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Wirtschaft

Öko-Aktien im Ausverkauf

In Deutschland ist die Atomenergie ein Auslaufmodell. Den Erneuerbaren Energien gehört die Zukunft. Doch die Branche kämpft an der Börse gegen den Abwärtstrend - und das schon seit einigen Jahren.

Montage dreier regenerativer Energiekraftwerke. Wasserkraft, Windkraft und Solarkraft (DW Grafik)

In den Konzernzentralen der großen Energieunternehmen herrschte Katerstimmung, als die Bundesregierung im Frühsommer das endgültige Aus für den Atomstrom in Deutschland verkündete. Kein Wunder, die Branche muss sich auf gewaltige finanzielle Einbußen einstellen. Einen Kurssprung hingegen machten die Öko-Aktien. Aber es war, wie Norbert Allnoch vom Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster sagt, nur ein kurzfristiger Höhenflug.

Auch wenn sie als Hoffnungsträger gelten, die Aktienkurse der Windanlagenbauer oder Solarzellenhersteller bekommen seit einigen Jahren nur noch selten die Kurve nach oben, wie der Branchen-Aktienindex für Regenerative Energien, der Renixx, zeigt. Er weist die Werte der 30 weltweit größten an den Börsen notierten Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien aus. Auch diese Branche hat unter der Finanz- und Wirtschaftskrise gelitten – bis heute.

Preise geraten unter Druck

Aktienkurve (Foto: dpa)

Öko-Aktien schaffen derzeit nur kurzfristig einen Höhenflug

Für den nunmehr fast drei Jahre andauernden Abwärtstrend der Papiere gibt es mehrere Gründe. So seien die Banken, sagt IWR-Direktor Norbert Allnoch im Gespräch mit DW-WORLD.DE, bei der Finanzierung von Projekten nach wie vor sehr zurückhaltend. Das betreffe vor allem die Windanlagenbauer. Im Solarbereich hätten Spanien und Deutschland die Marktzugänge wegen Überkapazitäten gedrosselt: "Und durch diese Überkapazitäten kam es dazu, dass einerseits die Preise unter Druck geraten sind und dann auch die Gewinne der Unternehmen."

Auch die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima, sagt Allnoch, habe nur ein kurzes Strohfeuer in der Branche ausgelöst. Die Kernenergie sei wegen des Ereignisses zwar weltweit in die Diskussion geraten und die Erneuerbaren Energien galten wieder als großer Hoffnungsträger. Doch auch dieser Ausflug in luftige Börsenhöhen war nicht von Dauer. Mit den Kursen ging es wieder bergab. Und so kommt es, sagt Norbert Allnoch, dass das Börsenbarometer Renixx seit dem Höchststand im Jahre 2007 mit 1918 Punkten bis heute über 80 Prozent nachgegeben habe.

Vom Abwärtstrend seien besonders die Papiere von chinesischen Wind- und Solarunternehmen betroffen. Das habe sehr viel mit den Überkapazitäten in Europa zu tun. Der Markt sei mit Solaranlagen gesättigt. Da der heimische chinesische Markt noch nicht erschlossen sei, sagt der IWR-Direktor, könnten dort auch keine großen Geschäfte gemacht werden: "Letztendlich ist es so, dass China oder auch die USA in diesem Bereich für den heimischen Markt eigentlich noch zu wenig tun. Vor allem China versucht, die Technologie nur zu exportieren."

Weniger Geld für Subventionen aus der Staatskasse

Kein Wunder also, dass etlichen in- und ausländischen Anbietern von Erneuerbaren Energien nach Jahren starken Wachstums große Probleme ins Haus stehen. Zudem konnten sie in den "fetten" Jahren vor allem in Deutschland mit beträchtlichen staatlichen Fördermitteln rechnen, die nun sukzessive zurückgefahren werden.

Harald Gruber (Foto. Silvia Quandt Research)

Anlagenexperte: Harald Gruber

Mit weiteren Gesetzesnovellen will die Bundesregierung jedoch die Folgen des Ausstiegs und einen beschleunigter Umstieg auf erneuerbare Energien regeln. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien soll bis 2022 auf 35 Prozent mehr als verdoppelt werden. Windkraftanlagen im Meer sollen stärker gefördert werden, Strom aus Biomasse weniger, die Förderung für Solarenergie soll langfristig sinken.

Der Staat hat angesichts der hohen Verschuldung einfach nicht mehr so viel Geld für Subventionen, sagt Harald Gruber von Silvia Quandt Research. Hinzu komme, so Gruber zu DW-WORLD.DE, dass das Thema Klimawandel derzeit hinter Finanz- und Bankenkrise zurückstehen müsse: "Die Solaraktien sind meiner Meinung nach vor allen Dingen deswegen unter Druck geraten, weil man im Zuge der Schuldenkrise Schwierigkeiten auf das Bankensystem zukommen sieht. Und die Banken sind nach wie vor der größte Kapitalgeber für Solarunternehmen." Entsprechende Projekte, so Gruber, seien nicht selten mit bis zu 80 Prozent allein durch Bankdarlehen finanziert worden.

Das Geschäft mit der Erneuerbaren Energie, sagt Harald Gruber, könne derzeit mit einem einzigen Wort überschrieben werden – und das laute: Unsicherheit. Die politischen Entscheidungen sind zwar gefallen, der Atomausstieg besiegelt. Aber die Branche müsse sich nun umorientieren. Und eine Umorientierung bringe nicht nur Chancen mit sich, sondern auch Risiken: "Und das ist genau das, womit derzeit jeder Manager in der Industrie konfrontiert ist."

Autorin: Monika Lohmüller
Redaktion: Henrik Böhme

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