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Wissen & Umwelt

Ökokraft wird konkurrenzfähig

Erneuerbare Energien boomen weltweit. Beschleunigt wird der Trend durch sinkende Kosten. Eine neue Studie zeigt, dass Strom aus Wind und Sonne gegenüber fossiler Energie in Deutschland mittlerweile konkurrenzfähig wäre.

Die Stromerzeugung mit Wind- und Sonnenkraft ist im Vergleich zu der aus Kohle, Gas und Öl nicht mehr teurer sondern oft sogar günstigster. In der Konsequenz werden weltweitmehr und mehr Ökokraftwerke gebaut. Das hilft dem Klima. Denn derzeit verursachen die fossilen Stromkraftwerke noch über ein Viertel der globalen CO2-Emmissionen.

In einer aktuellen

Studie

untersuchte das Berliner Institut für Wirtschaftsberatung Prognos die zukünftigen Kosten für Strom aus neuen Kraftwerken in Deutschland. "Strom aus erneuerbarer Technik kostet jetzt ähnlich viel wie aus konventioneller Technik", erklärt Frank Peter von Prognos im DW-Interview. Peter ist Energiemarktexperte und erstellt Gutachten für europäische Stromkonzerne, Stadtwerke, Behörden und Industrie.

Prognos verglich die durchschnittlichen Kosten der Stromerzeugung mit verschiedenen Kraftwerkstechniken in Deutschland und wählte in der Studie den Betrachtungszeitraum von 40 Jahren, ein Zeitraum der bei den Planungen in der Energiewirtschaft üblich ist. Demnach wird Windstrom im windreichen Norden mit 5,9 Cent pro Kilowattstunde (kWh) langfristig wahrscheinlich die günstigste Energie sein, der fossile Kohlestrom soll dann 8,2 Cent kWh kosten, also über 30 Prozent mehr.

Im sonnenreichen und windarmen Süden Deutschlands wird nach Berechnungen von Prognos allerdings der Sonnenstrom die günstigste Energiequelle sein. "Strom aus großen Solarparks kostet dort in der langfristigen Betrachtung rund 7,5 Cent/kWh, Windstrom dagegen im Schnitt neun Cent/kWh", meint Peters. Lediglich im der Mitte von Deutschland wird laut Prognos weiterhin die fossile Energie günstiger sein als Wind oder Sonne.

Erneuerbarer Strom dezentral günstiger

Solarpark Templin in Ostdeutschland mit 128 Megawatt. (Foto: BELECTRIC.com).

Solarkarftwerk Templin in Ostdeutschland. Es gehört zu den größten in der Welt und hat 128 Megawatt.

Prognos untersuchte auch die Kosten für Strom aus großen Solarkraftwerken im sonnenreichen Südeuropa und Nordafrika sowie die Kosten für den Transport über mehrere tausend Kilometer nach Zentraleuropa. Eine Idee, die die Initiative DESERTEC in der Vergangenheit verfolgte. In Südeuropa "liegen die Kosten für Solarstrom im langfristigen Mittel zwischen fünf und sechs Cent/ kWh", erklärt Peter. Doch "der Transport dieses Stroms nach Deutschland würde mindestens noch mal 2,5 Cent bis drei Cent/kWh kosten". Für Peter macht deshalb ein Stromtransport über lange Strecken aus ökonomischer Sicht keinen Sinn.

Verbraucherschützer Holger Krawinkel sieht das ähnlich, plädiert für eine möglichst kostengünstige Erzeugung und setzt aus diesem Grund auf die dezentrale Erzeugung vor Ort: "Die sinkenden Kosten für erneuerbar erzeugten Strom sprechen für eine verbrauchsnahe Stromerzeugung durch Wind und Sonne."

Umbruch in europäischer Energiewirtschaft

Durch den Boom der erneuerbaren Energien verändert sich die europäische Energiewirtschaft derzeit radikal. Planungen zum Bau neuer Gas- oder Kohlekraftwerke würden zurückgezogen, beobachtet Peter: "Mir ist nicht bekannt, dass in Zentraleuropa noch Kohle- und Gaskraftwerke gebaut werden. Auch in Südeuropa sieht man keine Investition in konventionelle Technik.“

Energiekonzerne mit konventioneller, fossiler Stromerzeugung leiden inzwischen unter der Entwicklung. Der deutschen Energieriese RWE, der mit seinen vielen Kohlekraftwerken zugleich Europas größter CO2-Emmitent ist, will einige Kohle- und Gaskraftwerke vom Netz nehmen, weil diese nicht mehr rentabel sind und plant zugleich einen Stellenabbau. Zudem will RWE einen radikalen Strategieschwenk. "2018 wird sich RWE entscheidend an der Neuausrichtung der Energiewirtschaft in Europa beteiligt haben“, heißt es in einem internen Strategiepapier. Die konventionelle Energieerzeugung soll demnach 2020 nur noch maximal ein Fünftel des Betriebsergebnisses ausmachen, 2012 war es mehr als die Hälfte.

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