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Europa

Öcalan: Kurden wollen Koexistenz

Der seit drei Jahren in der Türkei inhaftierte frühere Führer der militanten Arbeiterpartei Kurdistans, Abdullah Öcalan, bestreitet in einem DW-Interview, dass die Kurden in der Türkei separatistische Ziele verfolgten.

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Abdullah Öcalan auf der Gefängnis-Insel Imrali

In dem schriftlich geführten Interview des Türkischen Programms der Deutschen Welle erklärte Öcalan: "Die Kurden (in der Türkei) haben zu keinem Zeitpunkt der Geschichte einen eigenen Staat gewollt." Öcalan bekräftigte in seinen Antworten auf die von seinen Anwälten übermittelten schriftlichen Fragen, die Kurden hätten stets über eine politische und gesellschaftliche Koexistenz nachgedacht: "Dafür gibt es in der Geschichte auch Beispiele. Seit der Ankunft der Türken über die Verbreitung des Osmanischen Reiches bis zum nationalen Befreiungskampf vor der Gründung der Republik befanden sich die Kurden in einem umfassenden Bündnis mit den Türken. Wir wissen, dass die Kurden bei diesem Zusammensein eine wichtige Rolle gespielt haben".

Nicht ausreichend demokratisiert

Zu den blutigen Kämpfen zwischen seiner Organisation und den türkischen Sicherheitskräften sei es nach Angaben des zum Tode verurteilten PKK-Chefs gekommen, weil die türkische Republik "nicht ausreichend demokratisiert" gewesen sei. Öcalan, der in einem Hochsicherheitsgefängnis auf der Insel Imrali im Marmarameer einsitzt: "Zu den PKK-Aufständen kam es, weil den Kurden keine Freiheiten eingeräumt worden waren, sich zu artikulieren."

Imrali

Gefängnis-Insel Imrali im Marmara-Meer

Der PKK-Führer betonte, er glaube weiterhin fest an eine "türkisch-kurdische Bruderschaft": "Ich habe niemals Feindschaft gegen das türkische Volk gehegt", so Öcalan gegenüber der Deutschen Welle. Auch zu der gegen ihn verhängten Todesstrafe äußerte sich Öcalan - und erklärte: "Angst vor der Hinrichtung habe ich nicht. Ich habe jahrelang nach einem Gesprächspartner gesucht, um den Krieg zu beenden. Die Geschichte muss neu geschrieben werden. Ich kämpfe inzwischen darum, die Unlösbarkeit des Problems zu beenden."

Vollstreckung der Todesstrafe aufgeschoben

Öcalan war am 16. Februar 1999 in einer Geheimaktion in Nairobi gefangengenommen und per Flugzeug in die Türkei gebracht worden. Das Todesurteil gegen ihn wegen Hochverrats war am 29. Juni 1999 vom Staatssicherheitsgericht gefällt und am 26. November 1999 von der höchsten Berufungsinstanz einstimmig bestätigt worden. Öcalan wird u.a. vorgeworfen, im Verlauf des Kampfes der PKK gegen die Türkei zwischen 1984 und 1999 für den Tod von mehr als 30.000 Menschen schuldig zu sein.

Mit einer einstweiligen Verfügung, der sich die Türkei gefügt hat, sorgte der Europäische Menschenrechtsgerichtshof für eine Aufschiebung der Vollstreckung der Todesstrafe bis zur endgültigen Urteilsfindung in Straßburg. In der Türkei wurde seit 18 Jahren niemand hingerichtet. Öcalan, der täglich von Ärzten untersucht wird, hat nach eigenen Angaben seit seiner Inhaftierung 323 Bücher gelesen und rund 170 Anwälten Vollmacht erteilt.