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Wirtschaft

Ölnachfrage übersteigt das Angebot

Der Ölpreis klettert derzeit von Rekord zu Rekord. Mehr Öl auf dem Markt würde Abhilfe schaffen, viele Förderländer arbeiten jedoch am Limit. Aber wer das Öl unbedingt haben will, ist auch bereit, Rekordpreise zu zahlen.

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Nachschub!


Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl erreichte 17. März ein Allzeithoch von 57,30 US-Dollar. Die in Europa marktführende Nordsee-Sorte Brent stieg erstmals über 55 US-Dollar je Barrel (rund 159 Liter). Händler führten die Erdöl-Verteuerung auf eine anhaltend starke Nachfrage und zu geringe Raffineriekapazitäten zurück.

OPEC reagiert, aber die Marktpreise nicht

OPEC Sitzung in Isfahan

Die OPEC hat sich entschieden, die Fördermenge zu steigern

Angesichts des hohen Bedarfs der USA und Europas, aber auch Chinas, Indiens und anderer asiatischer Länder hat die Internationale Energieagentur IEA ihre Verbrauchsschätzung für das laufende Jahr deutlich angehoben. Der tägliche Ölbedarf der Welt dürfte im vierten Quartal - der Zeit mit dem alljährlichen Spitzenverbrauch - auf 86,1 Millionen von 83,7 Millionen Barrel anwachsen, schätzt die IEA.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat angekündigt, die Produktionsquoten ab sofort um 500.000 Barrel auf 27,5 Millionen Barrel anzuheben. Damit wird aber nur die bisherige Überproduktion offiziell festgeschrieben. Mehr Öl kommt dadurch aber nicht auf den Markt. Der Preis sinkt auch nicht. Dennoch hält die Nachfrage unvermindert an.

Ölschlucker China

Ölförderung in Venezuela

Ölförderung in Venezuela

Bruce Evers, Analyst von Investec Securities, geht davon aus, dass "die Versorgungsseite der Gleichung sehr angespannt" bleiben wird. Angesichts enger Produktionskapazitäten und einem weiteren Anstieg der Nachfrage könnten unvorhergesehene Vorkommnisse - wie beispielsweise politische Instabilitäten in Venezuela oder Nigeria - die Preise noch weiter hochtreiben. Es stelle sich nicht die Frage "ob, sondern wann die 60 Dollar" kommen, sagte Evers.

Ölraffinerie MIDER in Leuna

Ölraffinerien sind vielerorts an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit angekommen

Simon Wardell von Global Insight spricht von einem "strukturellen Preiswechsel" angesichts der Tatsache, dass die Nachfrage die Versorgung überholt habe. Neben der gestiegenen Nachfrage auf Grund des kalten Winters und spekulativer Käufe großer Fonds schluckt auch der Wirtschaftsboom in China immer mehr Öl. Schon jetzt fließt mehr als ein Drittel der weltweiten Produktion nach China. Das Land belegt auf der Rangliste der größten Ölverbraucher mittlerweile Platz zwei hinter den USA.

Mit einem Rückgang der Preise rechnen Experten nur dann, wenn die Nachfrage deutlich nachlassen sollte. Und das, betont Wardell, würde "einen ziemlich heftigen Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums bedeuten".

Kapazitäten ausgereizt

Tankstellenfusion

Benzin bleibt teuer

Händlern zufolge sind zudem die Produzentenländer nur noch begrenzt in der Lage, die Fördermenge zu erhöhen. Lediglich die Golf-Anrainerstaaten Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verfügen noch über substanzielle freie Förder-Kapazitäten und haben auch bereis angekündigt, zusätzliches Öl bereitzustellen.

Analysten rechnen deshalb damit, dass das Preisniveau hoch bleiben wird, zumal auch die nicht in der OPEC organisierten Länder ihre Förderung kaum noch steigern können. So hat Norwegen, der weltweit drittgrößte Exporteur, erklärt, es habe nur begrenzte Möglichkeiten, die Produktion zu steigern. Ähnlich ist es in Russland und Mexiko.

Bohren in Alaska: Lesen Sie auf Seite 2, wie die USA versuchen, weniger abhängig vom internationalen Ölmarkt zu werden.

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