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Wirtschaft

Öl doppelt so teuer wie vor einem Jahr

Der Ölpreis hat sich binnen eines Jahres verdoppelt. Die US-Notenbank senkt deshalb ihre Wachstumsprognose, eine Fluggesellschaft streicht bereits Flüge und Jobs, in Deutschland ist Diesel jetzt so teuer wie Superbenzin.

Börse (Quelle: AP)

Öl-Futures haben an der New Yorker Börse sogar schon an der Marke von 140 Dollar gekratzt

Der Ölpreis hat die Marke von 135 Dollar übersprungen. Öl ist damit doppelt so teuer wie vor einem Jahr. An der New Yorker Rohstoffbörse kostete US-Leichtöl am Mittwochabend (22.05.2008) im nachbörslichen Handel bis zu 135,04 Dollar pro Barrel (159 Liter). Das entspricht einem Anstieg von mehr als sechs Dollar an einem einzigen Tag. Auf den gleichen Preis stieg Öl am Donnerstag auch im asiatischen Handel.

Fluggesellschaft in der Krise

Anzeigetafel (Quelle: AP)

Flüge von American Airlines sollen wegen der hohen Spritkosten gestrichen werden

Die Fluggesellschaft American Airlines kündigte an, Flüge und Stellen zu streichen. Der Rest der Branche solle ähnliche Schritte ergreifen, riet das Unternehmen: "Die Luftfahrtindustrie, so wie sie heute da steht, kann keinen Ölpreis von 125 Dollar pro Barrel aushalten", sagte Firmenchef Gerard Arpey.

In den USA korrigierte die Notenbank wegen der steigenden Energiepreise ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft nach unten. Der Geldmarktausschuss der Bank rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,3 bis 1,2 Prozent statt 1,3 bis 2,0 Prozent.

Folgen für Deutschland

Demonstranten (Quelle: DPA)

Hohe Benzinpreise führten Anfang Mai auf den Philippinen zu protestenen von Verbrauchern

Die Folgen sind auch in Deutschland zu spüren: Zuletzt stieg der Preis für Diesel auf 1,52 Euro je Liter im Bundesschnitt. Damit ist Diesel erstmals so teuer wie Superbenzin. Beobachter gehen außerdem davon aus, dass der Dax wieder auf das Niveau von 7000 Punkten zurückfällt. Denn teureres Öl bedeutet für die Unternehmen höhere Kosten für Produktion und Transport. Dabei bekommen die Euro-Länder den Preisanstieg aufgrund des schwachen Dollars nicht ganz so heftig zu spüren wie die USA. Denn Öl wird meistens in der US-Währung gehandelt.

Steigende Nachfrage, schrumpfende Vorräte

Ölarbeiter (Quelle: DPA)

Ob sich die Ölproduktion ausweiten lässt, ist umstritten

Der Ölpreis war schon in den vergangenen Wochen kontinuierlich gestiegen. Zuletzt hatten Nachrichten über einen Rückgang der Ölreserven in den USA den Preis ansteigen lassen. Nach Angaben des US-Energieministeriums sind die Vorräte an Rohöl um 5,4 Millionen Barrel auf 320,4 Millionen Barrel gesunken. Dadurch habe sich die Sorge vor Versorgungsengpässen verstärkt, sagte der Rohstoffexperte Victor Shum vom Beratungshaus Purvin und Gertz in Singapur.

Als Grund für den Preisanstieg gilt unter anderem die gestiegene Nachfrage. Länder wie China und Indien verbrauchen mehr Öl als früher. Auch Produktionsprobleme in Förderländern wie Nigeria werden als Ursache genannt. Manche Investoren sehen Öl aber auch verstärkt als Anlageform. Sie investieren in Öl, um sich gegen den fallenden Dollarkurs zu schützen. "Der Dollar wird gegen die Rohstoffe gehandelt, und bei dem Preisanstieg beim Öl ist kaum mit steigenden Dollarkursen zu rechnen", sagte ein Händler in Frankfurt.

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet einem Zeitungsbericht zufolge damit, dass die Ölproduktion in den nächsten Jahren weniger stark als bisher erwartet ansteigen wird. Bislang hatte die IEA damit gerechnet, dass die Ölproduktion bis 2030 auf 116 Millionen Barrel pro Tag steigen werde. Heute werden 87 Millionen Barrel pro Tag produziert. Nun wolle die Agentur ihre Prognose korrigieren. Erwartet würden jetzt nur noch 100 Millionen Barrel am Tag, weil zu wenig in die Ölförderung investiert werde. Die geänderte Prognose werde aber erst im November veröffentlicht, berichtete das "Wall Street Journal" am Donnerstag.

Nach dem Ölzeitalter

Mann betant ein Auto (Quelle: DPA)

Was tun, wenn das Öl alle ist? Grüne fordern den Ausstieg aus dem Öl

Nach Ansicht der Energy Watch Group könnte die weltweite Ölförderung bis 2030 dagegen sogar um die Hälfte zurückgehen. Und eine Expertengruppe der Ludwig-Bölkow-Stiftung warnt, die Ölförderung habe ihr Maximum bereits überschritten. "Dies ist die Hauptursache des steigenden Ölpreises", sagte Experte Werner Zittel.

Die Grünen fordern einen internationalen Krisengipfel. "Das Problem lässt sich nur international lösen", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn der "Bild"-Zeitung. "Wir brauchen einen Gipfel, um gemeinsam die Nachfrage zu senken und die Spekulation in den Griff zu bekommen." Höhn schätzt, dass rund ein Drittel des Ölpreises auf Spekulanten zurückgehe, die die Nachfrage künstlich nach oben trieben. Nötig sei, unabhängiger von fossilen Rohstoffen zu werden. "Die Welt muss durch sparsamere Technik und erneuerbare Energien endlich von der Droge Öl loskommen." (det)

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