1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Öl, Euro, Gold und Aktien eilen von einem Rekord zum nächsten

Anleger und Hedgefonds scheinen ein neues Betätigungsfeld gefunden zu haben: Weg von Immobilienfinanzierungen, hin zu Aktien und Rohstoffen wie Öl oder Gold.

Gestapelte Goldbarren der Deutschen Bundesbank, Quelle: dpa/Deutsche Bundesbank

Gold - die klassische Fluchtwährung

Der Ölpreis hat seinen Höhenflug zu Beginn der neuen Woche fortgesetzt: Ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte Light Sweet Crude kostete im asiatischen Handel zeitweise 93,20 Dollar und hat somit erstmals die Schwelle von 93 Dollar übersprungen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent erreichte am Montagmorgen (29.10.) ein neues Rekordhoch von 89,90 Dollar, während der Preis für OPEC-Rohöl schon am Freitag um über zwei Dollar auf 84,80 Dollar gestiegen war.

Die Börse in Frankfurt am Main nach der Immobilienkrise in den USA, Foto: AP

Die Börsen haben sich von der US-Immobilienkrise erholt

OPEC-Analysten machen die unsichere Lage im nordirakischen Grenzgebiet, die neuen US-Sanktionen gegen den Iran sowie mögliche Versorgungsengpässe in den nächsten Monaten für die Preisexplosion verantwortlich. Einen wesentlichen Anteil habe jedoch auch die internationale Spekulation, heißt es aus dem OPEC-Sekretariat in Wien.

Auch der Euro im Aufwärtstrend

Auch der Euro stieg am Montag auf ein neues Allzeithoch: In Frankfurt notierte er am Morgen zeitweise bei 1,44 37 Dollar und überschritt damit erstmals die Schwelle von 1,44 Dollar. Als Grund nennen Devisenhändler weniger die Eurostärke, als vielmehr die Dollarschwäche als Folge der amerikanischen Hypothekenkrise. Zahlreiche US-Banken hatten in den vergangenen Tagen katastrophale Zahlen für das dritte Quartal hingelegt. Am Sonntag berichteten mehrere Zeitungen, dass sich die Investmentbank Merrill Lynch von ihrem Chef Stanley O’Neal trennen will. Er wäre damit der erste Chef einer Wall Street-Bank, der über die amerikanische Hypothekenkrise stolpert. Merrill Lynch hatte nicht nur einen Verlust von über zwei Milliarden Dollar im dritten Quartal verkündet, sondern auch Sonderabschreibungen von insgesamt 8,4 Milliarden Dollar.

Immobilienverkaufsschilder im US-Bundesstaat Vermont, Foto: AP

In Immobilien will keiner mehr investieren

Am Mittwoch (31.10.) wird die amerikanische Notenbank über die Leitzinsen entscheiden. An den Börsen geht man davon aus, dass sie die Zinsen noch einmal senken wird - von 4,75 auf 4,5 Prozent, um so eine Rezession zu verhindern und den Banken eine erneute Liquiditätsspritze zu geben. Diese Spekulationen haben ebenfalls zum Verfall des Dollarkurses beigetragen.

Warten auf den Zinsentscheid

Eine Zinssenkung in den USA wäre für Europa schwierig. Sie wird vermutlich den Euro noch weiter in die Höhe treiben. Angesichts der Inflationsrate in Europa - sie liegt deutlich über den von der Europäischen Zentralbank als hinnehmbar bezeichneten zwei Prozent - hat die EZB die Märkte bereits darauf vorbereitet, dass sie mit einer Leitzinserhöhung liebäugelt. Das hieße aber: Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa, die bislang massive Mittelabflüsse aus den USA verhindert hat, würde eingeebnet, noch mehr Dollars nach Europa locken und den Euro weiter in die Höhe treiben.

Stanley O'Neal, Chef von Merrill Lynch & Co. Inc., Foto: David Karp/Bloomberg/Landov

Das erste Opfer der US-Hypothekenkrise?

Je höher der Euro aber, desto schwieriger wird es, europäische Produkte außerhalb Europas zu verkaufen. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA beobachtet bereits, dass die Devisenkurse die Gewinnmargen schrumpfen lässt und immer häufiger Aufträge verloren gehen. Nur weil die Auftragsbücher gut gefüllt und die Betriebe gut ausgelastet seien, habe der Dollarkurs den Boom in der Branche bislang nicht abwürgen können, heißt es dort.

Alternative Gold

Was tun, wenn die Anleger dem schwachen Dollar misstrauen und das teure Öl die Inflation anheizt? Sie investieren verstärkt in Gold - die klassische Fluchtwährung, wenn das Geld immer weniger wert wird: Am Montag wurde die Feinunze Gold bei rund 792 Dollar notiert. Damit ist Gold so teuer wie seit 28 Jahren nicht mehr und auf dem Weg zur Marke von 800 Dollar. Im Nahen Osten nahm die Goldnachfrage schon im zweiten Quartal um 20 Prozent zu. Kein Wunder: Wer auf Milliarden von Petrodollars sitzt und in den USA die nächste Leitzinssenkung befürchten muss, der kauft Gold oder Euro.

Den Börsen diesseits und jenseits des Atlantiks haben die jüngsten Entwicklungen bislang nichts anhaben können. In den USA stützt gegenwärtig die Aussicht auf eine Leitzinssenkung die Kurse, und nach Europa strömen viele Dollars, die auch in den vergleichsweise niedrig bewerteten deutschen Aktien angelegt werden. So kommt es, dass der Deutsche Aktienindex am Montagmorgen mit einem Plus von 0,7 Prozent in den Handel ging und zeitweilig wieder über 8.000 Punkten lag.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema