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Wirtschaft

Ölpest: Bohrloch wird mit Zement versiegelt

Nach dem erfolgreichen aber provisorischen Verschluss des Bohrlochs mit Schlamm folgt jetzt die Abdichtung mit Zement. Es bleibt die Frage, wie gravierend die Ölpest die Umwelt geschädigt hat.

Schiffe am Bohrloch warten auf den nächsten Einsatz (Foto: AP)

Warten auf den nächsten Einatz am Bohrloch

Mehr als hundert Tage hat es bis zum jetzigen Erfolg gedauert. Die Beteiligten geben sich nun optimistisch, die Ölpest im Golf von Mexiko zügig in den Griff zu bekommen - der Öl-Multi BP, die US-Umweltbehörden, Wissenschaftler und auch die US-Regierung. Der lange Kampf gegen das ausströmende Öl sei fast beendet, sagte US-Präsident Barack Obama sichtlich erleichtert. Dennoch überwogen vorsichtige Worte: Einen endgültigen Erfolg will die US-Regierung erst verkünden, wenn das Bohrloch auch von unten, das heißt mit Hilfe des über die Entlastungsbohrung geschaffenen Nebenzugangs, fest verschlossen worden ist.

US-Regierung besteht auf Entlastungsbohrung

Admiral Thad Allen, der Krisenmanager der US-Regierung (Foto: AP)

Admiral Thad Allen, der Krisenmanager der US-Regierung

Nach der zunächst erfolgreichen Verstopfung des Öllecks durch Schlamm hat der Krisenbeauftragte der US-Regierung, Thad Allen, dem Ölkonzern BP grünes Licht für die endgültige Versiegelung des Lecks von oben mit Zement gegeben. BP kündigte an, die Schiffe an der Wasseroberfläche würden voraussichtlich noch am Donnerstag (05.08.2010) damit beginnen, Zement durch Rohre in den Schacht in rund 1600 Metern Tiefe zu pumpen. Natürlich bestehe die US-Regierung darauf, dass nicht nur das obere, sondern auch das untere Ende der Bohrleitung versiegelt würde, betonte auch Obamas Sprecher Robert Gibbs vor der internationalen Presse im Weißen Haus.

Dazu soll frühestens in fünf bis sieben Tagen das gleiche Manöver von unten erfolgen, der sogenannte "Bottom Kill". Dabei will BP erst Schlamm und dann Zement durch die Entlastungsbohrung in rund vier Kilometer Tiefe im Meeresboden pumpen. "Wir wollen sicherstellen, dass die Quelle wirklich tot, tot, tot ist. Wir wollen, dass nichts von den Toten aufersteht", zitierte die "Washington Post" Energieminister Steven Chu.

Hoffnung auf Ende der Ölpest

Arbeiten am abgedichteten Bohrloch (Foto: dpa)

Arbeiten am abgedichteten Bohrloch

Mitte April war die Öl-Plattform "Deepwater Horizon" im Golf vom Mexiko explodiert und daraufhin untergegangen. Seitdem ergossen sich aus dem lecken Bohrloch nach US-Regierungsangaben rund 780 Millionen Liter (4,9 Millionen Barrel) Rohöl ins Meer.

Nach jüngsten Erkenntnissen von Regierungsexperten sind bereits etwa drei viertel des Öls, das nach dem Unglück ausströmte, verdunstet, aufgelöst und beseitigt. Das teilten die Nationale Behörde für Ozean- und Klimaforschung (NOAA) und das Innenministerium mit. Rund 33 Prozent des ausgelaufenen Öls seien von Schiffen aufgenommen oder gezielt vernichtet worden: Das Öl wurde abgefackelt, abgesaugt oder mit Hilfe von Chemikalien zersetzt. Weitere 25 Prozent Öl seien verdunstet oder hätten sich von selbst aufgelöst, und 16 Prozent seien ebenfalls auf natürliche Weise in mikroskopische Tropfen zerfallen. Die restlichen 26 Prozent befänden sich als Rückstände auf oder direkt unter der Wasseroberfläche, seien als Teerbrocken an Land geschwemmt worden oder in Sand und Sedimenten begraben. Demnach wabern aber noch immer rund 200 Millionen Liter Rohöl im Golf von Mexiko.

Was ist mit möglichen Langzeitfolgen für das Ökosystem?

Ölverschmutzter Pelikan (Foto: AP)

Das Leid der Tiere

Neben der Freude über den offensichtlich endlich, nach zahlreichen Rückschlägen, erfolgreichen Verschluss des Bohrlochs bleibt die Frage nach den Langzeitschäden für die Natur. Wie lange wird es dauern, bis die Strände gereinigt sind und die Fischer ihre Netze wieder überall auswerfen können? Welche Langzeitfolgen gibt es im Ökosystem durch den Einsatz von Chemikalien zur Zersetzung des Öls? Wie groß sind die Selbstreinigungskräfte der Natur? All dies ist noch nicht endgültig geklärt. Die Ölpest im Golf von Mexiko wird sich nach Ansicht der Leiterin von NOAA, Jane Lubchenco, noch Jahrzehnte lang auf die Tierwelt auswirken. Als Beispiel führte sie den Blauflossen-Thunfisch an, der sich gerade in der Brutzeit befinde. Vermutlich seien Eier und Larven, die der Ölpest ausgesetzt seien, zerstört oder stark beschädigt worden. Es gebe aber auch Anzeichen dafür, dass das Öl schnell abgebaut werde, sagte Lubchenco.

Für BP wird es teuer

Das Ölleck hat BP abgedichtet, das Konzernkapital jedoch fließt weiterhin in Strömen davon. Allein 20 Milliarden US-Dollar muss der britische Konzern in einen Entschädigungsfonds einzahlen. Und die Strafzahlung für die größte Ölkatastrophe aller Zeiten könnte BP weitere 21 Milliarden US-Dollar kosten. Das geht aus Berechnungen hervor, die die "Financial Times" am Mittwoch veröffentlicht hat. Es drohen weitere Strafen auf der Grundlage von US-Umweltgesetzen. Und auch die mexikanische Regierung hat Schadenersatz-Klagen angekündigt.

Autorin: Ulrike Quast (dpa, afp, apn, rtr)
Redaktion: Ursula Kissel

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