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Kultur

Ärzte ohne Grenzen

In Osteuropa gibt es zu viele Ärzte, im Osten Deutschlands zu wenige. Im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Polen funktioniert der Austausch über die Grenzen hinweg.

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Deutsche Perspektive für osteuropäische Ärzte

Im Sekretariat des Zittauer Kreiskrankenhauses schreibt man die schwierigen Namen der neuen Kollegen längst fehlerlos. Der Name von Agata Magdziarek taucht sehr häufig im Dienstplan auf. Die 28-jährige Assistenzärztin kam in die ostdeutsche Kleinstadt, weil zu Hause im polnischen Lodz die Perspektive fehlte. Zu viele arbeitslose Ärzte, sagt Magdziarek. "Ich wollte in einem Krankenhaus arbeiten, wo die Untersuchungs-, Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten auf einem hohen Niveau sind. Es gab keine Möglichkeit, in Lodz eine Arbeit zu finden."

Patienten statt Papier

Viele der osteuropäischen Ärzte kommen nach Deutschland, um praktisch arbeiten zu können. Ihre polnischen Kollegen machten vor allem Papierarbeit, sagt Agata Magdziarek. Bevor Polen und Tschechen aber in Deutschland arbeiten dürfen, prüft das deutsche Arbeitsamt genau, ob kein Deutscher für die Stelle zur Verfügung steht. So dauerte es sechs Monate, bis das Zittauer Krankenhaus die Erlaubnis erhielt, die freie Stelle mit der Polin zu besetzen. Ein Deutscher war nicht zu finden.

"Die jungen deutschen Medizin-Absolventen zieht es nicht hierher", sagt Radiologe Dr. Gerald Gerlach. Jede sechste Arztstelle im Zittauer Krankenhaus ist deshalb inzwischen mit Ärzten aus Polen und Tschechen besetzt. "Ohne diese Kollegen könnten wir uns die Absicherung unserer Dienste, auch der Bereitschaftsdienste in der Inneren und der Chirurgie, nicht mehr vorstellen", so Gerlach.

Dreifaches Gehalt

Die osteuropäischen Ärzte verdienen in Zittau nach dem deutschen Tarif für öffentliche Angestellte. Das ist mehr als das Dreifache eines tschechischen Krankenhausarztes. Sie haben außerdem oft die Möglichkeit, die Ausbildung zum Facharzt zu absolvieren, was zu Hause schwierig wäre.

Dreikrankenhäuser-Eck

Auf Vorbehalte bei deutschen Patienten seien sie nicht gestoßen, beteuert Agata Magdziarek: "Ich hatte solche Sorgen gehabt. Ist aber nie passiert." Im Dreiländereck leben Polen, Tschechen und Deutsche eng zusammen. Bürokratische Hindernisse hat man bereits vor der EU-Erweiterung überwunden. 1997 hat das Krankenhaus im polnischen Bogatynia erstmals eine verunglückte Motorradfahrerin per Krankentransport zum Röntgen nach Zittau gebracht, weil dort bereits ein Computertomograph stand. Die Krankenhäuser tauschen auf "telemedizinischen" Wege Befunde aus, organisieren Expertenkonsultationen.

Zu Zittau und Bogatynia hat sich das tschechische Liberec gesellt. Alle drei Krankenhäuser sind per digitaler Bildleitung verbunden. Nur eines können die Radiologen in Zittau künftig nicht mehr: die Notfall-Patienten der Nachbarn kostenlos röntgen. Dafür läßt der Sparkurs im deutschen Gesundheitswesen auch ihnen keinen Spielraum mehr.

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