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Wirtschaft

Ölkrise: London warnt vor Hamsterkäufen

Streiks in Großbritannien und Nigeria treiben den Ölpreis hoch. BP schließt eine Nordsee-Pipeline, die Großbritannien zu einem Drittel mit Öl versorgt. Die britische Regierung warnt vor Panikkäufen.

Bohrinsel in der Nordsee (Quelle: AP)

Großbritannien ist vom Öl aus der Nordsee abhängig

Ein 48-stündiger Streik hat am Montag (28.04.2008) zu einer Energiekrise in Großbritannien geführt. Die 1200 Beschäftigten der schottischen Raffinerie Grangemouth des Chemiekonzern Ineos verlangen eine bessere Altersversorgung. Die Raffinerie ist die einzige in Schottland; dort werden pro Tag 210.000 Barrel Öl verarbeitet. Wegen des Streiks sah sich der Ölkonzern BP gezwungen, die wichtige Nordsee-Pipeline Forties zu schließen, die die Raffinerie beliefert. Rund ein Drittel der Versorgung Großbritanniens mit Röhöl läuft über diese Pipeline. Wirtschaftsminister John Hutton kündigte jedoch an, Öl vom europäischen Festland liefern zu lassen, um Engpässe zu vermeiden.

Öl bleibt teuer

Die Ölpreise hatten schon vergangene Woche die Rekordmarke von fast 120 Dollar pro Barrel (je 159 Liter) erreicht. Am Montag kostete das Barrel an der New Yorker Rohstoffbörse zeitweise 119,93 Dollar, so viel wie nie zuvor. Als Ursache gilt Beobachtern auch der schwache Dollar, der Investoren in sichere Anlagen wie Öl und Gold treibt.

Frau in Nigeria vor Ölsee (Quelle: AP)

Auch im Öl-Förderland Nigeria wird gestreikt

Erschüttert wird die Erdölindustrie aber auch durch einen Streik im wichtigen Förderland Nigeria. Arbeiter des Ölkonzerns Exxon Mobil sind dort in den Ausstand getreten, zudem hat eine Rebellen-Gruppe einen Abschnitt einer Pipeline von Shell gesprengt, berichtete die BBC. Etwa ein Viertel der offiziellen täglichen Produktion von 2,5 Millionen Barrel sei dadurch ausgefallen.

Warnung vor Hamsterkäufen

Großbritanniens Regierung warnte vor Hamsterkäufen an den Tankstellen. Solange die Autofahrer nicht mehr tanken als gewöhnlich, sei die Versorgung nicht gefährdet. Trotzdem gab es Medienberichte über Schlangen an den Tanksäulen und Mengenbegrenzungen beim Benzinverkauf in Schottland. Die Preise für einen Liter bleifreies Benzin kletterten manchenorts von 1,08 Pfund (1,36 Euro) am vergangenen Montag auf 1,25 Pfund (1,58 Euro).

Die geschlossene Nordsee-Pipeline liefert pro Tag 700.000 Barrel Rohöl. Analysten schätzen, dass es durch den Streik zu einem Verdienstausfall von 50 Millionen Pfund (63 Millionen Euro) pro Tag kommt. Premierminister Gordon Brown nannte den Arbeitskampf unnötig. Die Tarifparteien sollten erneut über die Altersversorgung bei Ineos verhandeln, forderte er.

Höhere Preise auch in Deutschland erwartet

In Deutschland ist Sprit über das Wochenende etwas günstiger geworden. Nach Angaben aus der Mineralölbranche mussten am Montag für einen Liter Superbenzin etwa 1,43 Euro gezahlt werden, für den Liter Diesel 1,36 Euro. Am Freitag hatte der Liter Super noch 1,48 Euro gekostet, Diesel 1,40 Euro. Experten erklärten die Preisabschwung mit dem scharfen Wettbewerb der Tankstellen.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) müssen sich aber auch Autofahrer in Deutschland langfristig auf höhere Benzinpresie einstellen. Öl werde immer knapper, sagte DIW-Expertin Claudia Kemfert der "Neuen Presse": "Dass Tanken eines Tages wieder deutlich günstiger wird, ist eine Illusion."

Politiker von SPD, FDP und Linkspartei hatten am Wochenende an Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert, den Anstieg der Benzinpreise zu begrenzen. Der Staat müsse Obergrenzen für die Spritpreise festlegen, sagte der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas. Er verwies auf Luxemburg. Dort reguliere das Wirtschaftsministerium die Preise. Das Bundesfinanzministerium nannte den Vorschlag jedoch "populistisch und unrealistisch". (det)

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