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Politik

Ärmere Länder reagieren auf Lebensmittelkrise

Reis erzielt derzeit Spitzenpreise auf dem Weltmarkt. Dies ist für viele ärmere Länder ein Problem, bietet aber auch Chancen. Beispiel ist das Reisexportland Vietnam. Gegenbeispiele sind Brasilien und Bangladesch.

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Reis ist zu einem teuren Gut geworden

Die Lebensmittelkrise hat in weiteren Ländern für Reaktionen und Probleme gesorgt. So will Vietnam die Reis-Exporte weiter einschränken. Trotz einer guten Frühjahrsernte im Mekong-Delta, der Reiskammer des südostasiatischen Landes, bleiben die Ende März in Kraft getretenen Exportauflagen bestehen. Dies kündigte Vizehandelsminister Nguyen Than Bien an. Ziel der restriktiven Exportpolitik sei einerseits die Sicherung des Angebots für den Inlandsmarkt, anderseits steigere eine Verknappung der Exportmengen den Preis und damit den Profit.

Vietnam ist nach Thailand weltweit das zweitgrößte Reis-Exportland. Auch wenn das Land nicht unter einen Reismangel leidet, muss die Bevölkerung mit einer hohen Preissteigerungsrate aufgrund der drastisch gestiegenen Kosten für Nahrungsmittel leben. In Vietnam sind in den ersten vier Monaten dieses Jahres die Verbraucherpreise um 17 Prozent gestiegen.

Exportstopp auch in Brasilien

Auch Brasilien hat angesichts der steigenden Preise einen vorübergehenden Exportstopp für Reis angekündigt. Zudem werde ein Teil der Reisreserven des Landes verkauft, um die Versorgung zu sichern und die hohen Preise zu senken, unter denen die Bevölkerung des Landes leidet. Nach Angaben der Regierung steigt der Reispreis derzeit um ein Prozent täglich. Der Exportstopp sei notwendig, um die Versorgung Brasiliens bis Ende des Jahres zu sichern, sagte Landwirtschaftsminister Reinhold Stephanes.

Menschen in Bangladesch kämpfen um verdorbenen Reis

Lebensmittel Krise Verteilung von Reis in Bangladesch

Reisverkauf in Dhaka

In Bangladesch kann schon von einer Hungerkrise gesprochen werden, die dramatische Ausmaße annimmt. In dem Land soll die Armee verhindern, dass Bewohner eines Armutsviertels verdorbenen Reis von einer Mülldeponie aufsammeln und essen. Die Deponie des Hafens Chittagong wurde von Soldaten umstellt. Zuvor waren hunderte Bewohner eines Elendsviertels auf die Müllkippe gestürmt, nachdem die Behörden dort mit der Entsorgung von rund 500 Tonnen verdorbenen Reis begonnnen hatten.

Manjula Begum, Mutter von drei Kindern, ist es egal, dass es sich nicht um ein frisches Produkt handelt. Sie sei sicher, dass ihr und den Kindern der Reis nicht schaden werde. Das auch verdorbene Lebensmittel ihre Abnehmer finden, kann allerdings in einem Land nicht erstaunen, in dem die Hälfte der rund 140 Millionen Einwohner mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen muss.

OECD gibt leichte Entwarnung

Unterdessen geht die Diskussion über die hohen Lebensmittelpreise weiter. Leichte Entwarnung gibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit OECD. Die extrem hohen Nahrungsmittelpreise seien nicht von Dauer. Allerdings werde der mittelfristige Rückgang eher langsam vonstatten gehen, sagte der OECD-Direktor für Handel und Landwirtschaft, Stefan Tangermann, der 'Wirtschaftswoche'. Tangermann fordert, die derzeitigen Marktinterventionen dürften nicht dauerhaft bestehen bleiben. Sie seien auf mittlere Sicht kontraproduktiv.

UNICEF fordert Frühwarnsystem gegen Hunger

Für dramatischer hält der neue Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Jürgen Heraeus, die Situation. Der Vorsitzende der Kinderhilfsorganisation fordert ein Frühwarnsystem gegen Hunger. "Wenn Bilder von Hungerbäuchen im Fernsehen laufen , ist es meist zu spät." Heraeus legte einen Drei-Punkte-Plan vor. Erstens müsse zum Beispiel durch Schulspeisungen und Hilfen für Arme rasch geholfen werden. Zweitens müsse die Selbstversorgung in armen Ländern wachsen. Drittens sollten die Regierungen mehr Geld für die Ernährungssicherung in armen Ländern bereitstellen. " Nahrung ist ein Menschenrecht", so Heraeus. (la)

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