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Wirtschaft

Öl-Politik

Der Golf von Guinea hat die zweitwichtigsten Reserven an Erdöl und Erdgas nach den ölreichen Ländern am Persischen Golf. Die Region hat Zukunft: als Wachstumsregion und potentieller neuer Konfliktherd.

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Ölraffinerie in Nigeria

Am Golf von Guinea - dazu zählen unter anderem Länder wie Nigeria, Liberia, Kamerun und die Elfenbeinküste - liegen gut sieben Prozent der Erdöl- und Erdgasreserven der Welt. Dies erscheint vergleichsweise wenig, sichert Afrika aber den ersten Platz in der zweiten Liga, noch vor Russland, Europa und Nordamerika. Deshalb wird die Region zwischen der Cote d'Ivoire in Westafrika und Angola im südlichen Afrika in den nächsten Jahren und Jahrzehnten enorm an Bedeutung gewinnen - wie die USA bereits richtig erkannt haben. Derweil schläft die EU.

Das Erbe des Kolonialismus

Der europäische Kolonialismus hat die engen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Afrika nicht sonderlich beeinträchtigt. Europa trägt vielmehr eine wie auch immer geartete besondere Verantwortung für den Kontinent, was sich gerade auch im Ostkongo zeigt. Aber erstaunlicherweise scheint der EU der langfristig wirkende wirtschaftliche und letztlich auch politische Stellenwert der öl- und gasreichen Region am Golf von Guinea völlig entgangen zu sein.

In diese Lücke der Untätigkeit der EU sind die USA geschlüpft und zwar schon vor den schrecklichen Ereignissen am 11. September 2001, wie Friedemann Müller von der Stiftung für Wissenschaft und Politik betont. Er befasst sich seit Jahren mit globaler Energieversorgung und deren ökologischen Auswirkungen. "Die USA betreiben seit Jahren eine Diversifizierungspolitik, die viel aggressiver ist als das, was andere machen", erklärt Müller. "Die USA sind sehr massiv dabei, sich Versorgungslinien zu verschaffen, von denen sie im Ernstfall bevorzugt bedient würden."

Die EU schaut zu

Die beiden Wirtschaftsriesen Asiens - Japan und China - verhalten sich ähnlich passiv wie die EU. Doch scheint der Irak-Krieg zumindest in Brüssel, Paris und Berlin nicht nur Nachdenklichkeit zu entwickeln, sondern auch Handlungsbedarf zu signalisieren. Der EU-Militäreinsatz im Ostkongo unter der Führung Frankreichs ist jedenfalls mehr als nur ein Indiz, gegebenenfalls auch militärisch Verantwortung zu übernehmen.

Dennoch bleibt Friedemann Müller skeptisch. Der Ansatz sei zwar richtig, aber er sieht besonders in den Wirtschaftministerien der einzelnen Länder die Hauptbremser für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. "Die EU-Kommission will das Richtige, aber die nationalen Regierungen streiten ihr die Kompetenz dafür ab", ärgert er sich. "In den Hauptstädten Europas wird keine strategische Versorgungssicherheits-Politik betrieben, schon gar keine, die Westafrika in besonderer Weise beachten würde."

Potentieller Krisenherd

Nigeria und Angola, die beiden größten Produzenten und Exporteure fossiler Brennstoffe, sind nach wie vor heiße Krisenkandidaten. Es bedarf somit einer wohl geplanten und politisch, wirtschaftlich und auch ökologisch abgestimmten Konzeption, dieses zu verhindern. Gefordert sind besonders die EU, die USA und die internationalen Finanzorganisationen, um Demokratisierungsschritte in den Anrainerstaaten zu forcieren.

Matthias Basedau vom Institut für Afrikakunde ist trotz aller Probleme, die mit dem Erdölreichtum in Entwicklungsländern zusammenhängen, vorsichtig optimistisch. "In den meisten Ländern am Golf von Guinea gibt es bereits Spannungen zwischen religiösen oder ethnischen Bevölkerungsgruppen", begründet er den pessimistischen Teil seiner Prognose. Doch es gibt auch Raum für Optimismus. "Der größte Grund für den Optimismus liegt darin, dass wir aus den vergangenen negativen Entwicklungen lernen können", hofft Basedau.

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