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Wirtschaft

Öl ist endlich

Bald ist Schluss mit Öl. Nur ein Klimaabkommen und alternative Energien können den Rückschritt zur Kohle und künftige Krisen vermeiden, meint Jürgen Wiemann, ehemaliger stellvertretender Direktor des DIE.

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Dr. Jürgen Wiemann (Foto: DIE)

Dr. Jürgen Wiemann

Am Ende der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika taucht ein Ereignis wieder in den Weltnachrichten auf, dessen historische Tragweite die aller anderen Tagesereignisse der vergangenen Wochen zusammen übertreffen dürfte: Das Ölleck im Golf von Mexiko hat eine unbequeme Wahrheit ins Gedächtnis zurückgerufen - die Ölreserven der Welt sind endlich und werden eines Tages zur Neige gehen. In Deutschland hat seit der Explosion der BP-Ölplattform kein Politiker der ersten Reihe den Tabu-Begriff Peak Oil (d.h. das globale Fördermaximum ist überschritten und danach wird die Förderung zunehmend aufwendiger, damit teurer und die Umwelt noch stärker belasten) in den Mund genommen - es ist ja nicht unser Öl, das da in den Golf gesprudelt ist!

Die schöne Illusion, wir in Europa hätten mit dem Golf-Desaster nichts zu tun, könnte sich bald als Irrtum herausstellen. Den Weltölmarkt kann man sich wie ein großes Fass Öl vorstellen, in das alle Förderquellen hineinpumpen und aus dem alle Verbraucher(-länder) ihren Bedarf abzapfen. Wenn nun die Ölförderung der USA wegen der allzu berechtigten Bedenken gegen immer tiefere Ölbohrungen im Meer nicht weiter zunehmen, sondern abnehmen wird, weil die vorhandenen Quellen ihr Fördermaximum überschritten haben, dann wird der Effekt auch in Deutschland an den Zapfsäulen der Tankstellen ablesbar sein.

Mitte des Jahrhunderts Schluss?

Nachdem Peak Oil lange Zeit nur von einer kleinen Gruppe internationaler Geologen und ehemaliger Mitarbeiter der großen Ölgesellschaften diskutiert wurde, bestätigen inzwischen auch einschlägige Organisationen wie die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris oder die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover, dass Peak Oil wahrscheinlich vor Mitte des Jahrhunderts eintreten wird. In jüngster Zeit (bereits vor der Ölkatastrophe im Golf) wird sogar ein noch früherer Zeitpunkt für möglich gehalten. 2008 hat sich der Chefökonom der IEA in einem Zeitungsinterview gewarnt, schon vor 2020 sei mit einem Zurückbleiben der weltweiten Förderung hinter dem globalen Verbrauchsanstieg zu rechnen.

Auch die globale Finanzkrise deutet auf das Nahen von Peak Oil hin. Während die Ökonomen noch zu verstehen versuchen, warum das aus ihrer Sicht völlig rational funktionierende Weltfinanzsystem an den Rand des Kollapses geraten konnte, und dabei einige axiomatische Grundlagen ihrer Disziplin in Frage stellen, gehen nur wenige so weit, den drastischen Ölpreisanstieg im Jahr zuvor dafür verantwortlich zu machen. Das eigentlich Naheliegende fällt der akademischen Volkswirtschaftslehre so schwer, weil sie die bio-physikalischen Grundlagen des Wirtschaftsprozesses, also den Stoffwechsel moderner Gesellschaften, aus ihren Modellen ausblendet. Dabei liegt der Zusammenhang auf der Hand. Schließlich war in den Jahren zuvor der Ölpreis bis auf 150 US-Dollar pro Barrel geklettert und hatte mit den steigenden Kraftstoffpreisen auch die Nahrungsmittelpreise in die Höhe getrieben. Je teurer die Autofahrt zur Arbeit wurde, umso schneller gerieten die mit riskanten Hypothekenfinanzierungen zum Erwerb von suburbanen Häusern verleiteten unteren Mittelschichten in den USA in Zahlungsverzug, und die Hypothekenkrise nahm ihren Lauf. Einmal mehr erwies sich der Ölpreis als Schlüsselgröße für die auf fossiler Energie basierende industrielle Zivilisation.

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