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Wissen & Umwelt

Ölförderung siegt über Regenwald-Schutz

Ecuador will im Yasuni-Nationalpark Öl fördern. Internationale Geldgeber hätten es versäumt, sich am Umweltschutz angemessen zu beteiligen. Nun hat das Land deutsche Hilfen gekündigt.

Als Ecuadors Präsident Rafael Correa letzte Woche (15.08.2013) verkündete, dass er grünes Licht für die Erschließung von Erdölfeldern in Teilen von Ecuadors Amazonas-Naturpark gegeben habe, war Deutschland verblüfft. Das deutsche Entwicklungsministerium hatte zwar seit Jahren Correas Schutzplan abgelehnt, der vorsah, dass Industrieländer Ecuador dafür bezahlen, dass das Land Ölfelder im Yasuni-Nationalpark unangetastet lässt, aber es förderte den Schutz des Waldes und der Ureinwohner durch andere Projekte.

Nach Angaben von Ecuador bindet der Wald der drei ölreichen Gebiete im Park - Ishpingo, Tambococha und Tiputini etwa 400 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2), die sonst pro Jahr in der Atmosphäre bleiben würden.

Correa wollte, dass internationale Geldgeber Kompensationszahlungen von 3,6 Milliarden US-Dollar (2,7 Milliarden Euro) leisten, damit Ecuador das Öl im Boden lässt. Jedoch wurden nur 13 Millionen US-Dollar an Spendenzahlungen sowie 116 Millionen US-Dollar an Zusagen erreicht, so Correa. Mangelnde Unterstützung mache es nun notwendig, mit den Ölbohrungen zu beginnen, obwohl das UNESCO-Biosphärenreservat neben einer reichen Artenvielfalt auch verschiedene Ureinwohner-Stämme beherbergt.

Waorani Eingebohrene, Yasuni Nationalpark, Ecuador (Foto: ddp images/AP Photo/Dolores Ochoa)

Der Yasuni-Nationalpark ist Heimat für indigene Gruppen wie die Waorani

Seit Entwicklungsminister Dirk Niebel 2009 sein Amt antrat, zählte Deutschland zu den Staaten, die sich gegen die Zahlung von Geld für Umweltschutzzusagen stellten. Seine Vorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hatte hingegen die Yasuni-Initiative noch unterstützt.

Deutschland sagt Nein zum Yasuni-Plan

"Wir haben nie und nimmer versprochen, in einen Hilfsfonds einzuzahlen, weil wir denken, dass dies ein völlig falscher Ansatz ist", sagte Gudrun Kopp, Niebels Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im DW-Interview. "Wir wollen die Wälder erhalten, wir wollen die Völker dort unterstützen und wir wissen, dass die Artenvielfalt in Ecuador wirklich sehr besonders ist. Und wir wollen die Umwelt schützen, indem wir handeln und Emissionen reduzieren. Wir bezahlen aber nicht dafür, dass jemand nicht nach Öl bohrt."

Das BMZ befürchtet, dieser Ansatz würde einen Präzedenzfall für andere Länder schaffen, die ebenfalls Ressourcen wie Öl, Gas oder Gold ausschlachten. Das Ministerium fordert, dass Länder aktiv CO2-Emissionen reduzieren und auf nachhaltige Entwicklung hinarbeiten. Die unterlassene Ölförderung allein reiche nicht zum Waldschutz aus: "Kompensationszahlungen sind ein wenig Erfolg versprechender Ansatz im Klimaschutz", schrieb Niebel bereits 2011 in einem Kommentar in der taz.

Kinder spielen an Ölleitungen in der Orellana-Provinz (Foto: Eduardo Leon/dpa)

Ecuador fördert Öl bereits in anderen Gebieten - hier spielen Kinder neben Ölleitungen in der Orellana-Provinz

Kopp fügte hinzu, dass Deutschland und Ecuador sich auf ein 34,5 Millionen-Euro-schweres Programm verständigt hatten, dass erst in diesem Jahr in Kraft getreten sei - Geld für Waldschutzzonenmanagement, das UN-Programm REDD (Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern), sowie für den Schutz von Artenvielfalt und der Ureinwohner.

