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Kultur

Ärger vor dem grünen Rasen

Die Fußball-WM 2006 könnte alle Rekorde brechen, zumindest was die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften betrifft. Ob das Sinn macht, ist zwischen Organisator und Veranstalter umstritten.

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Beleuchteter Donut? Ein Modell des geplanten WM-Stadions in München

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland könnte das größte Fußball-Turnier aller Zeiten werden. Die Exekutive der Internationalen Fußballunion FIFA gab auf ihrem jüngsten Meeting in Zürich in einer Grundsatzentscheidung bekannt, dass 36 Mannschaften am Wettbewerb teilnehmen werden. Bei der vorherigen WM in Frankreich traten noch 32 Mannschaften gegeneinander an. 1982 in Spanien waren es "nur" 24, und davor immer 16 gewesen.

FIFA-Präsident Joseph Blatter setzte die Erhöhung "unter dem Vorbehalt durch", dass mit den zusätzlichen vier Mannschaften ein Spielplan erstellt werden kann, "der die sportliche Glaubwürdigkeit garantiert". Darüber soll die FIFA-Spitze am 28. Juni in Paris befinden.

Eingebracht wurde der Antrag vom Argentinier Julio H. Grondona. Der von Blatter zum Chef der Finanzkommission berufene Vize-Präsident der FIFA war sauer darüber gewesen, dass Südamerika nach dem Wegfall des automatischen Startrechtes für den Weltmeister nur noch vier statt fünf von zehn Mitgliedsverbänden zur WM schicken darf.

Logistische Probleme

Sollte die Erhöhung eine Mehrheit finden, werden im Sommer ein Sechstel der rund 200 FIFA-Mitglieder nach Deutschland reisen, um den Weltmeistertitel zu erkämpfen. Zusätzliche Spielpaarungen würden notwendig - das Turnier wäre deshalb auch das längste in der WM-Geschichte. Ein Monat wäre zu kurz. Statt drei müssten bis zu vier Spiele pro WM-Tag ausgetragen werden. Die Qualifikation von sieben Gruppenzweiten neben den Gruppensiegern für das Achtelfinale würde zu einem undurchsichtigen Rechenkunststück.

Die Entscheidung rief vor allem beim deutschen Organisationskomitee (OK) Empörung hervor. OK-Chef Franz Beckenbauer drohte mit Rücktritt. "So macht's keinen Spaß. Ich habe keine Lust, Prügel für Entscheidungen zu bekommen, die ich nicht verantworte. Nicht mit mir", sagte Beckenbauer in einem Zeitungsinterview.

Kritik an deutscher WM-Planung

Joseph Blatter

FIFA-Präsident Joseph Blatter

Nachdem von allen Seiten Kritik geäußert wurde, hat sich Blatter jetzt auf die Seite Beckenbauers geschlagen. "Das Exekutivkomitee hat mit diesem Vorstoß einen klaren Fehler gemacht. In diesem Punkt kann ich Beckenbauers Verärgerung verstehen", sagte Blatter, der ansonsten aber auf Distanz zum deutschen OK-Chef ging, und die WM 2006 zur Chefsache erklärte. "Ab sofort werde ich mich selbst um die WM kümmern", lautete seine vollmundige Ankündigung, die zugleich auch eine Kritik an der eigenen Verbandszentrale darstellt.

In erster Linie aber sieht er die Ursache für die ins Stocken geratenen WM-Planungen im deutschen WM-OK, in dem das Führungsquartett mit Präsident Beckenbauer sowie den Stellvertretern Horst Schmidt, Fedor Radman und Wolfgang Niersbach auf zwei Büros (in Frankfurt am Main und München) verteilt ist. "Wir möchten letztlich nur einen Ansprechpartner haben: Schmidt oder Radman oder Beckenbauer oder Niersbach."

Die Angesprochenen waren am Donnerstag (8.5.2003) von Blatters Angriff völlig überrascht und zeigten sich verärgert. "Es stimmt nicht, dass wir ein generelles Kommunikationsproblem haben. Es herrscht ein Dialog unter Wahrung der eigenen Positionen. Wir warten nicht einfach auf Direktiven aus Zürich."

Auf Besichtigungstour

Inzwischen reist eine Delegation der FIFA durch Deutschland, um die Spielorte zu inspizieren. Noch bis zum 12. Mai werden die zwölf Stadien und die Bedingungen in München geprüft, wo das internationale Medienzentrum gebaut werden soll. "Wir wollen der FIFA damit die Möglichkeiten der Standorte zeigen und sie davon überzeugen, dass wir die hohen FIFA-Standards einhalten können," so Vize-Präsident Schmidt. Berlin, Köln, Dortmund, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart sind als Spielorte ausgewählt worden. Das Eröffnungsspiel soll in einem neuen Stadion in München stattfinden. Das Finale wird im umgebauten Berliner Olympiastadion ausgetragen. (kas)

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