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Kultur

Öko tragen, aber nicht öko aussehen

Zwischen den Begriffen Öko und Mode bestand mal ein tiefer Graben: "Ökos" trugen Jesuslatschen und Schlabber-Look. Doch inzwischen sind ethisch korrekte Klamotten längst hip, zum Beispiel vom Label Armedangels.

T-Shirts für Männer: Thomas Dürr alias Hausmeister Thomas D (Foto: Falco Peters Photography)

Sänger Thomas D trägt Bio

Anton Jurina steht in der Tür des Souterrain-Büros in Kölns Szene-Kiez "Belgisches Viertel". Mit seinen braunen Locken, den Sommersprossen und seiner hellblauen Sweatshirt-Jacke sieht er aus wie eine Mischung aus urbanem Naturburschen und lässigem Jung-Unternehmer. Routiniert ergreift der 31-Jährige die Initiative und lädt zum Rundgang durch das Büro von Armedangels.

Robin Hood-Prinzip

Junge Frau präsentiert Sommermode von Armedangels (Foto: Falco Peters Photography)

Sommerkollektion

In den Räumen herrscht eine lockere, fast studentische Atmosphäre. Zwischen Kartons mit Mustern neuer und alter Kollektionen sitzen eine Handvoll Mitarbeiter vor Computermonitoren, einige telefonieren. Mitinhaber Martin Höfeler ist an diesem Morgen leider nicht da, er ist unterwegs. Die Idee ein gemeinsames Mode-Label zu gründen ist bei einem Kongress über soziales Unternehmertum entstanden. "Wir wollen beweisen, dass ein normales Geschäftskonzept mit ethischen Kriterien zu verbinden ist", erklärt Jurina und greift dabei ein paar T-Shirts der Sommerkollektion von der Garderobenstange.

Das Logo, ein Engel mit Pfeil und Bogen, findet sich auf allen Sweatshirt-Jacken und Shirts. Die Armedangels-Erfinder sehen sich als Robin Hoods der Modebranche. Ihr Motto: Gutes tun, um den Armen dieser Welt unter die Arme zu greifen. "Unsere Baumwolle wird bei einem Konglomerat in Indien angebaut, das ein Fairtrade-Gütesiegel hat, dann wird die Baumwolle nach Deutschland geliefert, dort wird das Garn produziert, in Portugal werden dann die Stücke produziert." Die Armedangels-Macher setzen auf 100-Prozent faire und biologische Produktion. "Um etwas zu ändern in den Ländern, wo Textilien produziert werden, kann man durch das Fairtrade-Zertifikat garantieren, dass Preise über Weltmarktniveau bezahlt werden", sagt Jurina. Ihm sei es aber nicht nur wichtig, dass die Baumwolle fair gehandelt sondern auch umweltverträglich produziert werde. "Und ganz zum Schluss spenden wir einen Euro pro verkauftes Stück an eine Hilfsorgsanisation in dem Land, wo wir unsere Baumwolle produzieren lassen."

Netzwerke und prominente Markenbotschafter

Biomode von Armedangels. Das Kölner Label verkauft weltweit ökologisch korrekte Mode. Für alle Fotos gilt die Quellenangabe: Falco Peters Photography

Markenbotschafterin Cosma Shiva Hagen

Das Internet ist der Hauptvertriebsweg für die Armedangels-Mode. So fallen keine zusätzlichen Kosten für Zwischenhändler oder den Betrieb eines eigenen Ladens an. Pro Jahr entstehen zwei Kollektionen, zu den Kunden gehören Endzwanziger, die gerade ihr erstes Geld verdienen und denen ein gutes Gewissen genauso wichtig ist wie gut auszusehen. Und die sich dafür auch engagieren wollen. Jeder Armedangels kann zum Markenbotschafter werden. Das geht einfach: Freunde einladen und zu Hause die Klamotten vorführen und anprobieren. Das Wohnzimmer in einen privaten Armedangels-Pop-up-Shop verwandeln. Auch der Schauspieler Jürgen Vogel und seine berühmte Kollegin Cosma Shiva Hagen tragen Armedangels und machen Werbung für die Kölner.

Die Preise für die T-Shirts und Sweatshirt-Jacken liegen zwischen 30 bis 60 Euro. Moderne Streetwear in coolen Farben und mit großen Aufdrucken, die nicht viel teurer ist als ähnliche Kleidungsstücke der großen Modeketten. Die Entwürfe stammen von Graffiti-Künstlern oder Nachwuchsdesignern. Außerdem vertreibt Armedangels auch noch ökologisch korrekte Jeans, von Freunden produziert.

"Bio" heißt nicht unbedingt fair produziert

Zwei Männer präsentieren T-Shirts des Labels Armedangels (Foto: Falco Peters Photography)

Biomode - auch für Männer

Schick auszusehen und ein gutes Gewissen zu haben ist gar nicht so einfach. Viele Modeketten und Discounter vertreiben mittlerweile fair gehandelte Kleidung. Doch wo "Bio" drauf steht, ist nicht immer "Bio" drin. Nicht wenige nennen ein T-Shirt "organic", lassen es aber in Bangladesh für 10 Cent pro Stunde produzieren. Über solchen Etikettenschwindel ärgert sich Anton Jurina. Der nicht informierte Kunde könne nicht zwischen "Bio" und einer fairen Produktion differenzieren, Information und Aufklärung seien die wichtigsten Punkte für den Start. Trotzdem hofft er, dass Biomode auch auf diese Weise bekannt wird, rauskommt aus der kleinen Nische und viele Käufer findet.

Anton Jurina sieht sich nicht als idealistischen Weltverbesserer. Aber man wünschte, andere Unternehmer würden sich von seinem Engagement eine Scheibe abschneiden - und nicht nur auf die höchste Rendite setzen, sondern auch auf Werterhalt und gesellschaftlichen Nutzen.

Autorin: Sabine Oelze
Redaktion: Petra Lambeck

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