Dieses Programm wurde nun jedoch von Correa einseitig aufgekündigt. Er sei empört über die deutsche "Überheblichkeit" und wies Kritik an den Ölförderungsplänen zurück. Der Präsident kündigte an, dass Ecuador bisher gezahlte Hilfsgelder "bis auf den letzten Cent" zurückzahlen werde.

"Wir waren völlig erstaunt über diese neuen Entwicklungen, weil wir annahmen, wir hätten eine wundervolle Lösung und eine Übereinkunft in unseren Anstrengungen im Umweltschutz und in der Unterstützung des Landes getroffen", so Kopp.

Internationale Besorgnis über Umweltschäden

Laut Gorky Villa Munoz, einem ecuadorianischen Botaniker der US-NGO Finding Species, hatte die deutsche Entscheidung, die Yasuni-Initiative nicht zu unterstützen, mit Sicherheit einen großen Einfluss auf andere internationale Geldgeber. Bisher eingegangene Zahlungen - sei es von privaten Spendern oder von Ländern wie Belgien, Chile, Frankreich, Italien, Spanien und Indonesien - würden über einen Treuhandfonds zurückgezahlt.

Ecuadors Präsident Rafael Correa (Foto: RODRIGO BUENDIA/AFP/Getty Images)

Correa hat genug von deutscher "Überheblichkeit" und kündigte einseitig Verträge auf

Munoz hofft, dass ein Teil der Öleinnahmen in Entwicklungsprojekte wie Schulen, Umweltschutz und Krankenhäuser fließt. Er warnte aber, dass neue Straßen Yasunis Untergang seien. "Wenn die Regierung neue Straßen baut, wäre das katastrophal für den Park. Aber wenn die Regierung nach Öl bohrt und dabei Offshore-Techniken anwendet, also Helikopter, um Material zu transportieren, wären die Auswirkungen geringer", sagte Munoz der DW.

Kelly Swing, ein US-Biologe in Ecuador, sagte, es sei nicht allzu überraschend, dass die Initiative gescheitert sei. Immerhin habe diese seit Jahren nicht die anvisierte Unterstützung erhalten. "Die Idee der Yasuni-Initiative war es, Gelder einzusammeln, im Gegensatz zu Tauschgeschäften etwa". Aber darauf seien die Industriestaaten nicht eingegangen. Zum Beispiel habe Italien einer "relativ großen Schuldenumwandlung in der Höhe von mehreren zehn Millionen Dollar" zugestimmt, aber keinen Direktzahlungen, so Swing.

Ökotourismus als Ausweg?

Swing warnte, dass der Schaden durch die Ölförderung verheerend sein würde, auch wenn der Gewinn daraus verlockend ist: "Sie können das Öl fördern, 18 Milliarden US-Dollar in ein paar Jahrzehnten - aber was passiert nach ein paar Jahrzehnten?"

Langfristig kann er sich andere und bessere Möglichkeiten vorstellen um Ecuador eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten: "Wenn wir den Regenwald behalten, können wir weiterhin Einkommen erzielen und das im Prinzip für immer durch Ökotourismus und die Entwicklung von Superparks", sagt Swing. "Momentan schauen wir auf vielleicht eine Milliarde US-Dollar pro Jahr an Öleinnahmen über ein paar Jahrzehnte, aber wie wir von anderen Ländern in Lateinamerika wissen, die gut entwickelte Ökotourismusindustrien haben, könnte Ecuador allein dadurch bis zu 500 Millionen US-Dollar pro Jahr einnehmen," schätzt er.

Bislang hat Ecuadors Präsident Correa gesagt, dass nur etwa in einem Prozent des Yasuni-Nationalparks gebohrt werden solle. Laut der Verfassung des Landes, muss er nun das Parlament um Erlaubnis für die Ölförderungen bitten.

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