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Aktuell Afrika

Ärzte ohne Grenzen kritisieren Versagen im Kampf gegen Ebola

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hat der internationalen Gemeinschaft krasses Versagen im Kampf gegen Ebola vorgeworfen. Zudem dürfe die Seuche nicht vorschnell für beendet erklärt werden.

Die Mängel reichten von den schwachen Gesundheitssystemen in den betroffenen Ländern bis zur Lähmung der Hilfe von internationaler Seite, so die Schlussfolgerung eines Berichts zur Lage in den von Ebola betroffenen Ländern ein Jahr nach Ausbruch der Seuche.

"Die Ebola-Epidemie hat schonungslos offengelegt, wie ineffizient und langsam die internationalen Gesundheits- und Hilfssysteme auf Notfälle reagieren", sagte die internationale Präsidentin von "Ärzte ohne Grenzen", Joanne Liu, in Berlin. Eine "globale Koalition der Untätigkeit" habe zu der massiven Verbreitung der Krankheit geführt. Für das Versagen wurden verschiedene Institutionen und insbesondere auch die Weltgesundheitsorganisation WHO verantwortlich gemacht.

"Ärzte ohne Grenzen" habe bereits im März 2014 vor einer breiten Epidemie gewarnt, die betroffenen Länder Guinea, Sierra Leone und Liberia hätten den Ausbruch aber zunächst geleugnet. In dieser Zeit habe sich das Virus "völlig unkontrolliert" verbreitet. Für das kollektive Scheitern hätten Tausende Menschen mit dem Leben bezahlt.

Immer noch Neuinfektionen

Noch immer stecken sich der Organisation zufolge jede Woche mehr als 100 Menschen neu mit dem Virus an. Die Neuinfektionen pro Woche seien seit Januar nicht mehr gesunken. In Guinea stiege die Zahl der Patienten sogar an. Daher solle die Epidemie nicht vorschnell für beendet erklärt werden. Es fehle noch immer an Strategien für die Bekämpfung von Ebola, heißt es in dem Bericht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Freitag ihr Vorgehen bei der Epidemie verteidigt. Man habe den Ausbruch nach der medizinischen Bestätigung der ersten Fälle in Guinea im März 2014 sehr ernst genommen. US-Medien hatten unter Berufung auf WHO-interne E-Mails berichtet, der internationale Gesundheitsnotstand sei mehrere Monate zu spät ausgerufen worden. Afrikanische Ebola-Experten der Organisation hatten demnach bereits im April deutlich mehr Hilfe gefordert.

In den am stärksten betroffenen westafrikanischen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea starben nach WHO-Angaben seit Dezember 2013, als die ersten Fälle aufgetreten waren, insgesamt mehr als 10.000 Menschen an dem Virus. Fast 25.000 Menschen in neun Ländern hatten sich infiziert. Die Dunkelziffer liegt wohl wesentlich höher.

chr/gri (afp, epd)