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Politik

Öl als Zukunftschance für Afrika

Seit dem Irak-Krieg, den Anschlägen in Saudi-Arabien und dem dauerhaft hohen Ölpreis steht bei westlichen Politikern ein Thema oben auf der Agenda: Mehr Unabhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten. Eine Chance für Afrika?

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Wichtigster Ölstaat in Afrika: Nigeria

Die Politik der US-Regierung ist eindeutig: Die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Öl aus dem Nahen Osten soll verringert werden. Neben bislang aus Umweltschutzgründen zäh verlaufenden Anstrengungen, die eigenen Ölvorkommen stärker zu nutzen, strebt die amerikanische Regierung auch eine Verlagerung der Importe aus dem Ausland an. Statt aus dem wichtigsten Ölstaat Saudi-Arabien und anderen Ölländern im Nahen Osten soll der Treibstoff für die Wirtschaft künftig nicht mehr hauptsächlich nur aus einer Region kommen. Bei dieser Umschichtung soll Afrika eine wichtige Rolle spielen.

Während die USA derzeit rund 17 Prozent ihres Öls aus Afrika beziehen, will die Washington in zehn Jahren bereits rund ein Viertel des Bedarfs in Afrika decken. Einen ähnlichen Trend gibt es in Europa. Auch hier soll die Abhängigkeit von Öl aus der Region verringert werden; zudem setzen die Europäer aber auch auf Energiesparmaßnahmen.

Den afrikanischen Ländern mit Ölvorkommen, die sich derzeit Algier treffen, steht aufgrund dieses Booms ein Geldsegen ins Haus. Nach eine Prognose der amerikanischen Nichtregierungsorganisation CRS (Catholic Relief Service) werden sie innerhalb der nächsten zehn Jahre Öleinnahmen in Höhe von rund 200 Milliarden Dollar erhalten. Mit dem Geld könnte man bei der Armuts- und Krankheitsbekämpfung sowie beim Infrastrukturaufbau großen Fortschritte erzielen.

Öl in Angola Öltanker

Ölplattformen vor Angolas Küste

Die Realität sieht bislang allerdings anders aus. Häufig verschwinden die Einnahmen aus dem Ölgeschäft ohne das die Bevölkerung des Landes davon profitiert. Beispiel Angola: "Nach Berichten von NGO's ist der Verbleib von 30 bis 40 Prozent der jährlichen Öleinnahmen nicht belegt", sagt Lutz Neumann, Öl-Experte beim Afrika-Verein und ergänzt: "Als BP in Angola im Jahr 2001/02 einen "signature bonus" (Prämie für Vertragsabschluss) für die Regierung im dreistelligen Millionenbereich veröffentlicht hat, wurde das von offizieller Seite gar nicht gerne gesehen und BP bekam Probleme."

Dennoch greift nach Auffassung von Neumann das häufig gebrauchte Schlagwort vom "Ressourcenfluch für Afrika" zu kurz. "Norwegen und die USA haben ja auch große Einnahmen durch die Ölvorkommen, aber sie setzen das Geld sinnvoll ein. Warum sollte das in Afrika nicht möglich sein?" Die Ölvorkommen stellten eine historische Entwicklungschance für Afrika dar; der Umgang damit sei Sache der Regierung. "Die Ölvorkommen sind für jedes Land, dass über sie verfügt, wie ein Lottogewinn. Und wenn ein Trinker im Lotto gewinnt, dann verjubelt er seinen Gewinn in kurzer Zeit, während ein solider Familienvater, dass Geld langfristig für seine Familie anlegen würde", sagt Neumann.

Ein afrikanisches Vorzeigeland im Umgang mit den Öleinnahmen gibt es noch nicht, konstatiert Neumann. "Aber Botswana zeigt am Beispiel Diamanten, wie man mit der Abhängigkeit von nur einer Ressource, sinnvoll umgeht." Außerdem mache ausgerechnet das als Negativbeispiel für den Umgang mit den Geldern aus der Ölförderung geltende Nigeria Fortschritte. "Es gibt gerade in Nigeria durchaus positive Ansätze, die über Versprechungen und Ankündigungen hinausgehen. Die Korruptionsbekämpfung macht große Fortschritte auch weil Präsident Obasanjo seit Beginn seiner zweiten Amtszeit viele internationale Wirtschaftsexperten, darunter die ehemalige Vize-Präsidentin der Weltbank als Finanzministerin, in seine Regierung geholt hat."

Öl in Angola Öltanker

Spanischer Öltanker vor Angola

Sollten die Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung und der Erhöhung der Transparenz greifen, dann könnte auch die Bevölkerungen der afrikanischen Ölstaaten vom Boom profitieren. "Wenn es dort mehr Sicherheit und politische Stabilität geben würde, wäre das ein wichtiges Signal für die internationalen Unternehmen", betont Reiner Wiek vom Energie Informationsdienst. "Man kann ja am Beispiel Libyen sehen, wie schnell sich innerhalb weniger Jahre die Situation wandeln kann."

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