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Global Ideas

Öko-Tourismus als Chance für Namibia

Mit Wüste und unberührter Natur lockt Namibia jedes Jahr Hunderttausende Touristen an. Immer öfter achten sie auch auf Nachhaltigkeit – und fördern so Investitionen in regenerative Energien und Artenschutz.

Wenn morgens die Sonne über der Namib-Wüste aufgeht und die berühmten Sanddünen in ein kräftiges Rot taucht, sind die ersten Touristen schon da. Ein Naturschauspiel, das sich die wenigsten Reisenden entgehen lassen. Keuchend erklimmen sie die über 300 Meter hohen Dünen rund um Sossusvlei, bleiben immer wieder stecken in dem feinen Sand, der bis zu drei Millionen Jahre alt sein soll. Oben angekommen spüren sie die Größe der Wüste: Ein schier unendliches Sandmeer, durchzogen nur von wenigen Straßen.

Es sind Erlebnisse wie diese, die Touristen nach Namibia locken. Vor allem bei Deutschen ist das südwestafrikanische Land beliebt. Sie kommen oft ohne Fremdsprachenkenntnisse gut durch ihren Urlaub: Namibia war bis 1915 deutsche Kolonie, die deutsche Sprache bis heute weit verbreitet. Relative politische Stabilität und ein geringes Malaria-Risiko machen das Land für Afrika-Reisende attraktiv.

Tourismus als grüner Motor für das Wachstum

Bahnstation in der Namibwüste (Quelle: picturealliance/Bildagentur Huber)

Der Tourismus ist ein Wachstumsmotor in Namibia. Ob Wüste...

Einerseits freut das die Namibier, von denen viele ihren Lebensunterhalt mit den Einnahmen aus dem Tourismus bestreiten. Andererseits sind die stetig wachsenden Besucherzahlen schwer in Einklang zu bringen mit dem Umweltschutz, der in Namibia Verfassungsrang hat. Fast eine Million Touristen besuchen das Land jährlich – bei nur zwei Millionen Einwohnern! Urlauber verbrauchen kostbares, stets knappes Wasser und zusätzliche Energie. Dabei ist Namibia sowieso schon abhängig von Stromlieferungen aus dem benachbarten Südafrika. In Spitzenzeiten muss bis zu 80 Prozent der Energie importiert werden.

Eine Lösung könnte der Ökotourismus sein, eine Form des Reisens, bei der Umwelt- und Naturschutz nicht vernachlässigt werden. Solche Aspekte werden für Urlauber ohnehin immer wichtiger: Laut einer Umfrage des WWF wollen 25 Prozent der Deutschen bei ihren Reisen auf Umweltstandards achten.

Kaum Unterstützung von der Regierung

Dass viele es bereits tun, merkt Andrew Gillies jeden Tag. Der Südafrikaner ist Unternehmer, er hat sich mit seiner Firma Eco Lodgistix dem Ökotourismus verschrieben. Eco Logdistix betreibt fünf Logdes in Namibia, Zentrale ist die DesertHomestead Lodge, nur wenige Kilometer von den Dünen um Sossusvlei entfernt. Wer hier übernachtet, heizt, kühlt und beleuchtet sein Zimmer mit Solarstrom. "Neu ist dieses Konzept zwar nicht", gibt Gillies zu, "aber es kommen immer Touristen, die genau nachfragen, wie auf den Lodges gearbeitet wird – und woher die Energie kommt." Doch die Stromerzeugung durch umweltfreundliche Technologien ist kostspielig: "Die namibische Regierung unterstützt den Bau von Solaranlagen finanziell überhaupt nicht, also müssen wir für deren Anschaffung erst mal viel Geld hinlegen." Ohne die Einnahmen aus dem Tourismus wären solche Investitionen kaum denkbar.

Waserfälle (Quelle: picturealliance/Bildagentur Huber)

...oder Wasserfälle - die landschaftliche Vielfalt lockt zunehmend Touristen

Die Europäische Union fördert Eco Lodgistix und deren so genannte Gemeinschaftslodge, die Grotenberg Lodge südwestlich vom Etosha-Nationalpark. Sie ist komplett im Besitz der Gemeinde – keine Selbstverständlichkeit in Namibia, wo viel Land noch immer in der Hand weniger, oft weißer, Großgrundbesitzer ist. Die Einheimischen können nun am Tourismus teilhaben. Für viele ein Anreiz, das Jagen als Einkommensquelle aufzugeben. Natur und Wildnis können sich dadurch wieder ungestört entfalten: "Wir versuchen, die Konflikte zwischen Tier und Mensch zu reduzieren und ein friedliches Miteinander zu fördern", sagt Gillies.

Ähnliches haben die Macher von Wilderness Safaris im Kopf. "Wir verstehen uns als Safari-Betreiber und Umweltschützer in einem", erklärt Helen Daffner. Seit 1983 gibt es das Unternehmen; wer sich heute für eine Namibia-Reise mit Wilderness Safaris entscheidet, schläft in umweltschonend konzipierten Camps: Die Wüstensonne liefert den Strom, Regenwasser spült die Toiletten. Ein Teil der mit den Camps erwirtschafteten Einnahmen fließt in den Natur- und Artenschutz, beispielsweise in den "Save the Rhino Trust". Er hat den Schutz der Wüsten-Nashörner zum Ziel. Lob gibt es dafür unter anderem vom WWF.

Reiseanbieter müssen besser kommunizieren

Viele andere Hotel- und Safaribetreiber setzen sich ebenfalls für Nachhaltigkeit ein. "Der Tourismus in Namibia ist stark gekennzeichnet durch den Umweltgedanken", sagt Wolfgang Strasdas, Professor für nachhaltigen Tourismus an der Fachhochschule Eberswalde, "die Menschen haben verstanden, dass Landschaft und Tierwelt touristische Ressourcen sind." Strasdas forscht derzeit in Namibia und freut sich, wenn er auf einer Urlauber-Lodge Solarzellen statt der sonst üblichen Dieselgeneratoren sieht. Er glaubt, dass Tourismus durchaus helfen kann, umweltfreundliche Technologien zur Energieerzeugung voran zu bringen.

Genügend Möglichkeiten dafür gibt es: Mittlerweile sind mehrere Hotels und Lodges nach Umweltstandards zertifiziert, nun müssen die Reiseanbieter das noch besser bewerben. "Was die Kommunikation solcher nachhaltigen Angebote betrifft, hat die Tourismusindustrie komplett versagt", meint Strasdas. Da hilft nur eins: Die Urlauber müssen weiter gezielt danach fragen.

Autorin: Anja Koch
Redaktion: Ranty Islam