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Wirtschaft

Öl macht "sexy"

Die Krise im Irak lässt Afrika attraktiver werden - zumindest in den Augen der USA. Inzwischen machen sie sich ernsthaft Gedanken, wie sie die Abhängigkeit von den Öllieferungen aus dem Nahen Osten reduzieren können.

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Nigeria: Trotz Reichtum arm

Bis zum Jahr 2015, so hieß es vergangene Woche auf einer Öl-Konferenz in Kapstadt (Südafrika), wollen die Vereinigten Staaten ihre Ölimporte aus Afrika von heute etwa 15 Prozent des Gesamtvolumens auf 25 Prozent steigern."Der allgemeine Trend für die kommenden 25 Jahre ist sehr positiv", meinte Konferenzpräsident Duncan Clarke. Der US-Konzern Chevron Texaco will allein in den nächsten fünf Jahren seine Investitionen in Afrika von fünf auf 20 Milliarden Dollar steigern. Shell will seine Öl- und Gasproduktion in Afrika im gleichen Zeitraum verdoppeln, ExxonMobil sieht ebenfalls gute Investitionsmöglichkeiten auf dem Kontinent.

Politischer Flirt

Vor allem die Länder um den Golf von Guinea mit seinen riesigen Unterwasser-Lagerstätten erfreuen sich zur Zeit großer Beliebtheit. US-Außenminister Colin Powell machte nach seinem Auftritt beim UN-Weltgipfel in Johannesburg nicht von ungefähr einen Zwischenstopp im ehemaligen Bürgerkriegsland Angola. Das Land, das nach 27 Jahren Krieg nun auf Friedenskurs ist, gilt nach Nigeria als größter Ölproduzent südlich der Sahara. Das Ausmaß der noch unerschlossenen Lagerstätten lässt es nur zur Frage der Zeit werden, wann Angola Nummer eins in Schwarzafrika wird.

Der OPEC ein Schnippchen schlagen

Allein im vergangenen Jahr wurden Vorräte von insgesamt sieben Milliarden Barrel Rohöl - ein Barrel sind 159 Liter - vor der Küste von West- und Zentralafrika entdeckt. Das Öl gilt als hochwertig und leicht zu raffinieren und ist von den im offenen Meer gelegenen Öl-Förderplattformen aus auch relativ leicht auf Tanker zu verladen. Und der Seeweg in die USA ist vergleichsweise kurz. Ein weiterer Pluspunkt aus Sicht der US-Strategen: Angola ist ebenso wenig wie Gabun, Kamerun, Äquatorial-Guinea oder der Kongo Mitglied des OPEC-Ölkartells und seines Quotensystems.

Afrika befinde sich in einer sehr guten Ausgangsposition, um von dem erwarteten globalen Nachfrageanstieg von jährlich zwei bis drei Prozent in den kommenden zehn Jahren zu profitieren, meinte Exxon Mobil-Manager Ken Evans in Kapstadt. Zwar warnte Shell-Vize-Präsident Ebbie Haan vor den Unsicherheiten des Investmentklimas in vielen afrikanischen Staaten. Doch andere Redner machten auf der Konferenz klar deutlich, dass dem hohen Risiko auch hohe Renditen gegenüber stünden.

USA auf Kuschelkurs

Die USA beginnen der weil mehr oder weniger öffentlich, ihren neuen strategischen Hinterhof abzusichern. Mit Interesse verfolgen Beobachter den Besuch des Afrika-Beauftragten von US-Präsident George W. Bush, Walter Kansteiner, in Gabun und im Inselreich Sao Tomé und Príncipe. Der strategisch günstig im Golf von Guinea gelegene Ministaat mit seinen 140.000 Einwohnern wurde nach offiziell unbestätigten Berichten für den Bau eines Marine-Stützpunkts ausgeguckt. Und Bush, der kommendes Jahr selbst auf Afrika-Tour gehen wird, sorgt bereits für gute Stimmung. Für eine geplante Bildungsinitiative in Afrika stellte er 200 Millionen Dollar, für den Kampf gegen Aids 500 Millionen Dollar in Aussicht. (ap/arn)