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Wissen & Umwelt

Ölkatastrophe – Wie das Meer sich selber hilft

Seit Jahrmillionen fließt Erdöl aus natürlichen Quellen in die Weltmeere. Warum davon nichts zu sehen ist? Weil Kleinstlebewesen es auffressen. Bakterien, deren Lieblingsspeise Erdöl ist.

Ölteppich auf dem Meer (Foto: AP)

Alleine im Golf von Mexiko sprudeln jährlich rund 160.000 Tonnen Öl am Meeresboden aus natürlichen Quellen. Es wird von Bakterien verzehrt und auf diese Weise beseitigt. Ohne diese Mikroorganismen wären Meer und Küsten mittlerweile mit gewaltigen Asphaltteppichen aus verwittertem Erdöl bedeckt. Doch das Ökosystem der Tiefe hat sich mit der giftigen Substanz arrangiert.

Diese ölfressenden Bakterien existieren in der licht- und sauerstoffarmen Umgebung der Tiefsee, erklärt Professor Antje Boetius vom Max-Planck-Institut für Mikrobiologie/MARUM an der Uni Bremen. Die Meeresbiologin untersucht, wie es diesen Lebewesen gelingt, die giftigen Stoffe abzubauen und welche verschiedenen Substanzen dabei entstehen.

Asphalt am Meeresboden

Dafür sammelten Boesius und ihr Team im Golf von Mexiko in 3000 Metern Tiefe mit Hilfe eines Roboters Bakterien ein und stellten fest: Am Meeresboden liegt ein asphaltartiger Ölteppich, das Abfallprodukt der öllfressenden Bakterien. Dabei handele es sich jedoch nicht um tote Materie, erläutert Boesius, sondern um einen Untergrund, der wiederum von Lebewesen als Lebensraum genutzt werde. Denn die giftigen Bestandteile seien größtenteils abgebaut. "Teilweise leben sogar komplexe Lebensformen wie Korallen darauf."

Korallen am Meeresgrund (Foto: DW-TV)

Sogar Korallen können auf dem zersetzten Öl wachsen

Die Bakterien und Mikroorganismen, die in den Ölresten auf dem Meeresboden leben, sind noch weitgehend unerforscht. Könnten diese Lebewesen helfen das Meer nach einer Ölkatastrophe zu sanieren? Denn sobald außergewöhnlich große Mengen Öl ins Meer gelangen vermehren sich die Bakterien explosionsartig. Und das habe einen großen Nachteil, sagt Boesius: "Während des Öl-Abbaus entziehen sie dem Wasser den verfügbaren Sauerstoff und verwandeln große Teile des Meeres in eine lebensfeindliche Wüste."

Ölabbau kostet Sauerstoff

Der Umwelt-Mikrobiologe Prof. Hauke Harms, vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, hat herausgefunden, dass der bakterielle Abbau von 200.000 Tonnen Öl gleichzeitig den Sauerstoff aus mehreren hundert Kubikkilometern Meerwasser entfernt. Dort lebende Organismen haben ohne diesen Sauerstoff keine Überlebenchance. Dementsprechend sei kurzfristig nicht sinnvoll, solche Bakterien und Mikroorganismen für den Einsatz während einer Ölkatastrophe nachzuzüchten, betonen die Forscher.

Autorin: Joanna Gottschalk
Redaktion: Judith Hartl

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