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Fokus Osteuropa

Öl-Unfall in Russland: Kritik an Katastrophen-Management

Nachdem im Gebiet Twer hunderte Tonnen Heizöl ausgelaufen sind, ist das wahre Ausmaß der Katastrophe noch immer unklar. DW-RADIO sprach mit Aleksej Kissiljow, einem russischen Greenpeace-Vertreter.

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Das Trinkwasser vieler Ortschaften wird bereits verschmutzt.

Jeden Tag wird eine größere Menge Heizöl angegeben, die aus den Kesselwagen eines verunglückten Einsenbahnzuges ausgelaufen sein soll. Anfangs wurde von 300 Tonnen gesprochen, dann von 500 und nach neuesten Angaben sollen 700 Tonnen Heizöl ausgelaufen sein. Erneut wurde vom russischen Katastrophenschutzministerium erklärt, für die Wasserversorgung Moskaus drohe keine Gefahr, es bestünden aber große Probleme für die Menschen, die im Unglücksgebiet lebten. Wir sprachen mit dem leitenden Vertreter der russischen Vertretung der internationalen Umweltschutzorganisation Greenpeace, dem Toxikologen Aleksej Kissiljow.

DW-RADIO/Russisch: Welche Gefahr geht derzeit von den Hunderten von Tonnen ausgelaufenen Heizöls aus?

Aleksej Kissiljow: Auf diese Frage gibt es zwei Antworten, abhängig davon, für wen Gefahr besteht. Für die Menschen vor Ort oder die Region besteht große Gefahr. Gegen das gesamte Ausmaß der Verschmutzung wird seit vier Tagen nichts unternommen und das Trinkwasser in den Ortschaften, die nahe am Unglücksort liegen, wird bereits verschmutzt.

Warum reagierten die Behörden auf das Unglück so spät? Warum wurde so spät gewarnt?

Das ist ein relativ unbewohntes Gebiet und gewarnt wurde eigentlich schnell genug. Das Problem ist ein anderes: Niemand war auf so etwas vorbereitet. Wie das Vorgehen heute zeigt, hat weder die Eisenbahn noch der Zivilschutz die Kräfte und die Übung für einen solchen Einsatz.

Fehlt technisches Gerät?

Das Gerät ist vorhanden, aber es gelingt nicht, an alle Ort vorzudringen, wo sich das Heizöl befindet.

Besteht Gefahr für das Trinkwasser Moskaus?

Ich denke, das Trinkwasser Moskaus ist nicht gefährdet. Alles fließt in die Wolga und man reinigt das Ufer und die Wasseroberfläche, aber man muss den Grund des Flusses einbeziehen. Man muss verstehen, wie tief der Fluss ist und was für ein technisches Gerät notwendig ist, um die Ablagerungen auf dem Grund des Flusses beseitigen zu können.

Das Interview führte Gleb Gavrik
DW-RADIO/Russisch, 20.6.2005, Fokus Ost-Südost