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Welt

Öl-Wirtschaftswunderland Angola

Auf ihrer Afrika-Reise wird Angela Merkel auch Luanda besuchen. Noch nie zuvor war ein Bundeskanzler in Angola auf Staatsbesuch. Merkel locken vor allem die Chancen für die deutsche Wirtschaft in dem Ölland.

Ölplattform an der Küste von Angola (Foto: AP)

Ölreichtum lockt auch deutsche Unternehmen

Angola ist neben Kenia und Nigeria eine der drei Stationen auf der Afrika-Reise der deutschen Bundeskanzlerin. Für Peter Hintze, Staatssekretär im deutschen Wirtschaftsministerium, passt die Reise gut zum kürzlich verabschiedeten Afrika-Konzept der Bundesregierung, in dem Wirtschafts-, Energie- und Rohstofffragen eine zentrale Rolle spielen: "Damit wollen wir uns noch stärker unserem Nachbarkontinent zuwenden. Unser Ziel ist eine faire Partnerschaft", sagt Hintze.

Kurzbesuch in Luanda

Für die Partnerschaft mit Angola bleibt Angela Merkel aber nur wenig Zeit. Sie wird am Dienstag (12.07.2011) gerade einmal etwa 24 Stunden in Luanda weilen. Neben einem Gespräch mit dem Präsidenten José Eduardo dos Santos wird sie an einem Forum mit deutschen und angolanischen Unternehmern teilnehmen.

Ricardo Gerigk (Foto: DW)

Ricardo Gerigk, Leiter der Delegation der deutschen Wirtschaft in Luanda

Trotz der Kürze sei der Besuch der deutschen Kanzlerin wichtig, sagt Ricardo Gerigk. Er leitet seit einem Jahr die Delegation der deutschen Wirtschaft in Luanda, eine Art "Mini-Handelskammer", die vom deutschen Wirtschaftsministerium finanziert wird: "Frau Merkel setzt ein Zeichen alleine damit, dass sie nach Angola kommt." Dass sie bloß etwa 24 Stunden im Land bleibe, sei nicht wichtig, meint Gerigk. "Wichtig ist, dass das Memorandum of Understanding unterzeichnet wird."

Während des Besuchs von Angela Merkel soll ein Kulturabkommen und ein Memorandum of Understanding, also eine Absichtserklärung, zur strategischen Kooperation unterzeichnet werden. Der entscheidende Schritt sei dabei, eine gemeinsame, bilaterale Wirtschaftskommission zu gründen, sagte der Botschafter Angolas in Deutschland, Alberto do Carmo Bento Ribeiro, auf dem deutsch-angolanischen Wirtschaftsforum Ende Juni in München: "Dann können wir wirklich auf der Ebene der beiden Regierungen über große Projekte diskutieren, wie sie bereits mit anderen europäischen Partnern existieren."

Alberto Bento Ribeiro (l.) und Abrahão Pio dos Santos Gourgel (r.) (Foto: DW)

Der Botschafter der Republik Angola, Alberto Bento Ribeiro (l.), im Gespräch mit dem angolanischen Wirtschaftsminister Abrahão Pio dos Santos Gourgel (r.)

Für den Botschafter - er verlässt nach dem Besuch Merkels Deutschland und wechselt als Botschafter Angolas in die USA - ist Deutschland eine der strategischen Partnerländer Angolas in Europa: "Unsere Beziehungen zu Europa werden immer verzerrt sein, wenn wir es nicht schaffen, den Wirtschaftsaustausch mit Deutschland zu steigern", sagt Bento Ribeiro.

Deutsch-angolanischer Handel in der Krise

Nach einem Rekord im Jahr 2008 hat der gemeinsame Handel durch die internationale Finanzkrise deutlich gelitten. Der Ölpreis war im Zuge der Krise zurückgegangen, was die Regierung Angolas in Zahlungsschwierigkeiten gebracht hatte. Monatelang zahlte sie ihre Rechnungen nicht mehr pünktlich. Statt der gewohnten zweistelligen Wachstumsraten von 15 Prozent und mehr im Jahr, stagnierte die angolanische Wirtschaft.

Die deutschen Exporte nach Angola gingen von 2008 bis 2010 um ein Drittel zurück: von 388 Millionen Euro auf 263 Millionen. Noch schlechter schnitten die angolanischen Exporte nach Deutschland ab: Sie sanken von 2008 bis 2010 auf die Hälfte, von 469 Millionen Euro auf 228 Millionen.

Seit Jahresbeginn entwickelt sich der Handel aber wieder positiv. Zur Freude von Abrahão Pio dos Santos Gourgel, dem Wirtschaftsminister Angolas. Er hat persönlich gute Verbindungen nach Deutschland und zu Zeiten der DDR in Ost-Berlin Wirtschaftswissenschaften studiert. Angola könne mit dem wiedervereinigten Deutschland gut kooperieren, findet der angolanische Wirtschaftsminister: "Wir denken, dass die angolanischen Unternehmer von Partnerschaften und gemeinsamen Projekten mit deutschen Firmen lernen können." Dabei denkt Santos Gourgel vor allem an den Transfer von Wissen und den Aufbau einer kraftvollen Unternehmenskultur: "Das sind die Stärken der deutschen Wirtschaft."

Deutsche in der Nische, große Projekte sind für andere

Dennoch konnten die deutschen Unternehmen in Angola bisher nicht richtig Fuß fassen. Die großen Bauaufträge gehen an brasilianische, portugiesische oder chinesische Firmen; die Erdöllizenzen an US-amerikanische, französische und brasilianische Konzerne.

Ein Mann mit einem Mikrofon auf einer Bühne (Foto: DW)

Viertes Deutsch-Angolanisches Wirtschaftsforum in München

Die deutschen Firmen findet man eher in Nischen. Sie machen Spezialtiefbau, planen als Ingenieurbüro Wassernetze oder liefern Maschinen für die Rohstoff-Förderung. Der Leiter des Büros der deutschen Wirtschaft in Luanda, Ricardo Gerigk, sieht angesichts einer Ölförderung von fast zwei Millionen Barrel am Tag aber mehr Potenzial: "Damit ist Angola der zweitgrößte Ölproduzent in Afrika nach Nigeria. Aber Nigeria hat 150 Millionen Einwohner, Angola dagegen nur 17 Millionen Bewohner." Also sei im Durchschnitt pro Kopf in Angola mehr Reichtum da als in Nigeria, betont Gerigk: "Es bildet sich hier eine Mittelschicht, die nicht mehr so eng mit dem Militär verbunden ist, und die dann auch in Produktion investiert."

Dos Santos nach Gaddafi am längsten an der Macht

Am 12. Juli wird Angela Merkel in Luanda erwartet. Gespannt darf man sein, wie sehr sie neben den wirtschaftlichen Themen auch auf Menschenrechte und Demokratie eingehen wird. Angola hat hier erhebliche Defizite. Nach dem libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi ist der angolanische Staatschef José Eduardo dos Santos der am längsten amtierende Regierungschef Afrikas. In seinen mehr als 31 Jahren an der Regierung ist er nie gewählt worden.

Autor: Johannes Beck
Redaktion: Lina Hoffmann

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