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Kultur

Ärztemangel hat Folgen fürs Ausland

Pharmaindustrie, Gesundheitswesen, Medien - dort sind Ärzte sehr gefragt. Im Gegenzug schwindet an Kliniken die Zahl der Mediziner. Ausländische Ärzte füllen die Lücke.

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Stressbetrieb Krankenhaus - viele deutsche Ärzte hängen den Klinikkittel an den Nagel

"In erster Linie kommen die Ärzte, die hier Arbeit suchen, aus dem Osten", sagt Susann Katelhön vom Auslandsdienst der Bundesärztekammer. Bei ihr gehen die Anträge der arbeitssuchenden Ärzte ein. Für viele Mediziner sei die Arbeit in Deutschland nicht nur ein finanzieller Vorteil. Deutschland hat nach wie vor einen guten Ruf in Sachen Medizin. "Wissenschaftliche Erfahrungen und eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten, ist für die Karriere immer wichtig", so Katelhön. Die meisten Ärzte wollten sich nicht für immer in Deutschland niederlassen. "Ein paar Jahre gutes Geld verdienen und dann in der Heimat mit neuem Wissen das Gesundheitswesen verbessern", das haben zumindest einige Ärzte Susann Katelhön erzählt.

Polen fehlen gute Ärzte

Die Abwanderung der ausländischen Ärzte bleibt nicht ohne Folgen. "Für deren Heimatländer wird das langsam zum Problem", erklärt Knut Köhler von der Landesärztekammer Sachsen. In Polen habe es nie arbeitslose Ärzte gegeben, wie er aus Zusammenarbeit mit der polnischen Kammer weiß. Die Anreize in Deutschland sind jedoch besser. Zunehmend fehlt daher in Polen qualifiziertes Personal.

Auch Dr. Rafal Zorawski arbeitet seit eineinhalb Jahren am Klinikum Karlsburg. Er macht dort seine Facharztausbildung für Innere Medizin. In Polen und Deutschland hatte er sich beworben. Als dann zwei Zusagen kamen, entschied er sich für die deutsche Stelle. "Sicher hoffe ich, dass das auch für meine medizinische Karriere gut sein wird", sagt Zorawski. Aber auch finanziell lohnt es sich. "Hier verdiene ich ungefähr doppelt so viel wie in Polen." Einen Unterschied zur Arbeit in Polen sieht er nicht. Die Lage seiner deutschen Arbeitsstätte ist für ihn optimal. Nur 120 Kilometer von seiner Heimatstadt Stettin entfernt. Dort leben seine Frau und seine Tochter.

EU-Erweiterung erleichtert Approbation

An seinen freien Tagen fährt er zu seiner Familie. "Wenn die Grenze nicht wäre, würde ich auch schneller zu Hause sein", so Zorawski. Er hofft darauf, dass nach der der Osterweiterung der Europäischen Union die Staus weniger werden. Aber nicht nur deshalb findet er den EU-Beitritt Polens gut. Denn für Ärzte aus EU-Mitgliedsländern ist der Antrag für die Approbation, also eine zeitlich unbegrenzte Berufserlaubnis, reine Formsache. "Laut der Ärzterichtlinie gelten in den EU-Ländern gleiche Ausbildungsstandards", sagt Susann Katelhön.

Wer hingegen nicht aus der Europäischen Union kommt, kann nur eine Berufserlaubnis für drei bis vier Jahre beantragen. Und dazu müssen die Ärzte ihre berufliche Qualifikation nachweisen. Nach Ablauf der Frist wird es schwer, die Approbation zu bekommen. Dazu müssen die Ärzte eine "Einbürgerungszusicherung" vorweisen - etwa einen deutschen Ehepartner haben, asylberechtigt oder so genannte Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion sein.

Zahl ausländischer Ärzte wird steigen

Trotz dieser Hindernisse zeichnet sich ein deutlicher Trend ab. Seit etwa zwei Jahren, mit Beginn des Ärztemangels in Deutschland, arbeiten zunehmend ausländische Ärzte in der Bundesrepublik. "Allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Ausländer an Krankenhäuser um 12,3 Prozent", sagt Thomas Kopetsch, Leiter der Statistikabteilung der Bundesärztekammer. Derzeit gibt es in Deutschand knapp 17.300 Ärzte ohne deutschen Pass, gut 9300 davon in Kliniken. Und: "In den nächsten Jahren wird die Zahl ausländischer Ärzte rasant ansteigen", so Kopetsch. Ausreichende Vakanzen gibt es: 4500 offene Arztstellen sind in Deutschland zu besetzen.

"Kein Wunder, dass deutsche Ärzte ihren Job hinschmeißen", sagt Susann Katelhön. Sie selbst ist nach Jahren im Klinikbetrieb ins Gesundheitswesen gewechselt. Die Arbeitsverhältnisse waren für sie nicht mehr akzeptabel. "Keine Freizeit, kein Privatleben und dabei wird die eigene Arbeit an der Klinik nicht mal richtig anerkannt." Dass ihre ausländischen Kollegen das offensichtlich gerne in Kauf nehmen, versteht sie: "In manchen Ländern sind die Verhältnisse absolut miserabel, dass es für sie hier wirklich besser ist."

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