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Amerika

Ölpest ist fünf Mal schlimmer als bisher gedacht

Aus dem Bohrloch am Meeresgrund vor der US-Küste ist wahrscheinlich mehr Öl ins Meer geflossen als bisher angenommen. Der Ölkonzern BP hofft weiter auf einen Erfolg seiner Operation "Top Kill", die das Öl stoppen soll.

Geschlossener Strand in Grand Isle (Foto: AP)

Strände wurden wegen der Ölpest geschlossen

Die Zahlen klingen alarmierend: Bis zu 25.000 Barrel Öl - knapp vier Millionen Liter - sind nach neuen Berechnungen der US-Regierung seit Beginn der Öl-Katastrophe vor fünf Wochen ins Meer geflossen - und zwar täglich. Die Expertenkommission der Washingtoner Regierung kommt damit auf eine fast fünf Mal so große Menge Öl wie bisher von BP geschätzt.

Neues Unglück schlimmer als "Exxon Valdez"-Unfall?

Die Direktorin des Nationale Geologischen Instituts der USA, Marcia McNutt, bezifferte die Menge des austretenden Öls auf 12.000 bis 25.000 Barrel pro Tag. Damit dürfte der Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" das Unglück des Tankers "Exxon Valdez" vor Alaska im März 1989 als bisher schlimmste Ölkatastrophe abgelöst haben - damals waren insgesamt 260.000 Barrel Öl ins Meer geflossen. Ausdrücklich wollte McNutt diesen Zusammenhang zwar nicht herstellen. "Mit den von mir vorgelegten Zahlen können Sie selbst rechnen, glaube ich", entgegnete sie den fragenden Journalisten.

Helfer arbeiten an Barrieren (Foto: AP)

Auch an Land kämpfen die Helfer weiter gegen das angeschwemmte Öl

Ein durchgreifender Erfolg des Ölkonzerns BP bei der Bekämpfung des auslaufenden Öls lässt weiter auf sich warten. Berichte über einen Erfolg der Operation "Top Kill", bei der Schlamm mit hohem Druck in das Bohrloch am Meeresgrund gepumpt wurde, wechselten sich im Tagesverlauf ab mit Meldungen, es sei noch zu früh, eine Bilanz der Aktion zu ziehen. Es könne noch ein bis zwei Tage dauern, bis feststehe, ob "Top Kill" den Ölfluss wie erhofft stoppt.

BP: "Alles nach Plan"

Unterwasserbild aus einem Live-Internet-Video von BP (Screenshot: DW)

Ergebnis offen: die Unterwasser-Operation von BP

Auch wenn der Vorgang zwischenzeitlich unterbrochen und kein Schlamm mehr in das Bohrloch gepumpt worden sei, laufe alles wie vorgesehen, erklärte BP-Manager Doug Suttles in der Nacht zu Freitag (28.05.2010). "Derzeit geht nichts schief, und alles läuft wie geplant." Er sei nicht überrascht, dass das Vorhaben länger dauere als erwartet, ergänzte Suttles. Das Verfahren gilt als riskant, nicht nur weil es noch nie zuvor erprobt wurde: Schlimmstenfalls könnte sich das Leck nämlich sogar noch vergrößern.

Als Reaktion auf die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat die US-Regierung am Donnerstag neue Tiefseebohrungen auf Eis gelegt. Ein bestehendes Moratorium werde verlängert und die Genehmigungen für neue Ölbohrungen vor den Küsten der USA für sechs Monate ausgesetzt, erklärte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag in Washington. Zudem werde die Erschließung zweier Ölfelder vor der Küste Alaskas gestoppt und die Vergabe neuer Förderlizenzen im Golf von Mexiko und vor der Küste des Bundesstaates Virginia gestrichen. Außerdem sollen 33 im Golf von Mexiko begonnene Erkundungsbohrungen ausgesetzt werden.

Mit seinen Ankündigungen vollzog der Präsident eine Kehrtwende. Noch Ende März hatte er verkündet, im Rahmen einer neuen Energiepolitik Offshore-Ölbohrungen auszuweiten. Umweltschützer hatten das Vorgehen damals kritisiert.

Autor: Frank Wörner (rtr/afp/apn/dpa)
Redaktion: Gerd Winkelmann

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