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Frankreich

Élysée-Kandidaten streiten über Europa

In weniger als drei Wochen steht in Frankreich die erste Runde der auch für die EU richtungsweisenden Präsidentschaftswahl an. In einer großen TV-Debatte trafen jetzt erstmals alle elf Kandidaten aufeinander.

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Kandidaten streiten über Europa

Bei der ersten Fernsehdebatte für die diesjährige Präsidentschaftswahl vor zwei Wochen waren nur die fünf aussichtsreichsten Kandidaten eingeladen worden - sehr zum Verdruss der anderen Bewerber. Nun durften in einer Mammut-Diskussionsrunde in den Nachrichtensendern BFMTV und CNews alle elf Kandidaten antreten - ein Novum in Frankreich. Neben den Themen Arbeitsmarkt, Sozialstaat und Sicherheit nahm die Haltung der Bewerber zu EU und Euro naturgemäß wieder breiten Raum ein.

Die Rechtspopulistin Marine Le Pen, die in der ersten Wahlrunde am 23. April die meisten Stimmen erzielen könnte, erneuerte ihre Forderung nach einem Referendum über den Austritt Frankreichs aus der EU. Sie sprach sich für einen "intelligenten Protektionismus" aus, um die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs zu verteidigen: "Die Freihandelsabkommen werden uns töten", meinte Le Pen.

Schlagabtausch

Der parteilose Mitte-Kandidat und Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und der Konservative François Fillon verteidigten hingegen Frankreichs Platz in der Europäischen Union. "Wir brauchen Europa, um uns zu beschützen", sagte Fillon. Die EU müsse sich aber auf bestimmte strategische Ziele konzentrieren. Macron warf Le Pen vor, mit ihren Vorschlägen einen "Wirtschaftskrieg" anzuzetteln. Außerdem würde eine Abkehr vom Euro die Kaufkraft der Franzosen senken, so Macron.

Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon warb erneut dafür, die EU-Verträge neu zu verhandeln oder aufzukündigen. Der Sozialist Benoît Hamon hielt ihm aber vor, keine "Lösungen" für eine Reform Europas vorzuschlagen.

Kopf-an-Kopf

Umfragen sagen derzeit für die erste Wahlrunde ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Le Pen und Macron voraus. Beide würden es damit in die Stichwahl vom 7. Mai schaffen, wo Demoskopen dann einen klaren Sieg von Macron vorhersagen. An dritter Stelle steht derzeit der durch eine Scheinbeschäftigungsaffäre angeschlagene Fillon, gefolgt von Mélenchon und Hamon.

Die anderen Kandidaten liegen in Umfragen allesamt unter fünf Prozent: der Rechtspolitiker Nicolas Dupont-Aignan, Nathalie Arthaud von "Lutte Ouvrière" (Arbeiterkampf), Philippe Poutou von der Neuen Antikapitalistischen Partei, der zentrumsliberale Abgeordnete Jean Lassalle, der Unabhängige Jacques Cheminade und der Rechtsnationalist François Asselineau. Ihnen bot die TV-Debatte am Dienstagabend immerhin die Chance, einem größeren Publikum bekannt zu werden.

Die TV-Debatten - eine dritte ist für den 20. April geplant - sind auch deswegen für die Kandidaten wichtig, weil viele Franzosen noch nicht entschieden haben, wem sie bei der Wahl ihre Stimme geben werden.

wa/stu (afp, dpa)

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