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Frankreich hat gewählt

Ökonomen mahnen nach Macron-Sieg

Atempause für Frankreich und die EU: Der Sieg von Emmanuel Macron bei den französischen Präsidentenwahlen hat aus Sicht von Experten die Gefahr einer tiefen politischen und ökonomischen Krise zunächst abgewendet.

Wenn es Macron gelinge das Land zu reformieren, werde ganz Europa davon profitieren, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest der Ökonom. "Für Deutschland wird Macron ein herausfordernder, aber konstruktiver Partner sein." Der 39-jährigen Ex-Wirtschaftsministers hatte vorgeschlagen, die Eurozone solle einen eigenen Haushalt, ein Parlament und einen Finanzminister bekommen. "Es ist wichtig, dass Deutschland eigene Konzepte zur Weiterentwicklung der Eurozone entwickelt, um für die anstehenden Gespräche vorbereitet zu sein", forderte Fuest.

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Marcel Fratzscher begrüßte die Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Staatspräsidenten als einen guten Tag für Frankreich, Deutschland und Europa. "Frankreich hat nun einen Präsidenten, der die besten Voraussetzungen mitbringt, um die Wirtschaft Frankreichs zu erneuern und Europa zu reformieren", sagte Fratzscher.

"Vorausgesetzt, Macron kann in der bevorstehenden Abgeordnetenwahl eine solide Mehrheit hinter sich versammeln, hat die Bundesregierung nun endlich wieder einen starken Partner." Zugleich forderte der Ökonom: "Die Bundesregierung muss sich offener gegenüber gerechtfertigter Kritik aus Europa und Frankreich zeigen." Macron hat unter anderem den Handelsüberschuss Deutschlands und die restriktive Finanzpolitik kritisiert.

Warnschuss für Deutschland und die EU

"Wir gratulieren Emmanuel Macron zu diesem so wichtigen Sieg, nicht nur für Frankreich sondern für die gesamte EU und damit nicht zuletzt für Deutschland", erklärte Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). "Die Franzosen haben sich für ein weltoffenes, zukunftsweisendes Frankreich und die Sicherheit der EU entschieden. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem neuen französischen Staatspräsidenten und haben große Hoffnung, dass er die für Frankreich so nötigen Reformen nun angeht."

Aber auch Deutschland und die EU müssten diesen "mehr als deutlichen Warnschuss, dass es die Europagegner bis in die Stichwahl geschafft haben, zur Kenntnis nehmen und Taten folgen lassen", so der BGA-Präsident. Auch die deutsch-französische Partnerschaft müsse wieder mit mehr Leben gefüllt werden. Börner regte in diesem Zusammenhang gemeinsame Infrastrukturprojekte der beiden größten europäischen Volkswirtschaften an.

Keine übertriebenen Hoffnungen

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnte nach der Präsidenten-Wahl in Frankreich vor übertriebenen Hoffnungen. Zwar sei eine existenzgefährdende Krise für die Währungsunion abgewendet. "Aber nach der Wahl ist vor der Wahl", sagte Krämer am Montag. Bei den Parlamentswahlen im Juni dürfte Macron schwerlich eine absolute Mehrheit erringen, "was zusammen mit seinem zögerlichen Programm gegen eine beherzte Reformpolitik in Frankreich spricht."

Zudem stünden spätestens im Mai 2018 Parlamentswahlen in Italien an, wo das Lager der Links- und Rechtspopulisten ähnlich stark sei wie in Frankreich. "Der Euroraum kommt nicht zur Ruhe, die EZB dürfte nicht bereits in diesem oder im nächsten Jahr ihre Leitzinsen erhöhen."

"Geduld der Bürger nicht grenzenlos"

Stefan Bielmeier von der DZ-Bank äußerte sich ähnlich: "Gelingt Europa nicht eine wirtschaftliche Erholung, von der ein Großteil der Gesellschaft profitiert, könnten die kommenden Wahlen schon einen anderen Ausgang nehmen.", warnte der Chefvolkswirt. "Sowohl die gemäßigten politischen Kräfte in Frankreich als auch die europäische Idee haben zwar eine weitere Chance erhalten". Das Vertrauen und die Geduld der Bürger seien aber offensichtlich nicht grenzenlos. "Die politischen Risiken sind nur aufgeschoben, nicht aufgehoben."

ul/hb (dpa)