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Wirtschaft

Ökonomen sehen Brasilien als Weltmeister

Die italienische Großbank UniCredit und US-Konkurrent Goldman Sachs haben mit komplizierten Formeln den nächsten Fußball-Weltmeister ermittelt - beide tippen dasselbe Team.

Für Jogi Löw und seine Truppe um Kapitän Philipp Lahm wird es auch dieses Mal nichts werden mit dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft. Das sagt zumindest die italienische Großbank UniCredit voraus. Und deren Ökonomen liegen mit ihren Prognosen oft richtig: 2010 prophezeiten sie Spanien den Titelgewinn in Südafrika und trauten Deutschland den Vormarsch ins Halbfinale zu – beides bewahrheitete sich dann.

Die UniCredit-Ökonomen haben nun in einer neuen Modellrechnung durchgespielt, wer in Brasilien den begehrten Pokal nach dem Finale am 13. Juli in Empfang nehmen kann. "Der Gastgeber wird sich durchsetzen, und zwar gegen Argentinien", sagt Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees. Für Löw bleibt demnach nur der vierte Platz.

Die Konkurrenz von Goldman Sachs kommt zum selben Ergebnis: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 48,5 Prozent wird sich demnach der Gastgeber im Endspiel gegen den Nachbarn und Erzrivalen durchsetzen - mit 3:1. Deutschlands Chancen auf den WM-Titel liegen demnach nur bei 11,4 Prozent.

Big Data auch im Fußball

Goldman-Chefvolkswirt Jan Hatzius hat mit seinen Kollegen etwa 14.000 internationale Spiele ab 1960 analysiert. Die Vorhersage von UniCredit beruht auf einer kompliziert anmutenden Formel, mit der Rees die fußballerische Stärke einer Nationalmannschaft mit Hilfe etlicher Variablen bestimmt. 2010 hatte sich die Prognose noch auf den Marktwert der Teams gestützt. Dieses Mal fließen die Ergebnisse der vorangegangenen WM-Endrunde ebenso ein wie das Abschneiden in der Qualifikation.

Dazu kommen die Platzierungen der jeweiligen U17- und U20-Nationalmannschaften der vergangenen acht Jahre. Ergänzt wird das Ganze noch mit Details wie dem Heimvorteil für Brasilien. Auch andere südamerikanische Länder dürften davon profitieren, dass die WM auf ihrem Kontinent stattfindet. Dort hat noch nie eine europäische Mannschaft die Nase vorn gehabt, während die Südamerikaner zuhause immer stark auftrumpften.

Ursprünglich wurde die Formel auch mit Wirtschaftsdaten angereichert. Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner etwa wurde ebenso berücksichtigt wie die Zahl der männlichen Erwerbstätigen zwischen 20 und 29 Jahren. "Wir haben versucht, volkswirtschaftliche Größen einzubauen", so Rees. "Sie haben sich aber als nicht signifikant in der Modellschätzung erwiesen." Deshalb wurden sie dann doch nicht berücksichtigt.

Viele Unwägbarkeiten

"Das Ergebnis hängt dann natürlich auch noch vom Spielplan ab", ergänzt Rees. So gelten die Gruppen B mit Spanien, Chile und den Niederlanden sowie D mit Uruguay, England und Italien als sogenannte Todesgruppen, da mindestens jeweils eines dieser starken Teams schon in der Vorrunde die Segel streichen muss. "Umgekehrt können einige schwächere Teams mit Losglück in die Runde der letzten 16 oder sogar noch weiter kommen." Das alles hat der Ökonom in seiner Modellrechnung berücksichtigt.

Und die kommt beispielsweise zu dem Ergebnis, dass die deutsche Mannschaft die Vorrunde als Gruppenerster beendet und gemeinsam mit Ghana eine Runde weiterkommt. Weltfußballer Cristiano Ronaldo (Portugal) hingegen darf ebenso wie US-Trainer Jürgen Klinsmann und sein Team vorzeitig die Heimreise antreten.

Im Achtelfinale bezwingt Deutschland dann Russland, im Viertelfinale wird Frankreich mit Franck Ribery hinausgeworfen. Im Halbfinale aber soll dann Schluss sein: Gegen den Gastgeber Brasilien mit Superstar Neymar fliegt Deutschland raus. Auch das "kleine Finale" um Platz drei verlieren Lahm, Schweinsteiger und Co. - und zwar gegen Uruguay.

Eine kleine Hoffnung aber bleibt für all jene, die den vierten Weltmeistertitel für Deutschland herbeisehnen. "Es gibt so viele Unwägbarkeiten, dass sich ein Turnierverlauf natürlich nie exakt vorhersagen lässt", sagt Rees.