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Weltgesundheit

Äthiopier Tedros wird Chef der WHO

Erstmals stammt der Direktor der Weltgesundheitsorganisation aus Afrika. Der Äthiopier Tedros Adhanom Ghebreyesus kennt die Probleme des Kontinents aus erster Hand.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den äthiopischen Mediziner Tedros Adhanom Ghebreyesus zum neuen Generaldirektor gewählt. Der frühere Gesundheitsminister und Ex-Außenminister setzte sich nach Angaben von Diplomaten in Genf auf der Weltgesundheitsversammlung gegen zwei Mitbewerber aus Großbritannien und Pakistan durch.

Sein persönliches Schicksal treibt ihn an

Der 52-jährige Tedros beginnt seine fünfjährige Amtszeit am 1. Juli und wird der erste Afrikaner an der Spitze der Weltgesundheitsorganisation sein. Er löst die Chinesin Margaret Chan (69) ab, die 2007 als WHO-Generaldirektorin angetreten war. Der Äthiopier, der mit dem ersten Namen Tedros angesprochen wird, kennt die Probleme seines Heimatkontinents. Mit sieben Jahren erlebte der frisch gebackene Generaldirektor sein größtes Trauma. "Ich verlor meinen Bruder, er war fünf", erzählt Tedros immer wieder. Der Kleine starb an einer Krankheit, die eigentlich behandelbar ist, hätte das Gesundheitswesen in der Heimat des Äthiopiers damals funktioniert. Der Schmerz über den Verlust treibe ihn bis heute an: "Meine Vision ist eine Welt, in der jeder einzelne unabhängig von der Herkunft und wo er lebt ein gesundes und produktives Leben leben kann", sagt er. 

Tedros hatte versprochen, sich für eine bezahlbare Gesundheitsversorgung für jeden Menschen auf der Welt einzusetzen, egal ob arm oder reich. Er habe in Äthiopien innerhalb von sechs Jahren ein Gesundheitssystem aufgebaut und kenne die Tücken. "Aber damit geben wir den Menschen Hoffnung, das ist eine Investition in die Zukunft", sagte er. Die WHO müsse den Kampf gegen alte Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose genauso entschlossen führen wie gegen neue Epidemien wie etwa Ebola. Tedros versprach, für alle 194 WHO-Mitgliedsländer zu arbeiten.

Tedros studierte Infektionskrankheiten in Großbritannien und machte einen Doktor in öffentlichem Gesundheitswesen. 2005 wurde er Gesundheitsminister und weitete den Gesundheitsdienst deutlich aus. Daneben leitete er internationale Initiativen gegen Malaria, Tuberkulose und Aids. Er habe die Versorgung in seinem Land umgekrempelt, er könne auch die WHO erneuern, sagt Tedros. Dass dort Reformen nötig sind, ist klar.

Vertrauensverlust in die WHO

Unter Chans Führung rutschte die WHO in einen schwere Krise, weil die Organisation zu langsam und unbeholfen auf die schwere Ebola-Krise in Westafrika reagierte. Dabei nahm das Vertrauen in die WHO schweren Schaden. Die Medizinerin aus Hongkong übernahm die Verantwortung für das Fehlverhalten. Nach Ausbruch der Epidemie 2013/2014 starben 11.000 Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone.

Zur Wahl standen neben Tedros der britische Mediziner und UN-Diplomat David Nabarro sowie die pakistanische Medizinerin und Gesundheitsaktivistin Sania Nishtar. Insgesamt arbeiten gut 8000 Menschen für die 1948 gegründete Organisation. Neben der Zentrale in Genf unterhält die WHO sechs regionale Zentren und 150 Länderbüros. Das Zweijahresbudget beträgt 4,4 Milliarden US-Dollar.

pab/pg (dpa, epd)

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