschützern es geschafft, einen Plan für eine Müllverbrennungsanlage vor den Toren von Tirana zu Fall zu bringen. Noch scheinen die Gegner von AMBO nicht besonders viel Gehör zu bekommen.

Arben Muka, Tirana
DW-RADIO/Albanisch, 2.5.2005, Fokus Ost-Südost