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Wirtschaft

Ölmultis schreiben Rekordverluste

Exxon, BP, Shell, Chevron - die großen Ölmultis melden allesamt Verluste, die in den vergangenen Quartalen immer dramatischer ausfallen. Und Experten warnen: Der Ölpreisverfall geht weiter.

Die niedrigen Ölpreise haben dem US-Branchenprimus ExxonMobil erneut einen heftigen Gewinneinbruch eingebrockt. Im vierten Quartal stürzte der Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58 Prozent von 6,6 auf 2,8 Milliarden Dollar oder umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro ein, wie der am Börsenwert gemessen weltgrößte Ölkonzern am Dienstag mitteilte. Der Umsatz fiel um fast ein Drittel auf 59,8 Milliarden Dollar.

Obwohl das Unternehmen die Produktion von Öl und Gas zum Vorjahr deutlich steigerte, nahm es wegen des massiven Preisrückgangs bei Rohöl viel weniger Geld ein. Vorstandschef Rex Tillerson hat die Ausgaben bereits deutlich gekürzt und kündigte eine strikte Kostenkontrolle an.

Der rasante Ölpreis-Verfall hat auch den britischen Energiekonzern BP 2015 tief in die roten Zahlen gerissen. Mit 6,5 Milliarden US-Dollar stand der schlimmste Verlust seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Bilanz, wie der britische Konzern am Dienstag mitteilte. Selbst 2010, als BP Belastungen aus der verheerenden Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko verbuchte, war das Ergebnis nicht so schlecht wie jetzt.

Der Ölpreis ist vergangenes Jahr wegen des Überangebots um rund ein Drittel eingebrochen. Die großen Konzerne senken deswegen massiv ihre Kosten, indem sie Stellen streichen und Investitionen kürzen. BP kündigte in diesem Zusammenhang an, im Raffineriegeschäft - also der Weiterverarbeitung von Öl - 3000 Jobs bis Ende 2017 abbauen zu wollen. Das Unternehmen hatte zudem bereits Mitte Januar mitgeteilt, 4000 Stellen in der Öl- und Gasförderung zu streichen. BP-Chef Bob Dudley sagte, der Konzern müsse sich rasch dem veränderten Marktumfeld anpassen.

Gesamte Branche unter Druck

Der Konkurrenz geht es nicht besser. Chevron, die Nummer zwei in den USA, hatte zuletzt den ersten Quartalsverlust seit mehr als 13 Jahren ausgewiesen. In den Chefetagen der großen Konzerne werden längst die Rotstifte gespitzt, um Worst-Case-Szenarien auszurechnen. Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell hatte in der vergangenen Woche erste Zahlen vorgelegt - sie sind ebenfalls ernüchternd. Im Schlussquartal 2015 fiel der Gewinn um 40 Prozent - Shell verdiente nur noch 1,6 bis 1,9 Milliarden Dollar. Im Jahr davor waren es noch 3,3 Milliarden. Der Energieriese muss seine Kosten im Vergleich zu 2013 um 45 Prozent herunterschrauben. Das bedeutet: Verzicht auf Großprojekte und der Abbau tausender Stellen.

Insgesamt kommen nach Einschätzung von Experten in der Branche Projekte in einer Größenordnung von 400 Milliarden Dollar nicht zustande. "Flexibilität für weitere Reduzierungen ist noch vorhanden", sagte Shell-Vorstandschef Ben van Beurden vielsagend.

Düstere Prognosen

Der Ölpreis fällt bereits seit Mitte 2014; von damals rund 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) rutschte er auf zuletzt rund 31 Dollar. Hintergrund ist ein Überangebot am Markt, gepaart mit einer verhaltenen Nachfrage. Hinzu kommen Sorgen um die Konjunktur in China, dem größten Ölverbraucher der Welt.

Auch die Banken überschlagen sich mit düsteren Prognosen. Die US-Investmentbank Morgan Stanley, die 2008 noch 200 Dollar pro Barrel für möglich gehalten hatte, geht von einem Tiefpunkt bei 20 Dollar aus. Die britische Standard Chartered glaubt sogar an zehn Dollar - ein Tief, das seit 2001 nicht mehr erreicht wurde.

Experten warnen auch davor, dass amerikanische Banken überdurchschnittlich viele Kredite an die Ölförderer gegeben haben. So soll allein Wells Fargo Kredite über 17 Milliarden Dollar ausstehen haben, insgesamt sollen sich die Kredite amerikanischer Banken für die US-Ölbranche auf rund 400 Milliarden Dollar belaufen.

wen/ hmf (rtr, dpa)